talk & ice

Rückschau und Sprechstunde der Jusos in der SPD-Fraktion

Am Sonntag, 16.8. laden die jüngeren Mitglieder der SPD Fraktion, angeführt von Lisa Wollmann und Otis Henkel unter dem Motto „Talk & Ice“ zu einer Bewertung der ablaufenden Ratsperiode ein. Bei Eis und kühlen Getränken stehen sie, neben den anderen Jusos Rede und Antwort zu allen Fragen, die die jüngere Generation betreffen. Gleichzeitig wollen sie einen Ausblick auf die Vorhaben der kommenden Zeit geben und über Wünsche & geplante Projekte reden.  Diese besondere „Bürgersprechstunde“ soll stattfinden auf dem Grillplatz Stumpeberg der Feuerwehr in Berkum in der Zeit von 15:00 bis 19:00 Uhr.  Getränke und Eis, die kostenlos angeboten werden, sind gesponsort von der Bürgermeisterin Renate Offergeld.

Der Steilpass im Juli 2020

Beinahe wären wir in den Genuss einer Attraktion gekommen. Im Falle eines Aufstieges in die 1. Bundesliga versprach Heidenheims Trainer Frank Schmidt: „ Dann lassen wir die Mücken rückwärts fliegen!. Leider ist daraus nichts geworden. Werder Bremen hat im entscheidenden Relegationsspiel in Heidenheim 2 : 2 gespielt und sich durch die Auswärtstore nach dem 0 : 0 in Bremen durchgesetzt.

Zur letzten Glosse gab es wieder einige bemerkenswerte Rückmeldungen, ernste, nachdenkliche, aber auch humorvolle. So berichtet Leser Kay von einer Anfrage, die ihn jüngst als Geschäftsführer eines renommierten Bonner Hockey- und Tennisclubs erreichte. Anrufer: „ Ist dort der Bonner Tennis- und Hockeyverein?“ Kay: „ Ja, seit 1903!“. Anrufer:      „ haben Sie auch Tennisplätze ?“ Der Anrufer schien ein großer Skeptiker zu sein.

Sportler sollten sich auf dem Spielfeld politisch nicht äußern. Daran wollten sich einige jetzt nicht mehr orientieren. Sie demonstrierten gegen den Rassismus in den USA. Eigentlich durften sie nicht. Gleichwohl gab es viel Lob. Man war sich einig, die Demonstration galt einer guten Sache.

Was aber machen wir, wenn Sportler für eine Sache demonstrieren, die politisch anrüchig ist? Man sollte das nicht vertiefen, muss aber damit rechnen, irgendwann sich mit einer entsprechenden Provokation auseinander setzen zu müssen. Die FIFA hat zu den letzten Weltmeisterschaften Kampagnen wie „ Sag nein zum Rassismus“ gestartet.  Sportler benutzten jüngst ihre Unterhemden zu Botschaften oder sie senkten ihr Knie als Zeichen der Solidarität. Damit unterstrichen sie ihre Übereinstimmung mit der FIFA Kampagne. Das hätten sie aber nicht tun, höchstens denken dürfen.

Ich erinnere mich an eine Szene in Rom. Dort schoss vor Jahren ein italienischer Stürmer von Lazio Rom ein Tor, das frenetisch von den ( rechtsextremen ) Ultras des Vereins gefeiert wurde. Der Spieler eilte zu denselben und bedankte sich, indem er den Arm nicht senkte, sondern zum faschistischen Gruß hob. Was machen wir bei solchen Botschaften?

Was sollen Fußballspieler können, die ins Ausland wollen? Fußball spielen natürlich. Daneben empfehle ich aber schon frühzeitig mit dem Erlernen von Fremdsprachen zu beginnen. Englisch auf jeden Fall, mit Abstand auch Spanisch, Italienisch oder Französisch. Exzentriker lernen auch Russisch (Höwedes, Kuranyi),  Japanisch (Buchwald, Littbarski, Podolski) oder Türkisch (Podolski). Vom Chinesischen oder Arabischen würde ich abraten, schon allein wegen der Tatsache, dass ein chinesisches Wort in hoher, mittlerer oder unterer Tonlage eine ganz verschiedene Bedeutung haben kann. Da stünden die Fettnäpfchen nur so vor einem. Von Vorteil wäre auch eine ungefähre Vorstellung über den geographischen Standort, damit es einem nicht so geht, wie einst Andy Möller: „ Ob Mailand oder Madrid ist mir egal, Hauptsache Italien“.

Wir werden in Deutschland nach jedem Spieltag mit ätzenden nichtssagenden Interviews gequält, von penetranten Journalisten aus noch gequälteren Spielern herausgepresst. Warum sollten nur wir darunter leiden? Deshalb sollte in den Koffer eines auswandernden Fußballers ein Kurzsprech in der jeweiligen Landessprache gehören.

Ein Vorschlag:

(1)Ja, gut; (2) der Trainer hat uns richtig eingestellt ( bei einem Sieg); (3) der Trainer war mit mir zufrieden (bei Sieg oder Unentschieden ); (4) ich konnte der Mannschaft helfen; (5) in der 28 Minute (beliebig ersetzbar) erzielten wir das erste Tor (beliebig ersetzbar); (6) wir schauen in der Tabelle nicht nach oben, wir konzentrieren uns auf das nächste Spiel; (7) das nächste Spiel ist das Schwerste; (8) der Ball ist rund.

Ist eine Frage nicht verstanden worden, dann passt irgend eine Antwort aus der Sammlung immer. Wenn er dann noch die (9)„Viererkette“ und die (10)„falsche Neun“ oder die (11)„abkippende Sechs“ unfallfrei über die Lippen der Fremdsprache  bringt, wird er ohne weiteres in das Aktuelle Sportstudio des jeweiligen Landes eingeladen.

„ Die wollen ja nur spielen“, wollte uns DFL-Seifert weis machen, als er sein 51-seitiges Hygienekonzept vorstellte. Dabei ging es nur um die Sicherstellung der Fernsehgelder für die Bundesligavereine.

Nun geht Timo Werner doch nicht zu den Roten nach Liverpool, sondern für 54 Millionen € zu den Blauen nach Chelsea London und einem 5-Jahresvertrag von ca. 140 Mill. € . Liverpool war ausgestiegen, weil man 100 Mill. € Debit irgendwie ausgleichen musste. Dann war die Luft raus und der Scheichclub stieg ein. Zusätzlich verpflichtete man Hakim Ziyech (Ajax Amsterdam) für 40 Millionen €. Er soll Werner mit Vorlagen füttern. So unterschiedlich jongliert man heutzutage im Fußball die Millionen. 100 Millionen scheinen eine magische Zahl zu sein. Der Investor Red Bull hat dem Leipziger Club genau diesen Betrag erlassen. Das können die leicht, weil es genug Deppen gibt, die das Gebräu kaufen. In der Bilanz hat man das Darlehen in eine Kapitalrücklage umgewandelt. Jetzt hat Leipzig keine 186 Mill. € Schulden, sondern nur noch 86 Mill.

Im Pokalhalbfinale zeigten die Bayern ( 2 : 1 gegen Frankfurt) in der ersten Halbzeit die Kunst, wie man allerbeste Chancen versemmelt. Dabei wurde von beiden Mannschaften so viel eklig gespuckt, als müsste damit der Platz gewässert werden. Wie kann man die Dreckspatzen von dieser Unsitte abhalten? Hat jemand eine Idee? Im Finale gegen Leverkusen gewannen sie anstandslos 4 : 2. Sie sind der nationalen Konkurrenz weit enteilt.

Eine andere Sache wird immer klarer und erklärt die Überlegenheit der Bayern. Sie spielen mit voller Kapelle, auch wenn zwei Solisten nicht mitspielen ( Müller, Lewandowski vs. Mönchengladbach 2:1). Mit Gnabry, Hernández, Perisic oder Martinez und künftig Sané füllen Superspieler die Lücke. Dabei war Gladbach gewiss keine Schülerkapelle. So sind sie schließlich souverän zum 30. Mal Deutscher Meister geworden. Das hat die Dortmunder so getroffen, dass sie im folgenden Spiel gegen Mainz zu Hause sang- und klanglos 0 : 2 verloren haben. Für sie ging es um nichts mehr. Das kommt allerdings in die Nähe von Wettbewerbsverzerrung, gerade beim Kampf der Teams gegen den Abstieg.

Fehlt ein wertvoller Solist in anderen Mannschaften, so merkt man das sofort. So gewann z.B. Dortmund in Düsseldorf mit 1 : 0 buchstäblich mit dem letzten Spielzug, als der kurz vorher eingewechselte Haaland einen Kopfball im Tor unterbrachte. Noch ein Beispiel:  Hertha in Berlin führte zur Pause 1 : 0 gegen Frankfurt. Dann musste ihr Abwehrchef Boyata mit einer Roten Karte versehen, vorzeitig unter die Dusche. Er fehlte dann an allen Ecken und Enden. Niemand vermochte die Lücke annähernd zu füllen. Hertha verlor 1 : 4.

Mein badischer Landsmann Christian Streich, Freiburgs Trainer, wurde 55. Ich mag seinen Humor und seine unverstellten Interviews, die nie in Sprechblasen enden. Nach dem Auswärtsunentschieden vor kurzem dachte ein Journalist an die Teilnahme am Europacup     ( der 7. Platz würde reichen, Freiburg steht an 8. Stelle) und fragte nach seinem Ziel am Ende der Saison: „ Mir kicke ja, damit wir 6. werden und nicht 7.“ Daraufhin fiel der Journalist in tiefes Nachdenken. Nach einer Niederlage meinte Streich in der anschließenden Pressekonferenz in Richtung des Trainerkollegen: „ Ich würde ihm lieber zum Geburtstag gratulieren – wenn er ihn hätte – als zum Sieg.“ Da blitzt sympathische Empathie auf.

Auf einer noch höheren Welle der Sympathie bewegt sich Jürgen Klopp. Nach 30 Jahren wird Liverpool wieder englischer Meister. Mit freuen darf sich auch Thomas Gronnemak. Er ist im Trainerteam für Einwürfe zuständig. Man muss sich das vorstellen. Der bestreitet seinen Lebensunterhalt mit Einwürfen. Das zeigt aber auch die Gründlichkeit von Jürgen Klopp. Als er kam, ging Torjäger Suarez nach Barcelona. Systematisch suchte er für jede Position den Spieler, der seine Vorstellung von Pressing und Gegenpressing am ehesten entsprach. So hat er jetzt eine unglaublich kompakte Truppe zusammen.

Neben den Fußballstadien gibt es in der Wirtschaft oder in der Politik aktuelle Schauplätze, über die man nur staunen kann. Das drückte ein Bekannter wie folgt aus. Ich sagte ihm, ich wüsste einen guten Witz und ob ich ihn erzählen sollte. „ Nein, danke“, meinte er, „ich sehe regelmäßig Nachrichten.“

Politisch nervt MP Laschet mit seiner Forderung nach „verantwortungsvoller Normalität“ Um darüber nachzudenken, habe ich aus dem Keller eine Flasche Lambrusco geholt. Man muss ja jetzt die gebeutelten Italiener unterstützen. Aber auch sie half mir nicht weiter. Dann habe ich es anders herum versucht. Das Gegenteil von Laschets Credo ist „verantwortungslose Normalität“. Und die fand ich in der Autoindustrie. Dort sind en masse verantwortungslose Gesellen vertreten, die zuerst ihre Kunden belügen, dann Gelder auf den Cayman-Inseln und anderen Steueroasen parken und trotzdem Milliarden flüssig haben. Bei VW sollen es 25, bei Daimler 18 und bei BMW 19 Mrd. € sein. BMW-Miterbin, Frau Kladden und ihr Bruder, durften mit einer bescheidenen Dividende von 800 Mill. € rechnen. Und dann wollen sie noch Steuermittel und ein Programm, das dem der früheren „Abwrackprämie“ ähneln soll! Angesichts dieser Chuzpe fällt mir nichts mehr ein.

Das Sahnehäubchen in dieser Galerie der Verantwortungslosen ist Billigfleischproduzent Tönnies. Er hätte eine eigene Kommentierung verdient. Dafür reicht aber der Platz in einer Glosse nicht. Markus Braun, Vorstandschef von WireCard hat jetzt noch einen drauf gesetzt. Er wurde bei der Suche nach verschwundenen 1,6 Mrd. € nach einer Kaution von 5 Mill. € wieder auf freien Fuß gesetzt. Mitvorstand Marsulek ist indessen untergetaucht. Er wurde auf den Philippinen gesehen und soll in China verschwunden sein. Das geht in China. Als für eine Dopingkontrolle Entsandte der WADA durchs vordere Tor des Trainingsbereiches fuhren, flüchteten chinesische Athleten hinten in die Wüste Gobi und waren nicht mehr gesehen.

It takes two for Tango, d.h. Betrüger plus die, die sich betrügen lassen. Man fragt sich entgeistert, wo waren die Wirtschaftsprüfer von WireCard oder die Bafin? Dort bewies man besonders naive Blauäugigkeit. Als Reporter der „Financial Times“ die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen auf die Betrügereien aufmerksam machten, untersuchten deren Beamte nicht WireCard, sondern die „Financial Times“. Sie gingen dem Verdacht der Marktmanipulaton nach. Für solche Beamten kann man sich nur schämen.

Dann gibt es die Cum-Ex-Geschäfte, mit denen der Staat und damit wir Steuerzahler um Mrd. € betrogen wurden. Es sind feine Banker, Steuerberater und Rechtsanwälte, die sich als Verbrecher an der Gesamtheit entpuppen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Führungskräfte es für normal halten, wenn sie uns Steuerzahler als intellektuell beeinträchtigt behandeln. Verantwortungslos ist, dass sie dem Staat Mittel entziehen, gleichzeitig aber beste Schulen, Infrastruktur etc. für sich und ihre Familien fordern. Damit habe ich für mich ansatzweise geklärt, was „verständnislose Normalität“ ist, ein Zustand also, in dem die eigentlich als Elite gelten sollenden Führungspersönlichkeiten sich als habgierige Lumpen entzaubern. Die sind auf einer Ebene mit korrupten afrikanischen Potentaten.

Die Lufthansa wollte dazu wenigstens einen Einakter auf die Bühne bringen. Vom Pleitegeier bereits fest im Visier, prüften sie (Vorstand und Aufsichtsrat) allen Ernstes ein staatliches Hilfsangebot von kanpp 8 Mrd. €. Was haben sie sich geziert. Das muss man sich einmal vorstellen. Vor ihrem Untergang bringt ihnen ein Rettungsboot eine derartige Summe und die überlegen ernsthaft, ob sie da einsteigen wollen. Dagegen sehen unsere Profikomiker alt aus. Deshalb ist die Lufthansa zu Recht aus dem Dax geflogen.

Tägliche Einakter liefert Donald Trump. An sozialer Empathie und Taktgefühl ist ihm mein fünfjähriger Enkel hoch überlegen. Für ein Standbild mit Bibel als Werbung bei seiner Stammkundschaft, den weißen Evangelikalen ( ca. 20 – 25 % der Wähler), wollte er zu Fuß zur St. John’s Church gehen. Dummerweise waren Demonstranten gegen Rassismus im Weg. Diese pustete sein Justizminister Barr aus dem Weg, indem er den Raum dazwischen mit Tränengas desinfizierte.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Führungskräfte in Trump’s Stab es als positives Zeichen für ihre spätere Karriere ansehen, wenn sie von Trump mindestens einmal rausgeschmissen worden sind. Sein Verteidigungsminister hat ihm kürzlich widersprochen, als er gegen den Rassismus die US-Armee einsetzen wollte, falls die Gouverneure in den Bundesstaaten nicht so agieren, wie er will. Das geht schon in Richtung der Frage, ob Trump lieber einen Bürgerkrieg vom Zaun bricht, als einmal inne zu halten.

Titus Livius ( röm. Historiker 59 v.Ch. – 17 n.Ch. ) meinte einst: „ Edle Gesinnung kommt von hohen Ämtern“. Lieber Titus, kann ich da heute nur sagen, die Zeiten haben sich grundlegend geändert.

Es ist immer sehr vergnüglich, gute Artikel von Journalisten zu lesen und zu erleben, wie sie beim Rechnen ins Schleudern kommen. So vermerkt die „Welt am Sonntag“: Bayern feierte den achten Sieg in Serie ( = 24 Punkte)….Von 34 möglichen Punkten holte der Rekordmeister 36“. Da ist einer mit den Zahlen arg durcheinander gekommen. Die FAZ am Sonntag würdigte Marcel Reich-Ranicki. „ Er wurde am 2.6.20 im polnischen Wloclawek geboren und starb am 18. September 2013 in Frankfurt.“ Corona bezogene Informationen dürfen natürlich nicht fehlen: „ Großbritannien hat offiziellen Statistiken zufolge die meisten Todesopfer in Großbritannien“, erklärt die Rheinische Post nach heftigem Nachdenken. Und die Schwäbische Zeitung weiß: „ Landtag plant Sondersitzung zu Corona in Fleischfabrik“. Das scheint mir doch etwas übertrieben zu sein. In den Zeiten der Globalisierung wollte da „Spiegel.de“ nicht hintanstehen: „Angst vor einer neuen Viruswelle in China: Peking lässt weitere Stadtviertel abriegeln. An der deutsch-dänischen Grenze bilden sich bereits Staus“. Der Verfasser ist beim Spiegel wohl verantwortlich für die ganz großen Zusammenhänge.

Die Not ist regional so groß, dass die Saarbrücker Zeitung“ fordert: „ Schulzeit bitte um ein Jar verlängern“. Das hat der Verfasser nämlich dringend nötig. Sein Kollege in der „Rheinischen Post“ würde gerne einmal sich in Uruguay umsehen. Sonst hätte er nicht geschrieben: „ Auch eine Rinderfarm dort mit 12.500 Schafen gehört ihm.“ Völlig ratlos lässt mich die „Westerwald Rundschau“. Sie rät: „ Sind Sie infiziert oder wohnen mit einem Erkrankten zusammen, packen Sie bitte Taschentücher in gesonderte Tüten , bevor Sie sich in den Restmüll werfen“. Ich frage mich, warum ich mich in den Müll werfen soll?

Aus dem Film „Das Böse unter der Sonne“ mit Peter Ustinov (ARTE, 21.06.) wird ein Spiel mit Worten erzählt. Danach stellt in einem Lebensmittelladen die Besitzerin einen Dieb zur Rede. Dieser flüchtet. „ Ich habe ihn durch die Gemüseabteilung verfolgt, durch die Fleischabteilung, durch die Käseabteilung, aber bei den Eiern habe ich ihn gepackt“, gibt die noch atemlose Verfolgerin zu Protokoll.

Eine kuriose Geschichte gilt es aus Wien zu berichten. Dort kontrollierte die Polizei einen Studenten, der dabei eine gewaltige Flatulenz nicht verhindern konnte, weil er kurz vorher angeblich ein Bohnengericht verspeiste. Das fand die Polizei gar nicht witzig. Sie sprach eine Strafe über 500.-€ wegen Anstandsverletzung aus, die der Student nicht akzeptiert. Die beiden Polizisten scheinen im katholischen Glauben erzogen worden zu sein. Sonst wäre ihnen Luthers Wort: „ Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“ vertraut gewesen. Ich bin gespannt, wie die richterliche Entscheidung ausfallen wird. Vielleicht hängt es davon ab, was das Hohe Gericht vorher verzehrt hat.

 

Siegbert Heid, 06.07.20

Der Steilpass im Juni 2020

Mitte Mai war wieder Fußball – und keiner ging hin. Normale Fans wie Ultras hielten sich an die Regeln. Lediglich die Spieler der Berliner Hertha interessierten sich einmal mehr auf dem Platz mit ihren heftigen Umarmungen provokativ nicht um die Vorsichtsregeln. Da die Schiedsrichter nur für den reibungslosen Spielverlauf zu sorgen haben, nicht aber um die gefühlte 50. Änderung der Coronaschutzverordnung durchzusetzen, entfiel jegliche Sanktion.

In der Bundesliga oben zieht nach dem 1 : 0 Sieg in Dortmund der FC Bayern einsam seine Bahn. Dabei hatten die Dortmunder ihre Chancen. So hätte Brandt in der 26. Minute selbst sofort schießen können, setzte aber auf der Suche nach einem besser postierten Mitspieler erst zur großen Hafenrundfahrt an, bis es zu spät war. Dann glückte Kimmich mit einem Kunstschuss (Bogenlampe) über Torwart Bürki das 1 : 0. Das Fernsehen hatte eine Statistik parat. Danach haben solche Versuche nur eine Treffersicherheit von 6 %. 94 % gehen daneben. Das macht eben den abgezockteren Unterschied zu anderen Teams aus. In der Pressekonferenz erklärte Kimmich, dass sie wussten, Torwart Bürki steht gerne etwas zu weit vor seinem Tor.

Dann hätte es noch einen Elfmeter für den BVB geben können (Verursacher Boateng). Aber bei einem so knappen Spielstand pfeift in Deutschland kein Schiedsrichter gegen die Bayern einen Elfmeter. So nützt dem BVB auch der 6 : 1 Sieg in Paderborn nichts.

Nun kicken sie also wieder im Profifußball und die internationale Fußballwelt scheint das 51-seitige Hygienekonzept der Deutschen Fußballliga (DFL) auswendig zu lernen. Der International Football Association Board (Ifab) hat auch reagiert. Bis zum 31.12.20 dürfen fünf statt drei Spieler aus- und eingewechselt werden und auf den Einsatz der Video-Schiedsrichter kann auch solange verzichtet werden. Das werden diese gar nicht gern gehört haben, ist es doch eine schöne Gelegenheit, auch für sie zusätzliches Geld zu verdienen.

Nur eine Gruppe, ohne die nichts läuft, hat man vorsichtshalber gar nicht gefragt. Das sind die Spieler. Die müssen, ob sie wollen oder nicht, ob sie vor Corona Angst haben oder nicht. Mir ist schleierhaft, wie leichtfertig die Politik erlaubt, hier großzügige Ausnahmen zu gestatten, während wir anderen zu Recht und der Vorsicht zuliebe allen möglichen Einschränkungen unterliegen.

Obwohl es noch keine wirksame Medizin gegen die Krankheit gibt, dürfen Fußballer in Zweikämpfe gehen. Das ist sonst nur Ehepaaren und anderen Pärchen gestattet.

Und dann fragt man sich entgeistert: Warum dürfen die Fußballer das? Die Antwort kennt jeder.  Dynamo Dresden passt jetzt nicht ins Bild. Die DFL hat sicher Kerzen angezündet, um einen zusätzlichen Krisenfall abzuwenden.

Coronaresistent hat sich Leipzigs Spieler Timo Werner geäußert. In der Bildzeitung sandte er drei Botschaften: Botschaft 1 = ich gehe nicht zu den Bayern nach München. Botschaft 2 = Wie alle wechselfreudige Spieler weise ich darauf hin, dass ich einen Vertrag habe, der einzuhalten ist, auch wenn das kein Problem für einen Umzug ins Ausland ist. Das ist nur eine Geldfrage. Botschaft 3 =Am liebsten gehe ich nach Liverpool. Ich kann es als Freiberufler kaum erwarten, dass sich die Vereine über die Ablösesumme einigen. An eine emotionale Bindung an den Verein hat ohnehin niemand geglaubt. Schließlich bin ich als Fußballprofi ein freiberuflicher Wandergeselle.

Die Reaktion aus Liverpool ließ nicht lange auf sich warten. „The Guardian“ berichtete, Jürgen Klopp habe sich bei der Vereinsführung für eine Verpflichtung von Timo ausgesprochen. Damit dürfte diese Personalangelegenheit auch bald erledigt sein.

Coronaresistent vor dem ersten Geisterspieltag Mitte Mai zeigte sich auch Vollpfosten Kalou von der Elfenbeinküste, aktuell unter Vertrag bei Hertha BSC. Er zeigte in einem Video aus der Mannschaftskabine, was er von diesem Konzept hält: Nämlich Nichts. Um das Gesicht zu wahren, hat ihn jetzt die Vereinsführung vorläufig suspendiert (bis Gras darüber gewachsen ist).

Feuer unterm Dach ist auch beim KSC. Mein Freund Peter, Mitglied des KSC, hält mich auf dem Laufenden. Aktuell ist Vereinspräsident Ingo Wellenreuther, MdB, zurückgetreten. Eine Vereinsopposition wirft ihm wirtschaftliches und menschliches Versagen vor, angesichts 30 Millionen Schulden. Ein „Bündnis KSC“ will den Verein aus dem Tal führen, aber ohne den Sportkameraden Ingo. Die erste Voraussetzung ist erfüllt. Ingo ist zurückgetreten. Sportlich gab es nach langer Durststrecke gegen Darmstadt wieder einmal einen Sieg. Dazu haben die neuen Leute erst einmal den Schuldenberg von 30 Millionen € auf 10 Millionen € gesenkt und damit den Verein vor dem Bankrott bewahrt. Dazu ist die Stadt gerade dabei, das traditionsreiche Wildparkstadion zu modernisieren und auf 35.000 Plätze aufzustocken. Da muss ich noch viele Maultaschen essen, bis eine Wende zum Guten endgültig in Sicht ist.

Hatte ich in der letzten Glosse angemerkt, dass sich die Zahl der Virologen der Zahl an Bundestrainern annähert, so lieferte kurz darauf die FAZ am Sonntag die Bestätigung. In einem Interview mit dem Red Bull Leipzig Geschäftsführer Oliver Mintzlaff präzisierte der die Zahl: „ Jetzt haben wir 80 Millionen Virologen“. Da habe ich mich ein wenig gefreut, dass ich schon früher darauf gekommen bin.

Sportlich läuft national wie international nicht viel. Indien will sich 2032 um die Olympischen Spiele bewerben. Damit konkurrieren sie mit der evtl. kommenden deutschen Bewerbung. Wer wie ich einmal in Indien beruflich war, weiß, dass das IOC dem nur im Vollsuff zustimmen könnte. Viel ernster für die noch nicht abgegebene deutsche Bewerbung schiene mir die Bewerbung von Canberra zu sein.

Dann melden die Reitsportvereine „Land unter“. Die Turniere finden nicht statt. Unterdes laufen aber die Kosten für die Pferde weiter. Das sind zehntausende Euros. „ Die Alternative wäre Schlachten“, meint Andreas Vroom, der Präsident des Landessportbundes in Bremen recht drastisch.

Interessantes spielt sich im Fußballverband der USA ab. Die Mitglieder der Damen-Weltmeistermannschaft haben ihren eigenen Verband verklagt. Sie wollen gleiche Bezahlung und gleiche Reisebedingungen und medizinische Betreuung wie ihre männlichen Kollegen. Jetzt hat ein Bundesgericht die Forderung nach gleicher Bezahlung für die viermaligen Weltmeister und viermaligen Olympiasieger abgewiesen. Man darf gespannt sein, was im Juni bei der Forderung nach gleichen  Reisebedingungen und gleicher  medizinischer Betreuung herauskommt. Weltfußballerin Rapinoe, von der ich weiß, dass sie nach dem letzten Titelgewinn der Einladung Trumps ins Weiße Haus nicht gefolgt ist, bekräftigte: „ Wir werden niemals aufhören für Gleichberechtigung zu kämpfen“. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Im ersten Anlauf gab ihnen ein Gericht nicht Recht. Jetzt sind die Fußballerinnen in die Berufung gegangen.

Mit Einladungen hat der Gröpräz ( Trump, größter Präsident aller Zeiten ) zur Zeit Pech. Von Angela Merkel erhielt er zu seiner Einladung zu einem Gipfeltreffen ganz kühl einen Korb. Er, der die Pandemie für die USA für so gut wie gelöst erklärt, bekam von ihr den Bescheid, wegen der Ansteckungsgefahr sei ihr das Risiko zu hoch, jetzt nach Amerika zu reisen. Damit hat sie zweierlei erreicht. Sie hat dem Typen einen Korb gegeben und gleichzeitig subtil deutlich gemacht, dass sein Gehabe zur Verniedlichung von Corona ein Lügenmärchen ist. Diesem Schuss auf die Zwölf ließ der französische Präsident Macron flugs eine Folgerung übermitteln. Wenn nicht alle wichtigen Personen dabei sind, macht das Treffen keinen Sinn. Gröpräz musste erklären, dass das Treffen verschoben werden muss.

Das ist Häme vom Feinsten, wie sie einst die Österreicher Karl Kraus oder Helmut Qualtinger ihrem Publikum – gleichsam als süß-bittere Medizin – verabreichten. Zur Zeit läuft in Österreich ein ähnliches Stück, in dem Fußball Fair Play Regeln ernst genommen werden. Der Linzer ASK als Tabellenführung verliert sechs Punkte zusätzlich einer Geldstrafe von 75.000.- €. Mit erfrischendem Fußball lagen sie drei Punkte vor Abonnementmeister Austria Salzburg. Jetzt liegen sie drei dahinter.

An vier verschiedenen Tagen haben sie eigentlich untersagte Mannschaftstrainings mit Körperkontakt abgehalten. Die Konkurrenz bekam vorher Wind davon. Sie installierte im Rahmen eines unentdeckten nächtlichen Einbruchs eine Kamera, die die Fußballer überführte. Brühwarm wurde das Band als Beweisstück dem Verband vorgelegt. Der Verband reagierte prompt. Linz hat Einspruch erhoben. Es wird spannend sein, wie man die Kuh vom Eis bekommt.

Corona liefert skurrile SlapSticks. In Gütersloh betrat jüngst eine Frau mit Kopftuch und Schutzmaske eine Apotheke, um ein Medikament zu kaufen. Bezahlen wollte sie mit einem 200.-€ Schein. Die Apothekerin legte das hohe Wechselgeld auf die Theke. In dieser Sekunde zog sie blank. Sie hob ihren Rock, unter dem sich nichts weiter befand. Die erstarrte Apothekerin war zu langsam, um sie aufzuhalten, als sie blitzschnell das Geld zusammen raffte und abhaute. Im Film würde ich dem Regisseur diesen Einfall nie abnehmen.

Einen eigenen Weg, der Corona-Krise zu begegnen, hat dagegen der bayerische Wirtschaftsminister Herbert Aiwanger (Freie Wähler) eingeschlagen. Er hat u.a. 70.000 ! Wischmops eingekauft. Die stapeln sich jetzt in den Landratsämtern, weil man nicht weiß, was man mit ihnen anfangen soll. Ich bin gespannt auf seine Begründung. In Spanien wäre die Sache klarer. Dort hätte seine Großtante zweiten Grades einen Neffen, dessen Schwiegervater einen Betrieb zur Herstellung von Wischmöpsen hätte. Aber wir sind ja in Deutschland. Im übrigen empfehle ich, Aiwanger zuzuhören. Mit seinem herrlichen Dialekt ist er an sich schon eine Kabarettnummer, egal zu welchem Thema er sich äußert.

Auch die Mädels und Jungs aus der schreibenden Zunft haben uns die Tage etwas erträglicher gestaltet. So berichten die „Fürther Nachrichten“ vom ruhigen Boxer Robert Wieser, „ der mit dieser Herangehensweise als Boxer 141 von 140 Kämpfen gewonnen hat“. Tagelang habe ich gerätselt, wie das gehen mag. Als einzige Erklärung bleibt mir die Folgerung, dass er in einem Fall auch gleich den Ringrichter umgehauen hat. Oder kann jemand besser rechnen? Dann übersteigt die Meldung der „Schweriner Volkszeitung“ meine Phantasie: „ Julia Voigt ist Mitarbeiterin unserer Verlagsgruppe und Tochter eines 14-jährigen Sohnes“. Ich traue denen im Nordosten ja vieles zu, aber wie die Julia das angestellt hat, vermag ich nicht zu begreifen. Im allgemeinen kommt man höchstens beim Jahresgesundheitscheck beim Hausarzt in die Nähe des „ Deutschen Ärzteblattes.“ Die verlangen eine gymnastische Übung, die mich schlicht überfordert: „ Die Masken dürfen beim Auf- und Absetzen nicht berührt werden.“  Mit den Masken tat sich jüngst auch meine Lokalzeitung, der „Bonner Generalanzeiger“ schwer: „Gäste müssen Mund und Nase beim Betreten und Verlassen des Lokals tragen“. Ich trage Mund und Nase sogar im Lokal.

Im Gegensatz dazu sollten uns aber die Mitbürger Sorgen bereiten, die jetzt gegen das Demonstrationsverbot demonstrieren. Sie sehen nicht ein, dass sie vorübergehend Freiheiten aufgeben müssen. Es interessiert sie nicht, dass möglicherweise ihr Lebensstandard bedroht ist. Sie glauben nicht an die Gefährlichkeit dieses Virus, dessen Bekämpfung sie abstreiten. Ich bin absolut dafür, dass sie dafür demonstrieren und sich anstecken dürfen. Wer aber zahlt die Kosten der folgenden Behandlung? Die zahlt das soziale Netz, das wir gespannt haben. Sie sollten sich eigentlich alle infizieren, um zu begreifen, wie schwachsinnig ihre Haltung ist.

Zusätzlich werden aber noch Beklopptere an die Öffentlichkeit gespült. Es gibt Menschen, die fest die Meinung vertreten, die Erde ist eine Scheibe, weil irgendein FakeNews Produzent so einen Schwachsinn im Internet verkündet hat. Dazu gesellen sich durchgeknallte Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, Rechtsradikale, Hooligans, Autonome, Esoteriker  unterschiedlichster Art und 5G Sendemastengegner, die aber gleichzeitig optimalen Empfang für ihre Smartphones erwarten. Erschüttert hat mich ein junger Mann in einer Nachrichtensendung, der erklärt hat, er glaubt den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender kein Wort, er informiert sich nur im Internet. Das muss uns alle elektrisieren. Wir haben vor 100 Jahren schon einmal Rattenfänger durch Deutschland ziehen sehen. Die suchten sich jüdische Religionsangehörige als Schuldige für alles. So etwas scheint sich auch bei uns im aufgeklärten 21. Jahrhunderts anzubahnen. Der Musiker Niedeggen ( BAP ) hat jetzt in aller Öffentlichkeit dazu aufgerufen, dass wir uns gegen diese abstrusen Gedanken von Anfang an entsprechend wehren. Dazu möchte ich meine Leserinnen und Leser hiermit sensibilisieren. Stellen wir uns lieber nicht vor, Frau Gates und ihr Mann Bill wären Juden. Den Shitstorm würde ich ungern erleben.

Frei nach Kant sollte gelten: Handle so, als hänge der Verlauf der Pandemie von Deinem Verhalten ab.

Corona hat verdrängt, dass wir seit 75 Jahren Frieden in Europa haben. Meine Generation hat Krieg noch erlebt. Ich saß unten im Keller, als oben in der Karlsruher Damaschkestraße eine Brandbombe alles zerschlug und in Flammen setzte. Mutige Feuerwehrleute haben meine Mutter und mich gerettet. Generationen von verantwortungsbewussten Politikern haben seither mit einem Netzwerk von Verträgen die Voraussetzungen für Frieden geschaffen. Es ist traurig, dass diese Demonstranten nur ihr kleines Ich in den Vordergrund stellen. Da gleichen sie dem Oberpopulisten Bolsonaro in Brasilien. Dem sterben die Leute weg und er redet von einer leichten Grippe.

Es gibt noch keinen Impfstoff. Als ob wir Pest, Cholera, Gelbfieber, Masern oder Kinderlähmung durch Impfung nicht besiegt hätten, bilden sich jetzt schon wieder Impfgegner gegen Coronaschutzimpfungen, obwohl es den Impfstoff noch gar nicht gibt. Ich bin hier für Impfzwang, um mich selbst vor diesen unsäglichen Dummköpfen zu schützen, wenn ein wirksamer Impfstoff in genügender Menge vorhanden ist. Einmal abgesehen von der Dunkelziffer von Erkrankten, die niemand kennt, gibt es jetzt schon ein hohes Maß an Infizierten.

Bleibt alle gesund!

Siegbert Heid, 01.06.20

Der Steilpass im Januar 2020

 

Mit Beginn der Wintersaison machen Sportlerinnen und Sportler unterschiedlicher Disziplinen auf sich aufmerksam. Da raste Sportkamerad Thomas Dreßen in den USA bei seinem ersten Abfahrtsrennen nach schwerer Verletzung auf Platz 1. Chapeau!!!  Ihn ahmte die Italienerin Irene Curtoni mit ihrem Super- G Sieg nach. Bemerkenswert war ihr Kommentar: „ Ich bin schon oft hingefallen, aber noch öfter aufgestanden“.  Ich frage mich allerdings, wie man öfter aufstehen kann, ohne hingefallen zu sein. Und Skispringer Leye lüftete ein Geheimnis. „Wir schauen  nach vorne“. Es wäre nicht auszudenken, wenn sie rückwärts schauen würden.

Leser Mirko, gerade vom DOSB-Präsidenten Hörmann (Deutscher Olympischer Sportbund) mit der Goldenen Ehrennadel des DOSB für Verdienste um den deutschen Sport geehrt          [ sie sieht besser aus als ein Bundesverdienstkreuz], erinnerte mich daran, dass ich letztes Jahr Leipzigs Stürmer Werner als Chancentod herb kritisierte. In der Bundesliga, in der er sich auf seine Mitspieler mit eingeübten Spielzügen verlassen kann, kommt er inzwischen nach 17 Spielen auf 18 Tore. Da weiß er, wo das Tor steht. Insoweit akzeptiere ich Mirkos Kritik. In der Nationalmannschaft sehe ich ihn aber immer noch wie Falschgeld herumlaufen. Es würde mich freuen, wenn ich zur EM im nächsten Jahr meine Meinung dazu richtigstellen müsste.

Mit der Überschrift „Sprung nach oben“ titelte ein Sportjournalist seine Meldung über den Standort der deutschen Fußballnationalmannschaft, wonach man sich um einen Platz, nun auf 15, verbesserte. Ein richtiger Sprung, der das Wort verdient, gelang Myanmar (früher Burma) von 147 auf 136.

Im Brot- und Butter Geschäft der Bundesliga backt nun Bäckersohn Klinsmann in Berlin seine Ware. Im ersten Spiel hatte er noch nicht viel anzubieten. Man verlor gegen den BVB 1 : 2. In Frankfurt erreichte man ein 2 : 2. Als Neuerer bekannt, will er den früheren Nationalspieler Arne Friedrich als „Performance Manager“ gewinnen. Vielleicht braucht er noch einen „Equipment Supervisor“ (Zeugwart) oder einen „Corner Flagstylist“ (Eckfahnenbetreuer) oder gar eine „Housekeepingjuniormanagerin“ (Zimmermädchen)? Sollte noch die Stelle des Global Senior Chief Executive (Rentner) frei sein, würde ich mich dafür bewerben.

Von Berlin kommt überhaupt lustige Kunde. Man hat jetzt für den Flughafen die richtigen Dübel gefunden. Der Obmann des Verkehrsausschusses verkündete zum Nikolaustag die frohe Nachricht:„ Entscheidend war die finale Klärung der Dübelfrage“. Da frage ich doch ganz humorlos, ob man die richtigen Dübel nicht schon früher hätte finden können.

Vielleicht ist es nur mir aufgefallen: Die Zahl der Sendungen im Fernsehen mit Humorfachverkäufern nimmt zu. Ergänzt man sie durch die ungewollten Komiker aus Politik und Sport, dann geht es lustig zu, blendet man einmal Kriege wie in Syrien mit daraus folgenden Flüchtlingsströmen aus. „Ich weiß nicht immer, wovon ich rede, ich weiß jedoch, dass ich recht habe.“ Jeder tippt sofort auf Donald ( der mit der roten Krawatte), tatsächlich stammt das Zitat vom Boxphilosophen Muhamed Ali, alias Cassius Clay.

Mit besonderem Genuss verfolge ich die Rechenkünste der sprechenden oder schreibenden Journalistenzunft. Jüngst fragte die Wuppertaler Rundschau nach dem Verständnis für eine Erhöhung von Strom- und Gaspreisen. 36 % antworteten mit ja = Verständnis und 121% mit nein. 157 Leser nahmen an der Befragung teil. Dieses Verständnis von Prozentzahlen ist an Originalität kaum zu überbieten

Dazu belehrt uns die Funk-Uhr: Regelmäßiges Händewaschen dämmt Erkältungsviren und hemmt eine Ansteckung. Die Anzahl der Viren wird nach dem Händewaschen um ein Tausendstel gesenkt. Da wäscht man doch gleich nochmal vor Freude die Hände.

Alle wissen, weil in vielen Steilpässen dokumentiert, dass das Spielglück im Fußball einem Kuhschwanz gleicht, mal zuckt er in die eine Richtung, mal in die andere. Das erlebte jüngst Mario Gomez mit dem VfB Stuttgart in Sandhausen. Mit 2 : 1 verloren die Schwaben in Baden, obwohl Gomez drei Tore erzielte. Nach Meinung des Schiedsrichters standen regelmäßig „ wenige Zentimeter seines Körpers im Abseits“. Der Mario schimpfte anschließend weniger über den Kuhschwanz, mehr über den Videobeweis, dem er die Qualität eines Kuhfladens beimaß.

Mit Qualität beschäftigte sich im Dezember auch der FAZ-Sportredakteur Christian Eichler. Er stellte sich seine erste Frage: Kann man mit einem Auge bei den Bayern gewinnen? Ja, wenn es nach Leverkusens Torwart Hradecky geht. Er spielte zwanzig Minuten mit einer verrutschten Kontaktlinse. Gleichwohl hielt er, einäugig, 12 Bälle, die auf ihn zukamen. Dann stellte Eichler die zweite Frage: Kann man mit einem Auge schielen? Antwort: Anatomisch gesehen nein. Sportlich gesehen: Warum nicht? Weil der Finne Hradetzky auf Platz 1 der Tabelle schielt. Daraus folgt die dritte Frage: Kann man als Fußballer mit Sehfehler Titel gewinnen? Dr. Peter Kunter, promovierter Zahnarzt wurde 1974 mit der Eintracht als Kontaktlinsenträger im Tor deutscher Pokalmeister. René Adler oder David de Gea ( span. Nationaltorwart), beide Kontaktlinsenträger, folgten. Iniesta mit denselben schoss Spanien 2010 zum WM-Titel und Jérome Boateng wehrte im Endspiel 2014 gegen Argentinien alle gegnerischen Attacken ab.

Ein Sonderfall – so Eichler – ist Jonas Hector, 1.FC Köln. Er braucht eine Sehhilfe, mag aber keine Kontaktlinsen, während Brillen auf dem Spielfeld verboten sind. Im EM-Viertelfinale 2016 gegen Italien gab es einmal mehr ein Elfmeterschießen. 17 Schützen waren schon angetreten, dann musste Hector ran. Ohne Sehhilfe gelang es ihm, den Ball hinter Gianliugi Buffon im Tor unterzubringen. Dagegen brachten die Kontaktlinsen Michael Ballack kein Glück. Vor dem letzten Saisonspiel im Jahr 2000 führte Bayer „Vizekusen“ Leverkusen mit drei Punkten Vorsprung und verlor in Unterhaching. Ballack traf mit Sehhilfe ins eigene Tor und nix wars mit dem Meistertitel.

Jüngst erreichten von angetretenen Vier, Drei (Bayern, BVB und Leipzig) die Play-Offs in der Champion’s League. Für Bayer Leverkusen war die Gruppenphase ein Fortbildungskurs mit Juventus Turin und Atlético de Madrid als Ausbilder. Wir werden sehen, ob sie das Gelernte in der Euroleague zusammen mit Frankfurt und Wolfsburg anwenden können. Mönchengladbach hat sich mit dem 1 : 2 gegen eine Istanbuler Mannschaft in letzter Sekunde selbst ins Knie geschossen und schied aus.

In der Bundesliga ist es spannend wie selten. Das kommt von einer Ausgeglichenheit der ersten sechs Teams, ohne  ihnen darüber hinausgehend internationale Klasse zuzugestehen.

Das 3 : 3 des BVB gegen Leipzig war ein Spektakel. Kaum minder das 3 : 1 der Bayern in Freiburg. Die Duselmannschaft aus München setzte sich erst in der Nachspielzeit durch. Fünf Minuten schenkte ihnen der Schiedsrichter. Im darauf folgenden Spiel des BVB in Hoffenheim war allerdings nichts mehr von Dortmunds Spielfreude zu sehen. Man führte zwar mit 1 : 0. Aber die tapferen Arbeiter im Blaumann schafften in diesem zähen Spiel zunächst den Ausgleich und dann kurz vor Schluss auch noch das Siegtor. Kurz vorher war ein vielversprechender Angriff der Dortmunder wegen Abseits abgepfiffen worden. Der hilflose Kommentator sprach von einer Entscheidung um „Zehennagelsbreite“. Der muss einen Röntgenblick haben, wenn er auch in die Schuhe sehen kann. Die Dortmunder haben das Spiel buchstäblich „vergeigt“.

Damit bin ich bei der komplexen Partizip-Perfektbildung meines Enkelsohnes. Der Schiedsrichter hat gepfeift, meinte er. Nein, er hat gepfiffen. Aber ich habe klaviert. Nein, da hast Du Klavier gespielt, da brauchst Du noch das Hilfsverb haben, wenn Du mit Deiner Schwester auf die Klaviertasten trommelst. Er ist da sehr genau. Jüngst holten wir die Kinder vom Kindergarten ab. Da schönes Wetter war, fragte die Oma, ob sie im Freien gewesen wären. Nein, meinte er, wir waren draußen, aber nicht im Freien, denn da war ein Zaun um uns herum.

In verschiedenen Szenen zeigte sich die Stärke, aber auch die Schwäche des Videobeweises. Abseits wird millimetergenau registriert, wenn irgendein Körperteil nicht mehr auf gleicher Höhe ist. Arm, Bein, Kopf oder Hüfte sind gängige Beispiele. Es wäre ein echtes Novum, wenn einmal ein Spieler wegen Abseits zurück gepfiffen werden würde, weil sein Penis in offensichtlicher Vorfreude auf abendliche Abenteuer, die Linie millimeterscharf zuerst queren würde. Das wäre doch einmal etwas Neues.

Ob Handspiel oder nicht vorliegt, vermag zur Zeit niemand zu erklären. Ich habe gesehen, wie ein Verteidiger, den Arm eng am Körper, etwa aus zwei Metern voll angeschossen wurde. Der Schiedsrichter gab Elfmeter. Am selben Spieltag sprang bei einem Eckball ein Verteidiger hoch und hielt den Arm oben noch einmal einen Meter höher. Aus der Ballberührung folgte kein Elfmeter. Das begreift kein Mensch.

Mal hilft der „Kölner Keller“ bei der Entscheidungsfindung, mal nicht, vor allem dann nicht, wenn die Beobachter im Keller sich gerade ein Bier oder eine Currywurst holen. Im Kölner Keller sitzen die Beobachter des Geschehens an den Videogeräten. Sie sollen die Schiedsrichter auf dem Platz unterstützen. Der eine mehr, der andere weniger mag Theatralik. Da wird gepfiffen, das Spiel unterbrochen und mit großen Gesten jedem Analphabeten erklärt, dass der Schiri jetzt zum TV-Gerät geht. Danach hebt oder senkt er den Daumen zugunsten einer Mannschaft. So muss es in der Antike im römischen Colosseum zugegangen sein. Hob oder senkte der Kaiser den Daumen, war das das endgültige Schicksal für den Betreffenden.

Mir schiene es fairer, wenn man das Orakel von Delphi wieder einführen könnte. Seit dem 8. Jh. v. Chr. holten sich die alten Griechen dort Rat. Das war eine Geldfrage. Die Reichen erhielten ausführliche Beratung. Die Armen durften nur eine Frage stellen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden konnte. Darauf langte Pythia, die weissagende Priesterin, in einen Topf mit weißen und schwarzen Bohnen. Weiß hieß Ja, schwarz hieß Nein.

Dabei saß sie auf einem Dreifuß über einer Erdspalte. Daraus wallende Dämpfe versetzten sie in einen Trancezustand. Das wäre heutzutage nicht vorstellbar, weil schon die Berufsgenossenschaft den Dreifuß nicht zulassen würde. Dazu käme der Brandschutz mit Auflagen, denen gegenüber der Berliner Flughafen ein Kleinauftrag wäre. Gleichwohl wäre es gerechter, das Orakel anzurufen, als den Vorlieben und eigenmächtigen Interpretationen eines Schiedsrichters ausgesetzt zu sein.

Am Ende der Hinrunde beschäftigt Torwart Alexander Nübel die Gemüter in Gelsenkirchen. Als er von Paderborn nach Schalke wechselte, fanden alle Schalker den Wechsel ganz normal. Jetzt, nach der Nichtvertragsverlängerung mit wahrscheinlichem Weggang nach München, sehen das wiederum alle Schalker diesen Wechsel als Verrat. Dabei ist das Verhalten für einen freiberuflichen Fußballspieler nachvollziehbar. Bayerns Torwart Neuer ist 33. Er wird nicht jünger.  Nübel ist zehn Jahre jünger. Da die Bayern für die nächsten 10 Jahre wieder einen überragenden Torwart suchen, wird er auf das Angebot eingehen, das ihm 5,5 Mill. € im Jahre bringen soll. Die Schalker wollten ihn mit sieben Mill. € zum Bleiben motivieren, aber für das internationale Renommé nimmt man schon einmal ein geringeres Anfangsgehalt in Kauf.

Da ich nach meiner Einschätzung gefragt wurde, wer am Ende der Rückrunde ganz vorn sein wird, lege ich mich fest: Leipzig wird Meister vor den Bayern, den Gladbachern, dem BVB, Schalke 04 und Bayer Leverkusen. In der 2. Bundesliga werden der HSV und der VfB wieder aufsteigen, Bielefeld spielt die Relegation und am Tabellenende hoffen wir, dass die Ermüdung des KSC überwunden sein wird und ihn vor dem Abstieg in Liga 3 bewahrt.

 

Siegbert Heid, 02.01.2020

Herzlichen Glückwunsch SPD Wachtberg

Unerwartet hat der Ortsverein Wachtberg der SPD eine Auszeichnung durch den Parteivorstand bekommen.

Wir stehen bundesweit unter allen Ortsvereinen über 50 Mitgliedern auf dem 7. Platz was die Digitalisierung anbetrifft.

Seit der Erneuerung unserer Homepage im Jahr 2014 haben wir (Stand heute, 19.11.2019) 381.727 Zugriffe von 89.832 verschiedenen Usern gehabt, alleine im letzten Monat 3.048 Zugriffe.

Dies spornt uns an, im Jahr 2020 eine erneute Überarbeitung der Homepage mit besserem grafischem Aufbau und mehr Möglichkeiten der Interaktion zu schaffen.

Vorschläge nehmen wir gerne entgegen unter der E-Mail-Adresse: Homepage@spd-wachtberg.de