Der Steilpass im August 2020

Der Landesmeisterschaft ( vgl. Glosse im Juli ) folgten jetzt noch die Vereinsspiele auf europäischer Ebene.

In der EuroLeague waren drei deutsche Mannschaften im Achtelfinale vertreten: Wolfsburg, Frankfurt, Leverkusen. Lediglich Leverkusen erreichte das Viertelfinale gegen Inter Mailand. Dort war mit der 2 : 1 Niederlage Endstation. Man hatte über das ganze Spiel den Eindruck, dass hier eine richtige Männermannschaft (Mailand) gegen eine A-Jugend spielte. Die Mannschaft aus Italien hielt ein Konzept durch. Hohes Pressing, verbunden mit extremer Laufbereitschaft und ein genaues Passspiel auf die beiden Spitzen, variiert zwischendurch durch ein offensives Spiel über die Außen, demonstrierte eine Überlegenheit, die nie infrage gestellt wurde. Lukaku als vorderster Stoßspieler ersetzte eine ganze Elefantenherde. Banden die Außenstürmer im Angriff drei Leverkusener Verteidiger, dann war bei Lukaku nur noch ein Aufpasser. Trainer Bosz änderte seine Dreier-Kette in der Verteidigung das ganze Spiel nicht. Leverkusen wurde in diesem Wettbewerb noch nicht einmal Vizekusen. Insgesamt blamierten die deutschen Vertreter in der EuroLeague den deutschen Fußball.

Das Endspiel in der EuroLeague, Sevilla vs. Inter Mailand, war hochspektakulär, hitzig und nickelig. Von der ersten Minute an hatte der Schiedsrichter große Anstrengungen unternommen, um die unter Strom stehenden Coaches und Spieler unter Kontrolle zu halten. Nach Fouls hatte die Mannschaft aus Mailand die Oberhand. Das reichte zum Glück nicht. Sevilla gewann mit 3 : 2.

In der Champion’s League drehte sich Trainer Tuchels Schicksal im Viertelfinale in der 90. Minute. Atalanta Bergamo führte bis dahin 1 : 0. Dann gelangen dem Team aus Paris noch zwei Treffer zum    2 : 1. In einem couragierten Spiel gewann Leipzig in der gleichen Runde mit Glück und Geschick 2 : 1 gegen die robusten Spieler von Atlético Madrid. Deren argentinischer Trainer Diego Simeone müsste eigentlich einmal eine Dokumentation gewidmet werden. Wie er beim Einlaufen der Teams schon einmal dem Schiedsrichter zeigt, wo er die gelben und roten Karten für den Gegner aufbewahren soll, damit sie gleich zur Hand sind, bis hin zu den Ausdrucksarten von Glück und Schmerz am Spielfeldrand. Ein Balletttänzer müsste nach Ende eines derartigen Spieles völlig fertig mit der Bahre vom Feld getragen werden.

Leipzig ließ sich indes nicht irritieren. Ohne Timo Werner, der zwecks besseren Gelderwerbs auf die Insel zog, vergaßen sie nicht, Fußball zu spielen. Dann im Halbfinale gegen Paris St. Germain reichte es nicht ganz. Sie haben den deutschen Fußball ehrenvoll vertreten.  

Dann kam der Galaauftritt der Münchner Bayern. Ich bin kein Fan dieses Vereins, habe aber großen Respekt vor den sportlichen Leistungen, die auf besonnenem wirtschaftlichem Kalkül beruhen. Da gibt es keinen Scheich, der mal aus der Portokasse 100 Millionen bereit stellt oder ein Zuckerwasserverkäufer, der mit einem Schachzug einen Verein weitgehend entschuldet.

8 : 2 gegen die europäische Macht FC Barcelona. Das traf den spanischen Verein ins Mark. Noch nie zuvor hat Barca so viele Tore auf europäischer Ebene kassiert. Die Bayern haben Messi, Suarez, Vidal, Piquet, Busquets, Jordi Alba und Co. auf Normalmaß gestutzt. Nach dem Scheitern in der spanischen Meisterschaft (Meister Real Madrid ) müssen die Verantwortlichen ein Konzept entwickeln, wie sie die in die Jahre gekommenen Stars, alle um die 33,ersetzen können. Barca braucht bis auf den Torwart Ter Stegen eine Rundumerneuerung. Als erste Maßnahme haben sie jetzt den Trainer rausgeschmissen. So zäumt man das Pferd von hinten auf. Wie das 1 : 7  bei der WM für die Brasilianer 2014 ist ein unumgänglicher Umbruch mit einem gewaltigen Knall verbunden. Interessant ist, dass Thomas Müller Schütze des ersten Tores in beiden Spielen war.

Wo war eigentlich Dembe´lé? Dieser hirnlose Schnösel wurde von niemandem vermisst. Beim BVB erzwang er seinerzeit seinen Wechsel nach Barcelona, indem er vertragsbrüchig wurde und dies mit glatter Arbeitsverweigerung unterstrich. Mit solchen Typen wird Barcelona keine Neuaufbau starten können.

Die spanische Sportpresse war sich uneinig. War das ein Tsunami, ein Wirbelsturm, eine Lawine, verursacht von einer Dampfwalze oder einem Schredderautomaten, ausgeführt von Dämonen oder Totengräbern?

Die Sporttageszeitung „AS“ ( erscheint in Madrid und ist damit Real, Atlético und Getafe freundlich ) fasst alles in einem Satz zusammen: „ Barcelona hat jetzt in der Hölle eingecheckt.“

Die Bayern gewannen zwar das Halbfinale gegen Olympique Lyon mit 3 : 0, das klare Ergebnis täuscht aber hinweg, dass es zwischendurch durchaus wacklig war.

Tuchels Leistung, in Paris aus einer Ansammlung von Stars ein Ensemble zu schaffen, wird inzwischen allgemein anerkannt. Im Finale gegen die Bayern spielten beide Teams ihre Musik auf hohem Niveau. Hatte das Team aus Paris den einen oder anderen Streicher mehr im Team, setzten die Münchener ein paar Bläser mehr ein. Letztendlich entscheidend war der Mann an der Pauke. Kingsley Coman haute in der 59. Minute drauf und knallte seinen Kopfball unerreichbar für Torwart Navas ins Netz.  

Von den vier Teams im Halbfinale wurden drei von deutschen Trainern geleitet ( Paris: Tuchel, Leipzig: Nagelsmann, München: Flick ). Ist das nur Zufall? Den Titel in der CL zuvor hat mit Liverpool ein vierter deutscher Trainer errungen ( Klopp ). Kommt von meinen Lesern hierzu eine Stellungnahme? Es würde mich freuen.   

Zwei französische und zwei deutsche Vereine im Halbfinale. Das hat es auch noch nicht gegeben – kein Verein aus der spanischen, englischen oder italienischen Liga.       

Ein Thema möchte ich noch aufgreifen, bevor es im sportlichen Geschehen untergeht: Juristen und Schiedsrichter spielen gerne Schicksal. So hat Manchester City eklatant gegen das Financial Fair Play Abkommen verstoßen. Die UEFA sprach eine zweijährige Sperre aus. Der Verein klagte dagegen vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS. Was macht der? Die Sperre wird aufgehoben, zugunsten einer Geldstrafe von 10 Mill. €. Die spürt der Scheichclub noch nicht einmal.

Wer erinnert sich noch? Vor Jahren spielte der KSC in der Relegation gegen den Bundesligisten HSV. Nach einem 1 : 1 in Hamburg musste er in Karlsruhe nur das 0 : 0 halten. Das ging 90 Minuten gut. Es wurde eine Verlängerung von drei Minuten angegeben. Das ging auch dann gut. Doch der Schiedsrichter ließ weiter spielen. Er hätte abpfeifen müssen. Dann gab es in der Verlängerung der Verlängerung an der Karlsruher Strafraumgrenze einen Strafstoß nach einem angeblichen Foul, das nur der Schiedsrichter sah. Mit einem Kunstschuss, den er weder vorher noch danach jemals noch einmal fertig brachte, schoss der Hamburger das Tor. Hamburg blieb in der Bundesliga. Der kleine KSC hatte das Nachsehen.

In diesem Jahr wiederholte sich die Szene eine Etage tiefer. Ingolstadt forderte den Zweitligisten Nürnberg. Die Nürnberger gewannen zuhause mit 2 : 0. In Ingolstadt führten die Hausherren bis zur 90. Minute mit 3 : 0. Es wurden vier Minuten Nachspielzeit angeordnet. Nach vier Minuten keine Veränderung im Ergebnis. Der Schiedsrichter hätte abpfeifen müssen, ließ aber weiterspielen. Dann, in der 96. Minute, grätschte ein Nürnberger den Ball ins Tor. Es stand 3 : 1. Nürnberg blieb in der 2. Bundesliga, das kleine Ingolstadt hatte das Nachsehen.  

Die Schiedsrichter verweigerten immer wieder die Realität, bis sie sie passend gemacht haben.

Zur Juliglosse haben mich einige Rückmeldungen erreicht. Leser Mirko weist auf die Ironie hin, dass Schalke 04, als Arbeiterclub geltend, nun 20 Jahre vom Milliardär und Aufsichtsratsvorsitzenden Tönnies angeführt wurde, der seinen Reichtum mit der Ausbeutung von Arbeitern verdient. Peinlich ist, dass der Arbeiterführer Sigmar Gabriel so knapp bei Kasse war, dass er sich gegen ein in der Branche bescheidenes Honorar von Tönnies anheuern ließ. Doppelt peinlich, weil er sich mit dieser Unterbezahlung übers Ohr hauen ließ und diesem Typen eine Beratung angedeihen ließ, was als Sozialdemokrat nicht zum guten Ton gehört. 

Dann stieg der ursprüngliche Kohleclub auf Gas um. Hauptsponsor ist der russische Gaskonzern Gazprom. Und dort begegnen wir wieder einem Arbeiterführer, nämlich Gerhard Schröder. Bei solchen Vorbildern ist es nicht überraschend, wenn die SPD, angeführt von ihren aktuell wunderlichen und bisweilen schrulligen beiden Vorsitzenden, inzwischen bei 14 – 18 % angekommen ist.   

Interessant wäre es, einmal nachzuprüfen, warum Schalke 04 nach wenigen Wochen Corona ohne Cashflow so schnell die finanzielle Puste ausging. Gibt es neue Figuren am Ruder des Clubs, sollten sie die Zeit nutzen und eine Wertediskussion versuchen. 200 Mill. € Schulden sind ja kein Pappenstiel. Wer hat denn da als Aufsichtsrat versagt?

Zum Nachdenken regten auch die Rückmeldungen zu den politischen Demonstrationen im Sport an. Man sollte darauf einwirken, sie im Wettkampf sein zu lassen. Wo zieht man die inhaltliche Linie? Ich habe den „Römischen Gruß“ bei Lazio Rom erwähnt. Der „serbische Gruß“ von Basketballern bei Länderspielen während des Jugoslawienkrieges darf ebenso wenig vergessen werden, wie jüngst die Haltung türkischstämmiger Fußballer auf deutschen Fußballplätzen, die nach einem Tor türkische Soldaten gegrüßt haben, die völkerrechtswidrig in Syrien einmarschiert sind.

Zuschauer wie Spieler waren sich einig, dass Fußball ohne Zuschauer fad ist. Am weitesten ging einst Udo Lattek in der Beurteilung des Verhältnisses von Zuschauern zu Fußballern:  „Im Kölner Stadion ist immer eine gute Stimmung. Da stört eigentlich nur die Mannschaft“.

Gibt es Belege aus früheren Zeiten? Die olympischen Spiele der Antike fanden von 776 v.Ch. bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert statt. Ausgrabungen zeigen, dass das damalige Olympiastadion 40.000 Zuschauer ( 6.Jh.v.Ch. ) fasste. Die Veranstaltung ging über mehrere Tage. An die logistischen Probleme mag ich gar nicht denken. Von einem Grabstein wissen wir, dass ein Bäcker aus Mazedonien zwölf Mal Olympia als Fan besucht hat. D.h. über einen Zeitraum von 48 Jahren. Er muss für damalige Verhältnisse ziemlich alt geworden sein.

Der Circus Maximus in Rom, Schauplatz der Pferderennen, fasste sogar 250.000 Zuschauer (zur Zeit von Plinius d.Ä., gest. 79 n.Ch. während des Vesuvausbruches). Diese Pferderennen waren der Popularität der heutigen Champions‘ League vergleichbar. Sogar das Kolosseum fasste 50.000 Zuschauer, vergleichbar dem Rhein- Energiestadion in Köln. Wir wissen, dass es nicht nur in der Arena damals hoch her und vor allem grausam zuging. Es gab auch Zuschauerausschreitungen auf den Rängen mit Toten und Verletzten. Das erinnert mich an die Katastrophen bei Fußballspielen mit Zuschauern in England und im Brüsseler Heysel-Stadion. Interessanterweise umgab Cäsar die Arena des Circus Maximus mit einem Wassergraben, um sie von den Zuschauern zu trennen. Es ist also alles schon einmal da gewesen.   

Fragen wir noch, woher eigentlich der Begriff Fan stammt. Er wurde 1889 zum ersten Mal für die „Kansas City baseball fans“ gebraucht. Ausgegraben hat das Jannis Linkelmann in seiner Dissertation über die Bedeutung von Fußballzuschauern für die Stadionatmosphäre. Er stellte auch fest, dass die Tageszeitungen seit Ende des 19. Jahrhunderts regelmäßig mit eigenen Sportseiten aufwarteten.

Bei der neuen StVO konnte auch der Ahnungsloseste erkennen, dass die Autolobby Verkehrsminister Andy Scheuer fest im Griff hat. Schon vor Monaten meinte meine Freundin Ruth: „Scheuer ist nicht die hellste Kerze auf der Torte“. Sein Ministerium hat vermasselt, die Rechtsgrundlage für die neuen Fahrverbote anzugeben, d.h. kein Verwaltungshandeln ohne die Angabe der gesetzlichen Grundlage. Das hatten seine Juristen schlicht vergessen.  Diesen Formfehler nutzte er, um das Ganze rückgängig zu machen. Jetzt dürfen die Raser weiter rasen und müssen nicht mit dem Bus fahren. Die zu erwartende Geldstrafe stecken die locker weg, gemäß dem Spruch: Junge bleib locker, sprach der Arsch zum Hocker.

Mir blieb aus einer Vorlesung in Psychologie über Behavioristen in Erinnerung, dass ein Regenwurm ca. 25 Mal gegen ein Hindernis läuft, bis er begreift, dass da kein Durchkommen ist. Daran wurde ich erinnert, als der Andy landauf – landab verkündete, dass er jetzt die Euro-Maut einführen will. Die Karikaturisten spitzten schon einmal ihre Bleistifte.

Was haben wir gestaunt, als der Markus (Söder) durch die TV-Landschaften stolzierte. Boa, eei, er sagte allen, die es wissen wollten oder nicht, wie man Corona in den Griff bekommt. Die Einzigartigkeit seines Freistaates läge darin, dass man auf freiwillige Tests an der Grenze setze, mit garantiert fixen Ergebnissen. Dann wurde es aber leise im Freistaat. Jetzt warteten von 60.000 Rückkehrern noch 44.000 auf ihr Testergebnis. Mindestens 900 sind darunter, die positiv getestet wurden. Die wissen aber nichts davon und werden sicherlich in der Zwischenzeit andere angesteckt haben. Der Philosoph Nietzsche hätte dazu einen Kommentar gehabt: „ Blas Dich nicht auf. Sonst bringt Dich zum Platzen schon ein kleiner Stich.“ Am 17.08. setzt das „Handelsblatt“ noch einen Dämpfer obenauf. Von den 900 Infizierten bleiben 46 auf Dauer anonym. Sie haben leere Blätter abgegeben. Das ist aber den Helden daselbst nicht aufgefallen. Handelsblatt: „ Im Zeugnis von Ministerin Melanie Huml, CSU, stünde: Sie hat sich bemüht, ist aber trotzdem sitzen geblieben.“   

 Unsere Zeitung füllt in der Coronakrise die Seiten mit Kreuzwort- und Silbenrätsel. Dabei verstecken andere listige Journalisten ihre Rätsel im Text von normalen Artikeln. So schreibt die Rheinpfalz: „Udo Lindenberg: Panikrocker mit Coronabluse“. Seither bin ich auf der Suche nach einer derartigen Bluse. Die Süddeutsche prophezeit: „ Die kalten Tage werden kommen – und die Kinderarztpraxen explodieren“. Ich frage mich, wer macht denn sowas? In der Juliglosse offenbarte die Saarbrücker Zeitung eklatante Schreibfehler ihres Teams. Jetzt offenbarte sie auch die Rechenlücken: „ Schon vor Corona war jeder zehnte Haushalt in Deutschland überschuldet – im Saarland sogar jeder elfte“. Ganz langfristig plant man in Quickborn: „ Demo gegen Kohleausstieg erst im Jahre 2038“. Ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe. Der Schwarzwälder Bote versucht auf seine Weise in Villingen-Schwenningen den Tourismus anzukurbeln: „ Hundehalter werden von der Stadt zur Vorsicht aufgerufen und sollten an der Leine geführt werden“. Da scheint mir die traditionelle schwäbische Fassenacht mit einer absoluten Neuerung aufzuwarten.

Bleiben wir noch einen Moment in Schwaben. Die „Stuttgarter Zeitung“ zitiert eine Hobbygärtnerin: „ Und wenn geerntet wird, dann muss man halt das essen, was es gerade gibt – auch die Kinder“. Hier muss ich als Badener allerdings die Schwaben in Schutz nehmen. War der Kannibalismus im Altpaläolithikum ( ca. 1 Mill. Jahre v.Ch. bis ca. 100000 J.v.Ch.) allgemein gebräuchlich, so sind die Schwaben davon auch längst abgekommen.

Dann spielt sich aktuell in Südthüringen interessantes ab. Das „Freie Wort“ berichtet: „ Hund Bruno ist blind – die Ursache ist unbekannt – Nun soll ein Fachtierarzt ein Auge auf Bruno werfen“.  Wie heftig darf er denn werfen? Im „Stern TV Magazin“ lesen wir über den Astrologen Johannes Kepler ( 1571 – 1630 ): „ Seine Erkenntnisse über die Bewegungen der Planeten zählen zu den Grundlagen der Anatomie“. Davon steht allerdings nichts in den Lehrbüchern. Ich bewundere diese kühnen Wortakrobaten. Von denen kann man ununterbrochen lernen, allerdings nicht für die Schule.  

Eines muss ich noch festhalten, weil es so absurd ist. Im Vogtland hat jetzt in der Urlaubszeit einer seinen Wohnwagen bei der Fahrt verloren. Erst nach einigen Kilometern später ist ihm das aufgefallen.

Siegbert Heid, 24.08.20

Der Steilpass im Juli 2020

Beinahe wären wir in den Genuss einer Attraktion gekommen. Im Falle eines Aufstieges in die 1. Bundesliga versprach Heidenheims Trainer Frank Schmidt: „ Dann lassen wir die Mücken rückwärts fliegen!. Leider ist daraus nichts geworden. Werder Bremen hat im entscheidenden Relegationsspiel in Heidenheim 2 : 2 gespielt und sich durch die Auswärtstore nach dem 0 : 0 in Bremen durchgesetzt.

Zur letzten Glosse gab es wieder einige bemerkenswerte Rückmeldungen, ernste, nachdenkliche, aber auch humorvolle. So berichtet Leser Kay von einer Anfrage, die ihn jüngst als Geschäftsführer eines renommierten Bonner Hockey- und Tennisclubs erreichte. Anrufer: „ Ist dort der Bonner Tennis- und Hockeyverein?“ Kay: „ Ja, seit 1903!“. Anrufer:      „ haben Sie auch Tennisplätze ?“ Der Anrufer schien ein großer Skeptiker zu sein.

Sportler sollten sich auf dem Spielfeld politisch nicht äußern. Daran wollten sich einige jetzt nicht mehr orientieren. Sie demonstrierten gegen den Rassismus in den USA. Eigentlich durften sie nicht. Gleichwohl gab es viel Lob. Man war sich einig, die Demonstration galt einer guten Sache.

Was aber machen wir, wenn Sportler für eine Sache demonstrieren, die politisch anrüchig ist? Man sollte das nicht vertiefen, muss aber damit rechnen, irgendwann sich mit einer entsprechenden Provokation auseinander setzen zu müssen. Die FIFA hat zu den letzten Weltmeisterschaften Kampagnen wie „ Sag nein zum Rassismus“ gestartet.  Sportler benutzten jüngst ihre Unterhemden zu Botschaften oder sie senkten ihr Knie als Zeichen der Solidarität. Damit unterstrichen sie ihre Übereinstimmung mit der FIFA Kampagne. Das hätten sie aber nicht tun, höchstens denken dürfen.

Ich erinnere mich an eine Szene in Rom. Dort schoss vor Jahren ein italienischer Stürmer von Lazio Rom ein Tor, das frenetisch von den ( rechtsextremen ) Ultras des Vereins gefeiert wurde. Der Spieler eilte zu denselben und bedankte sich, indem er den Arm nicht senkte, sondern zum faschistischen Gruß hob. Was machen wir bei solchen Botschaften?

Was sollen Fußballspieler können, die ins Ausland wollen? Fußball spielen natürlich. Daneben empfehle ich aber schon frühzeitig mit dem Erlernen von Fremdsprachen zu beginnen. Englisch auf jeden Fall, mit Abstand auch Spanisch, Italienisch oder Französisch. Exzentriker lernen auch Russisch (Höwedes, Kuranyi),  Japanisch (Buchwald, Littbarski, Podolski) oder Türkisch (Podolski). Vom Chinesischen oder Arabischen würde ich abraten, schon allein wegen der Tatsache, dass ein chinesisches Wort in hoher, mittlerer oder unterer Tonlage eine ganz verschiedene Bedeutung haben kann. Da stünden die Fettnäpfchen nur so vor einem. Von Vorteil wäre auch eine ungefähre Vorstellung über den geographischen Standort, damit es einem nicht so geht, wie einst Andy Möller: „ Ob Mailand oder Madrid ist mir egal, Hauptsache Italien“.

Wir werden in Deutschland nach jedem Spieltag mit ätzenden nichtssagenden Interviews gequält, von penetranten Journalisten aus noch gequälteren Spielern herausgepresst. Warum sollten nur wir darunter leiden? Deshalb sollte in den Koffer eines auswandernden Fußballers ein Kurzsprech in der jeweiligen Landessprache gehören.

Ein Vorschlag:

(1)Ja, gut; (2) der Trainer hat uns richtig eingestellt ( bei einem Sieg); (3) der Trainer war mit mir zufrieden (bei Sieg oder Unentschieden ); (4) ich konnte der Mannschaft helfen; (5) in der 28 Minute (beliebig ersetzbar) erzielten wir das erste Tor (beliebig ersetzbar); (6) wir schauen in der Tabelle nicht nach oben, wir konzentrieren uns auf das nächste Spiel; (7) das nächste Spiel ist das Schwerste; (8) der Ball ist rund.

Ist eine Frage nicht verstanden worden, dann passt irgend eine Antwort aus der Sammlung immer. Wenn er dann noch die (9)„Viererkette“ und die (10)„falsche Neun“ oder die (11)„abkippende Sechs“ unfallfrei über die Lippen der Fremdsprache  bringt, wird er ohne weiteres in das Aktuelle Sportstudio des jeweiligen Landes eingeladen.

„ Die wollen ja nur spielen“, wollte uns DFL-Seifert weis machen, als er sein 51-seitiges Hygienekonzept vorstellte. Dabei ging es nur um die Sicherstellung der Fernsehgelder für die Bundesligavereine.

Nun geht Timo Werner doch nicht zu den Roten nach Liverpool, sondern für 54 Millionen € zu den Blauen nach Chelsea London und einem 5-Jahresvertrag von ca. 140 Mill. € . Liverpool war ausgestiegen, weil man 100 Mill. € Debit irgendwie ausgleichen musste. Dann war die Luft raus und der Scheichclub stieg ein. Zusätzlich verpflichtete man Hakim Ziyech (Ajax Amsterdam) für 40 Millionen €. Er soll Werner mit Vorlagen füttern. So unterschiedlich jongliert man heutzutage im Fußball die Millionen. 100 Millionen scheinen eine magische Zahl zu sein. Der Investor Red Bull hat dem Leipziger Club genau diesen Betrag erlassen. Das können die leicht, weil es genug Deppen gibt, die das Gebräu kaufen. In der Bilanz hat man das Darlehen in eine Kapitalrücklage umgewandelt. Jetzt hat Leipzig keine 186 Mill. € Schulden, sondern nur noch 86 Mill.

Im Pokalhalbfinale zeigten die Bayern ( 2 : 1 gegen Frankfurt) in der ersten Halbzeit die Kunst, wie man allerbeste Chancen versemmelt. Dabei wurde von beiden Mannschaften so viel eklig gespuckt, als müsste damit der Platz gewässert werden. Wie kann man die Dreckspatzen von dieser Unsitte abhalten? Hat jemand eine Idee? Im Finale gegen Leverkusen gewannen sie anstandslos 4 : 2. Sie sind der nationalen Konkurrenz weit enteilt.

Eine andere Sache wird immer klarer und erklärt die Überlegenheit der Bayern. Sie spielen mit voller Kapelle, auch wenn zwei Solisten nicht mitspielen ( Müller, Lewandowski vs. Mönchengladbach 2:1). Mit Gnabry, Hernández, Perisic oder Martinez und künftig Sané füllen Superspieler die Lücke. Dabei war Gladbach gewiss keine Schülerkapelle. So sind sie schließlich souverän zum 30. Mal Deutscher Meister geworden. Das hat die Dortmunder so getroffen, dass sie im folgenden Spiel gegen Mainz zu Hause sang- und klanglos 0 : 2 verloren haben. Für sie ging es um nichts mehr. Das kommt allerdings in die Nähe von Wettbewerbsverzerrung, gerade beim Kampf der Teams gegen den Abstieg.

Fehlt ein wertvoller Solist in anderen Mannschaften, so merkt man das sofort. So gewann z.B. Dortmund in Düsseldorf mit 1 : 0 buchstäblich mit dem letzten Spielzug, als der kurz vorher eingewechselte Haaland einen Kopfball im Tor unterbrachte. Noch ein Beispiel:  Hertha in Berlin führte zur Pause 1 : 0 gegen Frankfurt. Dann musste ihr Abwehrchef Boyata mit einer Roten Karte versehen, vorzeitig unter die Dusche. Er fehlte dann an allen Ecken und Enden. Niemand vermochte die Lücke annähernd zu füllen. Hertha verlor 1 : 4.

Mein badischer Landsmann Christian Streich, Freiburgs Trainer, wurde 55. Ich mag seinen Humor und seine unverstellten Interviews, die nie in Sprechblasen enden. Nach dem Auswärtsunentschieden vor kurzem dachte ein Journalist an die Teilnahme am Europacup     ( der 7. Platz würde reichen, Freiburg steht an 8. Stelle) und fragte nach seinem Ziel am Ende der Saison: „ Mir kicke ja, damit wir 6. werden und nicht 7.“ Daraufhin fiel der Journalist in tiefes Nachdenken. Nach einer Niederlage meinte Streich in der anschließenden Pressekonferenz in Richtung des Trainerkollegen: „ Ich würde ihm lieber zum Geburtstag gratulieren – wenn er ihn hätte – als zum Sieg.“ Da blitzt sympathische Empathie auf.

Auf einer noch höheren Welle der Sympathie bewegt sich Jürgen Klopp. Nach 30 Jahren wird Liverpool wieder englischer Meister. Mit freuen darf sich auch Thomas Gronnemak. Er ist im Trainerteam für Einwürfe zuständig. Man muss sich das vorstellen. Der bestreitet seinen Lebensunterhalt mit Einwürfen. Das zeigt aber auch die Gründlichkeit von Jürgen Klopp. Als er kam, ging Torjäger Suarez nach Barcelona. Systematisch suchte er für jede Position den Spieler, der seine Vorstellung von Pressing und Gegenpressing am ehesten entsprach. So hat er jetzt eine unglaublich kompakte Truppe zusammen.

Neben den Fußballstadien gibt es in der Wirtschaft oder in der Politik aktuelle Schauplätze, über die man nur staunen kann. Das drückte ein Bekannter wie folgt aus. Ich sagte ihm, ich wüsste einen guten Witz und ob ich ihn erzählen sollte. „ Nein, danke“, meinte er, „ich sehe regelmäßig Nachrichten.“

Politisch nervt MP Laschet mit seiner Forderung nach „verantwortungsvoller Normalität“ Um darüber nachzudenken, habe ich aus dem Keller eine Flasche Lambrusco geholt. Man muss ja jetzt die gebeutelten Italiener unterstützen. Aber auch sie half mir nicht weiter. Dann habe ich es anders herum versucht. Das Gegenteil von Laschets Credo ist „verantwortungslose Normalität“. Und die fand ich in der Autoindustrie. Dort sind en masse verantwortungslose Gesellen vertreten, die zuerst ihre Kunden belügen, dann Gelder auf den Cayman-Inseln und anderen Steueroasen parken und trotzdem Milliarden flüssig haben. Bei VW sollen es 25, bei Daimler 18 und bei BMW 19 Mrd. € sein. BMW-Miterbin, Frau Kladden und ihr Bruder, durften mit einer bescheidenen Dividende von 800 Mill. € rechnen. Und dann wollen sie noch Steuermittel und ein Programm, das dem der früheren „Abwrackprämie“ ähneln soll! Angesichts dieser Chuzpe fällt mir nichts mehr ein.

Das Sahnehäubchen in dieser Galerie der Verantwortungslosen ist Billigfleischproduzent Tönnies. Er hätte eine eigene Kommentierung verdient. Dafür reicht aber der Platz in einer Glosse nicht. Markus Braun, Vorstandschef von WireCard hat jetzt noch einen drauf gesetzt. Er wurde bei der Suche nach verschwundenen 1,6 Mrd. € nach einer Kaution von 5 Mill. € wieder auf freien Fuß gesetzt. Mitvorstand Marsulek ist indessen untergetaucht. Er wurde auf den Philippinen gesehen und soll in China verschwunden sein. Das geht in China. Als für eine Dopingkontrolle Entsandte der WADA durchs vordere Tor des Trainingsbereiches fuhren, flüchteten chinesische Athleten hinten in die Wüste Gobi und waren nicht mehr gesehen.

It takes two for Tango, d.h. Betrüger plus die, die sich betrügen lassen. Man fragt sich entgeistert, wo waren die Wirtschaftsprüfer von WireCard oder die Bafin? Dort bewies man besonders naive Blauäugigkeit. Als Reporter der „Financial Times“ die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen auf die Betrügereien aufmerksam machten, untersuchten deren Beamte nicht WireCard, sondern die „Financial Times“. Sie gingen dem Verdacht der Marktmanipulaton nach. Für solche Beamten kann man sich nur schämen.

Dann gibt es die Cum-Ex-Geschäfte, mit denen der Staat und damit wir Steuerzahler um Mrd. € betrogen wurden. Es sind feine Banker, Steuerberater und Rechtsanwälte, die sich als Verbrecher an der Gesamtheit entpuppen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Führungskräfte es für normal halten, wenn sie uns Steuerzahler als intellektuell beeinträchtigt behandeln. Verantwortungslos ist, dass sie dem Staat Mittel entziehen, gleichzeitig aber beste Schulen, Infrastruktur etc. für sich und ihre Familien fordern. Damit habe ich für mich ansatzweise geklärt, was „verständnislose Normalität“ ist, ein Zustand also, in dem die eigentlich als Elite gelten sollenden Führungspersönlichkeiten sich als habgierige Lumpen entzaubern. Die sind auf einer Ebene mit korrupten afrikanischen Potentaten.

Die Lufthansa wollte dazu wenigstens einen Einakter auf die Bühne bringen. Vom Pleitegeier bereits fest im Visier, prüften sie (Vorstand und Aufsichtsrat) allen Ernstes ein staatliches Hilfsangebot von kanpp 8 Mrd. €. Was haben sie sich geziert. Das muss man sich einmal vorstellen. Vor ihrem Untergang bringt ihnen ein Rettungsboot eine derartige Summe und die überlegen ernsthaft, ob sie da einsteigen wollen. Dagegen sehen unsere Profikomiker alt aus. Deshalb ist die Lufthansa zu Recht aus dem Dax geflogen.

Tägliche Einakter liefert Donald Trump. An sozialer Empathie und Taktgefühl ist ihm mein fünfjähriger Enkel hoch überlegen. Für ein Standbild mit Bibel als Werbung bei seiner Stammkundschaft, den weißen Evangelikalen ( ca. 20 – 25 % der Wähler), wollte er zu Fuß zur St. John’s Church gehen. Dummerweise waren Demonstranten gegen Rassismus im Weg. Diese pustete sein Justizminister Barr aus dem Weg, indem er den Raum dazwischen mit Tränengas desinfizierte.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Führungskräfte in Trump’s Stab es als positives Zeichen für ihre spätere Karriere ansehen, wenn sie von Trump mindestens einmal rausgeschmissen worden sind. Sein Verteidigungsminister hat ihm kürzlich widersprochen, als er gegen den Rassismus die US-Armee einsetzen wollte, falls die Gouverneure in den Bundesstaaten nicht so agieren, wie er will. Das geht schon in Richtung der Frage, ob Trump lieber einen Bürgerkrieg vom Zaun bricht, als einmal inne zu halten.

Titus Livius ( röm. Historiker 59 v.Ch. – 17 n.Ch. ) meinte einst: „ Edle Gesinnung kommt von hohen Ämtern“. Lieber Titus, kann ich da heute nur sagen, die Zeiten haben sich grundlegend geändert.

Es ist immer sehr vergnüglich, gute Artikel von Journalisten zu lesen und zu erleben, wie sie beim Rechnen ins Schleudern kommen. So vermerkt die „Welt am Sonntag“: Bayern feierte den achten Sieg in Serie ( = 24 Punkte)….Von 34 möglichen Punkten holte der Rekordmeister 36“. Da ist einer mit den Zahlen arg durcheinander gekommen. Die FAZ am Sonntag würdigte Marcel Reich-Ranicki. „ Er wurde am 2.6.20 im polnischen Wloclawek geboren und starb am 18. September 2013 in Frankfurt.“ Corona bezogene Informationen dürfen natürlich nicht fehlen: „ Großbritannien hat offiziellen Statistiken zufolge die meisten Todesopfer in Großbritannien“, erklärt die Rheinische Post nach heftigem Nachdenken. Und die Schwäbische Zeitung weiß: „ Landtag plant Sondersitzung zu Corona in Fleischfabrik“. Das scheint mir doch etwas übertrieben zu sein. In den Zeiten der Globalisierung wollte da „Spiegel.de“ nicht hintanstehen: „Angst vor einer neuen Viruswelle in China: Peking lässt weitere Stadtviertel abriegeln. An der deutsch-dänischen Grenze bilden sich bereits Staus“. Der Verfasser ist beim Spiegel wohl verantwortlich für die ganz großen Zusammenhänge.

Die Not ist regional so groß, dass die Saarbrücker Zeitung“ fordert: „ Schulzeit bitte um ein Jar verlängern“. Das hat der Verfasser nämlich dringend nötig. Sein Kollege in der „Rheinischen Post“ würde gerne einmal sich in Uruguay umsehen. Sonst hätte er nicht geschrieben: „ Auch eine Rinderfarm dort mit 12.500 Schafen gehört ihm.“ Völlig ratlos lässt mich die „Westerwald Rundschau“. Sie rät: „ Sind Sie infiziert oder wohnen mit einem Erkrankten zusammen, packen Sie bitte Taschentücher in gesonderte Tüten , bevor Sie sich in den Restmüll werfen“. Ich frage mich, warum ich mich in den Müll werfen soll?

Aus dem Film „Das Böse unter der Sonne“ mit Peter Ustinov (ARTE, 21.06.) wird ein Spiel mit Worten erzählt. Danach stellt in einem Lebensmittelladen die Besitzerin einen Dieb zur Rede. Dieser flüchtet. „ Ich habe ihn durch die Gemüseabteilung verfolgt, durch die Fleischabteilung, durch die Käseabteilung, aber bei den Eiern habe ich ihn gepackt“, gibt die noch atemlose Verfolgerin zu Protokoll.

Eine kuriose Geschichte gilt es aus Wien zu berichten. Dort kontrollierte die Polizei einen Studenten, der dabei eine gewaltige Flatulenz nicht verhindern konnte, weil er kurz vorher angeblich ein Bohnengericht verspeiste. Das fand die Polizei gar nicht witzig. Sie sprach eine Strafe über 500.-€ wegen Anstandsverletzung aus, die der Student nicht akzeptiert. Die beiden Polizisten scheinen im katholischen Glauben erzogen worden zu sein. Sonst wäre ihnen Luthers Wort: „ Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“ vertraut gewesen. Ich bin gespannt, wie die richterliche Entscheidung ausfallen wird. Vielleicht hängt es davon ab, was das Hohe Gericht vorher verzehrt hat.

 

Siegbert Heid, 06.07.20

Der Steilpass im Juni 2020

Mitte Mai war wieder Fußball – und keiner ging hin. Normale Fans wie Ultras hielten sich an die Regeln. Lediglich die Spieler der Berliner Hertha interessierten sich einmal mehr auf dem Platz mit ihren heftigen Umarmungen provokativ nicht um die Vorsichtsregeln. Da die Schiedsrichter nur für den reibungslosen Spielverlauf zu sorgen haben, nicht aber um die gefühlte 50. Änderung der Coronaschutzverordnung durchzusetzen, entfiel jegliche Sanktion.

In der Bundesliga oben zieht nach dem 1 : 0 Sieg in Dortmund der FC Bayern einsam seine Bahn. Dabei hatten die Dortmunder ihre Chancen. So hätte Brandt in der 26. Minute selbst sofort schießen können, setzte aber auf der Suche nach einem besser postierten Mitspieler erst zur großen Hafenrundfahrt an, bis es zu spät war. Dann glückte Kimmich mit einem Kunstschuss (Bogenlampe) über Torwart Bürki das 1 : 0. Das Fernsehen hatte eine Statistik parat. Danach haben solche Versuche nur eine Treffersicherheit von 6 %. 94 % gehen daneben. Das macht eben den abgezockteren Unterschied zu anderen Teams aus. In der Pressekonferenz erklärte Kimmich, dass sie wussten, Torwart Bürki steht gerne etwas zu weit vor seinem Tor.

Dann hätte es noch einen Elfmeter für den BVB geben können (Verursacher Boateng). Aber bei einem so knappen Spielstand pfeift in Deutschland kein Schiedsrichter gegen die Bayern einen Elfmeter. So nützt dem BVB auch der 6 : 1 Sieg in Paderborn nichts.

Nun kicken sie also wieder im Profifußball und die internationale Fußballwelt scheint das 51-seitige Hygienekonzept der Deutschen Fußballliga (DFL) auswendig zu lernen. Der International Football Association Board (Ifab) hat auch reagiert. Bis zum 31.12.20 dürfen fünf statt drei Spieler aus- und eingewechselt werden und auf den Einsatz der Video-Schiedsrichter kann auch solange verzichtet werden. Das werden diese gar nicht gern gehört haben, ist es doch eine schöne Gelegenheit, auch für sie zusätzliches Geld zu verdienen.

Nur eine Gruppe, ohne die nichts läuft, hat man vorsichtshalber gar nicht gefragt. Das sind die Spieler. Die müssen, ob sie wollen oder nicht, ob sie vor Corona Angst haben oder nicht. Mir ist schleierhaft, wie leichtfertig die Politik erlaubt, hier großzügige Ausnahmen zu gestatten, während wir anderen zu Recht und der Vorsicht zuliebe allen möglichen Einschränkungen unterliegen.

Obwohl es noch keine wirksame Medizin gegen die Krankheit gibt, dürfen Fußballer in Zweikämpfe gehen. Das ist sonst nur Ehepaaren und anderen Pärchen gestattet.

Und dann fragt man sich entgeistert: Warum dürfen die Fußballer das? Die Antwort kennt jeder.  Dynamo Dresden passt jetzt nicht ins Bild. Die DFL hat sicher Kerzen angezündet, um einen zusätzlichen Krisenfall abzuwenden.

Coronaresistent hat sich Leipzigs Spieler Timo Werner geäußert. In der Bildzeitung sandte er drei Botschaften: Botschaft 1 = ich gehe nicht zu den Bayern nach München. Botschaft 2 = Wie alle wechselfreudige Spieler weise ich darauf hin, dass ich einen Vertrag habe, der einzuhalten ist, auch wenn das kein Problem für einen Umzug ins Ausland ist. Das ist nur eine Geldfrage. Botschaft 3 =Am liebsten gehe ich nach Liverpool. Ich kann es als Freiberufler kaum erwarten, dass sich die Vereine über die Ablösesumme einigen. An eine emotionale Bindung an den Verein hat ohnehin niemand geglaubt. Schließlich bin ich als Fußballprofi ein freiberuflicher Wandergeselle.

Die Reaktion aus Liverpool ließ nicht lange auf sich warten. „The Guardian“ berichtete, Jürgen Klopp habe sich bei der Vereinsführung für eine Verpflichtung von Timo ausgesprochen. Damit dürfte diese Personalangelegenheit auch bald erledigt sein.

Coronaresistent vor dem ersten Geisterspieltag Mitte Mai zeigte sich auch Vollpfosten Kalou von der Elfenbeinküste, aktuell unter Vertrag bei Hertha BSC. Er zeigte in einem Video aus der Mannschaftskabine, was er von diesem Konzept hält: Nämlich Nichts. Um das Gesicht zu wahren, hat ihn jetzt die Vereinsführung vorläufig suspendiert (bis Gras darüber gewachsen ist).

Feuer unterm Dach ist auch beim KSC. Mein Freund Peter, Mitglied des KSC, hält mich auf dem Laufenden. Aktuell ist Vereinspräsident Ingo Wellenreuther, MdB, zurückgetreten. Eine Vereinsopposition wirft ihm wirtschaftliches und menschliches Versagen vor, angesichts 30 Millionen Schulden. Ein „Bündnis KSC“ will den Verein aus dem Tal führen, aber ohne den Sportkameraden Ingo. Die erste Voraussetzung ist erfüllt. Ingo ist zurückgetreten. Sportlich gab es nach langer Durststrecke gegen Darmstadt wieder einmal einen Sieg. Dazu haben die neuen Leute erst einmal den Schuldenberg von 30 Millionen € auf 10 Millionen € gesenkt und damit den Verein vor dem Bankrott bewahrt. Dazu ist die Stadt gerade dabei, das traditionsreiche Wildparkstadion zu modernisieren und auf 35.000 Plätze aufzustocken. Da muss ich noch viele Maultaschen essen, bis eine Wende zum Guten endgültig in Sicht ist.

Hatte ich in der letzten Glosse angemerkt, dass sich die Zahl der Virologen der Zahl an Bundestrainern annähert, so lieferte kurz darauf die FAZ am Sonntag die Bestätigung. In einem Interview mit dem Red Bull Leipzig Geschäftsführer Oliver Mintzlaff präzisierte der die Zahl: „ Jetzt haben wir 80 Millionen Virologen“. Da habe ich mich ein wenig gefreut, dass ich schon früher darauf gekommen bin.

Sportlich läuft national wie international nicht viel. Indien will sich 2032 um die Olympischen Spiele bewerben. Damit konkurrieren sie mit der evtl. kommenden deutschen Bewerbung. Wer wie ich einmal in Indien beruflich war, weiß, dass das IOC dem nur im Vollsuff zustimmen könnte. Viel ernster für die noch nicht abgegebene deutsche Bewerbung schiene mir die Bewerbung von Canberra zu sein.

Dann melden die Reitsportvereine „Land unter“. Die Turniere finden nicht statt. Unterdes laufen aber die Kosten für die Pferde weiter. Das sind zehntausende Euros. „ Die Alternative wäre Schlachten“, meint Andreas Vroom, der Präsident des Landessportbundes in Bremen recht drastisch.

Interessantes spielt sich im Fußballverband der USA ab. Die Mitglieder der Damen-Weltmeistermannschaft haben ihren eigenen Verband verklagt. Sie wollen gleiche Bezahlung und gleiche Reisebedingungen und medizinische Betreuung wie ihre männlichen Kollegen. Jetzt hat ein Bundesgericht die Forderung nach gleicher Bezahlung für die viermaligen Weltmeister und viermaligen Olympiasieger abgewiesen. Man darf gespannt sein, was im Juni bei der Forderung nach gleichen  Reisebedingungen und gleicher  medizinischer Betreuung herauskommt. Weltfußballerin Rapinoe, von der ich weiß, dass sie nach dem letzten Titelgewinn der Einladung Trumps ins Weiße Haus nicht gefolgt ist, bekräftigte: „ Wir werden niemals aufhören für Gleichberechtigung zu kämpfen“. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Im ersten Anlauf gab ihnen ein Gericht nicht Recht. Jetzt sind die Fußballerinnen in die Berufung gegangen.

Mit Einladungen hat der Gröpräz ( Trump, größter Präsident aller Zeiten ) zur Zeit Pech. Von Angela Merkel erhielt er zu seiner Einladung zu einem Gipfeltreffen ganz kühl einen Korb. Er, der die Pandemie für die USA für so gut wie gelöst erklärt, bekam von ihr den Bescheid, wegen der Ansteckungsgefahr sei ihr das Risiko zu hoch, jetzt nach Amerika zu reisen. Damit hat sie zweierlei erreicht. Sie hat dem Typen einen Korb gegeben und gleichzeitig subtil deutlich gemacht, dass sein Gehabe zur Verniedlichung von Corona ein Lügenmärchen ist. Diesem Schuss auf die Zwölf ließ der französische Präsident Macron flugs eine Folgerung übermitteln. Wenn nicht alle wichtigen Personen dabei sind, macht das Treffen keinen Sinn. Gröpräz musste erklären, dass das Treffen verschoben werden muss.

Das ist Häme vom Feinsten, wie sie einst die Österreicher Karl Kraus oder Helmut Qualtinger ihrem Publikum – gleichsam als süß-bittere Medizin – verabreichten. Zur Zeit läuft in Österreich ein ähnliches Stück, in dem Fußball Fair Play Regeln ernst genommen werden. Der Linzer ASK als Tabellenführung verliert sechs Punkte zusätzlich einer Geldstrafe von 75.000.- €. Mit erfrischendem Fußball lagen sie drei Punkte vor Abonnementmeister Austria Salzburg. Jetzt liegen sie drei dahinter.

An vier verschiedenen Tagen haben sie eigentlich untersagte Mannschaftstrainings mit Körperkontakt abgehalten. Die Konkurrenz bekam vorher Wind davon. Sie installierte im Rahmen eines unentdeckten nächtlichen Einbruchs eine Kamera, die die Fußballer überführte. Brühwarm wurde das Band als Beweisstück dem Verband vorgelegt. Der Verband reagierte prompt. Linz hat Einspruch erhoben. Es wird spannend sein, wie man die Kuh vom Eis bekommt.

Corona liefert skurrile SlapSticks. In Gütersloh betrat jüngst eine Frau mit Kopftuch und Schutzmaske eine Apotheke, um ein Medikament zu kaufen. Bezahlen wollte sie mit einem 200.-€ Schein. Die Apothekerin legte das hohe Wechselgeld auf die Theke. In dieser Sekunde zog sie blank. Sie hob ihren Rock, unter dem sich nichts weiter befand. Die erstarrte Apothekerin war zu langsam, um sie aufzuhalten, als sie blitzschnell das Geld zusammen raffte und abhaute. Im Film würde ich dem Regisseur diesen Einfall nie abnehmen.

Einen eigenen Weg, der Corona-Krise zu begegnen, hat dagegen der bayerische Wirtschaftsminister Herbert Aiwanger (Freie Wähler) eingeschlagen. Er hat u.a. 70.000 ! Wischmops eingekauft. Die stapeln sich jetzt in den Landratsämtern, weil man nicht weiß, was man mit ihnen anfangen soll. Ich bin gespannt auf seine Begründung. In Spanien wäre die Sache klarer. Dort hätte seine Großtante zweiten Grades einen Neffen, dessen Schwiegervater einen Betrieb zur Herstellung von Wischmöpsen hätte. Aber wir sind ja in Deutschland. Im übrigen empfehle ich, Aiwanger zuzuhören. Mit seinem herrlichen Dialekt ist er an sich schon eine Kabarettnummer, egal zu welchem Thema er sich äußert.

Auch die Mädels und Jungs aus der schreibenden Zunft haben uns die Tage etwas erträglicher gestaltet. So berichten die „Fürther Nachrichten“ vom ruhigen Boxer Robert Wieser, „ der mit dieser Herangehensweise als Boxer 141 von 140 Kämpfen gewonnen hat“. Tagelang habe ich gerätselt, wie das gehen mag. Als einzige Erklärung bleibt mir die Folgerung, dass er in einem Fall auch gleich den Ringrichter umgehauen hat. Oder kann jemand besser rechnen? Dann übersteigt die Meldung der „Schweriner Volkszeitung“ meine Phantasie: „ Julia Voigt ist Mitarbeiterin unserer Verlagsgruppe und Tochter eines 14-jährigen Sohnes“. Ich traue denen im Nordosten ja vieles zu, aber wie die Julia das angestellt hat, vermag ich nicht zu begreifen. Im allgemeinen kommt man höchstens beim Jahresgesundheitscheck beim Hausarzt in die Nähe des „ Deutschen Ärzteblattes.“ Die verlangen eine gymnastische Übung, die mich schlicht überfordert: „ Die Masken dürfen beim Auf- und Absetzen nicht berührt werden.“  Mit den Masken tat sich jüngst auch meine Lokalzeitung, der „Bonner Generalanzeiger“ schwer: „Gäste müssen Mund und Nase beim Betreten und Verlassen des Lokals tragen“. Ich trage Mund und Nase sogar im Lokal.

Im Gegensatz dazu sollten uns aber die Mitbürger Sorgen bereiten, die jetzt gegen das Demonstrationsverbot demonstrieren. Sie sehen nicht ein, dass sie vorübergehend Freiheiten aufgeben müssen. Es interessiert sie nicht, dass möglicherweise ihr Lebensstandard bedroht ist. Sie glauben nicht an die Gefährlichkeit dieses Virus, dessen Bekämpfung sie abstreiten. Ich bin absolut dafür, dass sie dafür demonstrieren und sich anstecken dürfen. Wer aber zahlt die Kosten der folgenden Behandlung? Die zahlt das soziale Netz, das wir gespannt haben. Sie sollten sich eigentlich alle infizieren, um zu begreifen, wie schwachsinnig ihre Haltung ist.

Zusätzlich werden aber noch Beklopptere an die Öffentlichkeit gespült. Es gibt Menschen, die fest die Meinung vertreten, die Erde ist eine Scheibe, weil irgendein FakeNews Produzent so einen Schwachsinn im Internet verkündet hat. Dazu gesellen sich durchgeknallte Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, Rechtsradikale, Hooligans, Autonome, Esoteriker  unterschiedlichster Art und 5G Sendemastengegner, die aber gleichzeitig optimalen Empfang für ihre Smartphones erwarten. Erschüttert hat mich ein junger Mann in einer Nachrichtensendung, der erklärt hat, er glaubt den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender kein Wort, er informiert sich nur im Internet. Das muss uns alle elektrisieren. Wir haben vor 100 Jahren schon einmal Rattenfänger durch Deutschland ziehen sehen. Die suchten sich jüdische Religionsangehörige als Schuldige für alles. So etwas scheint sich auch bei uns im aufgeklärten 21. Jahrhunderts anzubahnen. Der Musiker Niedeggen ( BAP ) hat jetzt in aller Öffentlichkeit dazu aufgerufen, dass wir uns gegen diese abstrusen Gedanken von Anfang an entsprechend wehren. Dazu möchte ich meine Leserinnen und Leser hiermit sensibilisieren. Stellen wir uns lieber nicht vor, Frau Gates und ihr Mann Bill wären Juden. Den Shitstorm würde ich ungern erleben.

Frei nach Kant sollte gelten: Handle so, als hänge der Verlauf der Pandemie von Deinem Verhalten ab.

Corona hat verdrängt, dass wir seit 75 Jahren Frieden in Europa haben. Meine Generation hat Krieg noch erlebt. Ich saß unten im Keller, als oben in der Karlsruher Damaschkestraße eine Brandbombe alles zerschlug und in Flammen setzte. Mutige Feuerwehrleute haben meine Mutter und mich gerettet. Generationen von verantwortungsbewussten Politikern haben seither mit einem Netzwerk von Verträgen die Voraussetzungen für Frieden geschaffen. Es ist traurig, dass diese Demonstranten nur ihr kleines Ich in den Vordergrund stellen. Da gleichen sie dem Oberpopulisten Bolsonaro in Brasilien. Dem sterben die Leute weg und er redet von einer leichten Grippe.

Es gibt noch keinen Impfstoff. Als ob wir Pest, Cholera, Gelbfieber, Masern oder Kinderlähmung durch Impfung nicht besiegt hätten, bilden sich jetzt schon wieder Impfgegner gegen Coronaschutzimpfungen, obwohl es den Impfstoff noch gar nicht gibt. Ich bin hier für Impfzwang, um mich selbst vor diesen unsäglichen Dummköpfen zu schützen, wenn ein wirksamer Impfstoff in genügender Menge vorhanden ist. Einmal abgesehen von der Dunkelziffer von Erkrankten, die niemand kennt, gibt es jetzt schon ein hohes Maß an Infizierten.

Bleibt alle gesund!

Siegbert Heid, 01.06.20

Der Steilpass im April 2020

Fußball wie auch andere Sportarten hat das winzige Coronavirus zum Erliegen gebracht. Das haben noch nicht einmal die Ultras hingekriegt. Einiges sollte aber doch festgehalten und nicht vergessen werden.

Wegen Corona ist die Fußball-EM auf 2021 verschoben worden. Portugal ist so ein Jahr länger Europameister.

In der Champion’s League hat es Leipzig mit dem 3 : 0 gegen Tottenham unter die besten acht in Europa geschafft. Zuvor hatten sie in London schon mit 1 : 0 gewonnen. Special One (Trainer Mourinho) konnte anschließend nur über seine Verletztenliste klagen.

Dagegen ist Dortmund nach dem 0 : 2 in Paris gegen den Scheichclub ausgeschieden und Trainer Tuchel verteidigte seine Trainerstellung. Wie ernst der französische Club die Partie nahm, zeigten die Verteidigerleistungen von Neymar und Canavaro. Die beiden Stürmer kennen sonst ihre eigene Hälfte nur vom Hörensagen. Ärgerlich sind nur die schauspielerischen Mätzchen von Neymar. Ich dachte, der würde auch einmal erwachsen werden. Das Spiel fand vor leeren Rängen statt. Gleichwohl hörte man die Geräuschkulisse eines vollen Stadions. Die Franzosen hatten das als Hilfsmittel zur eigenen Unterstützung so eingespielt, bis die UEFA dem Vorhaben nach 20 Minuten ein Ende bereitete.

Wie Dortmund ist auch Liverpool nach seiner Niederlage auf eigenem Platz gegen Atlético Madrid aus dem Rennen. Ich wünsche ihnen genügend Substanz, um die englische Meisterschaft zu erringen. Würde die Meisterschaft nicht ausgespielt werden, wäre das eine Katastrophe für den Klopp-Club Liverpool.

In der EuroLeague  mit Wolfsburg (1 : 2 gegen Donezk) und Frankfurt ( 0 : 3 gegen Basel) wird das Ende der Fahnenstange bereits mit dem Hinspiel erreicht sein. Dagegen hat Leverkusen nach dem 3 : 1 Sieg in Glasgow (Rangers) beste Chancen für das Achtelfinale.

Saarbrückens Weg als Viertligist aus der Regionalliga ins Halbfinale des Pokals war sensationell. Mit dem 1.FC Köln, Ingolstadt, dem KSC und nun auch Düsseldorf haben sie Teams aus der 1. und 2. Bundesliga herausgekegelt. Gegen Düsseldorf gelang das nach insgesamt 20 Elfmetern mit 7 : 6. Man erinnert sich an Sepp Herberger. Er begründete das Fesselnde am Fußball, dass man nie weiß, wie es ausgeht. Mit den Bayern, der Frankfurter Eintracht und Bayer Leverkusen im Halbfinale sieht das mit Saarbrücken irgendwie exotisch aus. Die Leverkusener fahren als Nächste ins Saarland.

Dann erreichte das mikroskopisch kleine Coronavirus, dass die Begegnung zwischen Mönchengladbach und Köln ( 2 : 1) als erstes Spiel vor leeren Rängen stattfinden musste.

Beim Spiel des SC Freiburg vs. Düsseldorf 0 : 2 leistete Trainer Streich (SC F.) in seiner Coachingzone Schwerarbeit. Der Rundfunkreporter, der ihn beobachtete, diagnostizierte: „ Der Streich ist jetzt bei 265.“ Es ist erstaunlich, wie er das sehen kann. Da drängt sich doch die Frage auf, wie hoch eigentlich hoher Blutdruck noch aushaltbar ist?

Nach dem Spiel der Freiburger gegen Union Berlin ( 3 : 1 ) sank Streichs Blutdruck wieder auf Normalmaß. So konnte er uns Neues verkünden: „ 36 Punkte sind etwas ganz anderes als 33.“ Stimmt. Er dachte an den Klassenerhalt. Wieder einmal zeigte sich Freiburgs Stärke bei Standards. Zwei Tore fielen, initiiert vom Italiener Grifo (Ein Eckball, ein Freistoß), der listig lächelnd dazu meinte: „ Der liebe Gott hat mir einen guten Fuß gegeben“.  Es gibt Teams wie Werder oder Union, die immer wieder auf Standardsituationen hereinfallen.

In Wolfsburg spielten sich die RedBulls weiter nach hinten. ( 0 : 0 ). Ihr Spiel hatte das Potential, um als homoöpathisches Narkosemittel staatlich anerkannt zu werden.

Die Kumpels des Freiburgreporters von der schreibenden Zunft haben mich ebenfalls sehr beeindruckt. So schreibt ein Schwabe: „ Überraschend hat eine der Leitkühe der Wasserbüffel im Bottwartal (Ldks. Ludwigsburg) ein Kind geboren“, also keinen kleinen Wasserbüffel. Sicher gibt es da schon Patenschaften, wie sie bei Eisbären üblich sind.

Das Orkantief Sabine wirkt immer noch nach. So berichtete die Aachener Zeitung aus Belgien: „ Es kam zu Verkehrsbehinderungen durch auf Bäume gestürzte Straßen“. Ich habe mich beim Straßenverkehrsamt erkundigt. Solche Straßen haben wir hier nicht.

Gut gefallen hat mir auch die Suche eines Mannes aus Bayern: „ Mann, 47 Jahre sucht Wohnung mit einer Frau.“ Der kommt gleich zur Sache und tändelt nicht lange rum. In der letzten Glosse habe ich berichtet, dass im Hessischen immer mehr LKW-Fahrer nüchtern sind und damit Entwarnung beim Aufenthalt dortselbst gegeben werden kann. Nun muss ich das wieder revidieren, denn die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine macht auf eine Handballspielerin aufmerksam: „ Hanna von Dalwig ist mit 75 Toten bislang die beste Schützin im Verein.“ Man sollte also doch um Nordhessen herum einen Umweg fahren.

Selbst die „Süddeutsche“ verliert angesichts der CDU-Manöver schon mal den Überblick, wenn sie schreibt: „ AKK soll intern deutlich gemacht haben, dass sie die Abgrenzung von der CDU mit aller Härte durchsetzen will.“ Am 04.03. hat sich bei der Wahl von Ramelow gezeigt, dass einerseits CDU und FDP ihre parteipolitische Unschuld verloren hatten, andererseits die CDU auf den Pfad der Tugend zurück gekehrt ist. Die FDP hat sich währenddessen im Thüringer Landtag wie Rumpelstilzchen selbst unsichtbar gemacht.

Das Coronavirus begann im März alle anderen Themen zu überlagern. Gleichwohl gelang es Putin, den politischen Witz zu bereichern. Er wollte nach je zwei Amtsperioden, dazwischen wegen der Verfassung Medwedew, 2024 nicht aufhören. Schließlich sind die mit der Präsidentschaft verbundenen Privilegien nicht zu verachten. Darum bediente er sich eines Kniffs, der Erdogan mit seiner Verfassungsänderung wie ein Schülerbub aussehen lässt. Er setzte nämlich eine Kommission ein, die die bisherigen Paragraphen in einen Lostopf warf, tüchtig rührte und herauszog. Schwupp die wupp hatte er eine neue Verfassung.

Es blieb einer Dumaabgeordneten überlassen, die noch etwas werden will,  folgerichtig zu schließen, ohne rot zu werden, dass man bei einer neuen Verfassung mit der Zählung der Legislaturperiode wieder bei Eins anfangen könnte. Man stimmt in solchen Einrichtungen, die das Wort Parlament nicht verdienen, natürlich dem Herrscher zu. Man will sich ja nicht unglücklich machen. Und so geschah es. Das ist der perfekte Weg. Will Putin nach zwei Legislaturperioden weiter machen, kommen die Verfassungsparagraphen wieder ins Töpfchen, werden herausgezogen und eine neue Verfassung ist geboren, deren Legislaturperiode – logisch – bei Eins beginnt. Das ist wie im Märchen: Wenn er nicht gestorben ist, dann regiert er weiter seine Untertanen. Russland hat wieder einen Zar.

Den jahrelangen Dopingbetrug der russischen Staatsmacht fand ich schon dreist. Für dieses Manöver muss erst noch ein Begriff gefunden werden.

Wir alle wissen, Deutschland war zweigeteilt, in Aldi-Süd und Aldi-Nord. Vielleicht steckt aber doch mehr dahinter. Als ich die norddeutschen Journalisten Vorderwühlbecke und Opdenhövel verwechselte, waren für mich als Süddeutscher die norddeutschen Namen verwechselbar. Umgekehrt haben die Jungs vom Hamburger „Spiegel.de“ ihr Problem im Süden, wonach das „Trentino nicht …im Risikogebiet Italien liegt.“ Wo soll es denn nach der Vorstellung der Hamburger liegen? Ich gebe zu, dass ein Niederbayernkrimi schon von der Sprache her in Norddeutschland schwere Kost ist. Das „Deggendorfer Wochenblatt“ geht mit dem Versuch der doppelten Verneinung vor den bayerischen Kommunalwahlen noch einen Schritt weiter: „ Listenwahl: Das ist die einfachste Methode, bei der kaum kein Fehler passieren kann.“ Da führte wohl ein CSU-Kandidat dem Journalisten die Feder.

Mitte März wurde sportlich endgültig alles auf Storno gestellt. Mich stimmt es eigenartig nachdenklich, nun auf einmal mit 78 Jahren zum zweiten Mal zur Hochrisikogruppe gezählt zu werden. Eigentlich sind wir alle ein Leben lang eine Risikogruppe. Das sieht man schon an der jährlichen Kraftfahrzeugversicherung. Dort steckte man mich schon länger in die Hochrisikogruppe ( = das dritte Mal) . Dabei gibt es nur zweimal im Jahr einen Kontakt. Die Versicherung schickt mir ihre Rechnung, die regelmäßig höher ist als im letzten Jahr. Vornehm vermeidet sie einen Begriff, der nach Preiserhöhung aussieht. Noch vornehmer schreibt sie, wie alle anderen Versicherungen auch, über eine Gebührenanpassung. Zähneknirschend überweise ich den Betrag, ärgere mich ein paar Tage und vergesse die Dreistigkeit, mich als Hochrisikomensch zu sehen, bis zum nächsten Jahr.

Es gibt Krankheiten, hatte man sie, ist man für das weitere Leben immun dagegen. Ich aber nicht. Ich gehöre zum dritten Mal einer Hochrisikogruppe an. Das ist ziemlich ungerecht.

In der ersten Hochrisikogruppe befand ich mich in den Jahren des 2. Weltkrieges. Als Kind wurde ich von der Wohnung in den Luftschutzbunker und umgekehrt geschleppt, bis eine Brandbombe oben das Haus in Brand setzte, während meine Mutter und ich unten im Keller ausharrten. Es waren unerschrockene Feuerwehrleute, die uns da herausholten. Der ganze Hausstand war weg, Badnerland war abgebrannt. War dann ab 1945 die Gefahr entfallen, durch Bomben oder anderem Kugelhagel ins Risiko zu gehen, so bestand das nächste Risiko darin, etwas zu essen zu ergattern. Hier setzt heute die Kritik meines Freundes Peter ein, der das Nölen von Müttern der jetzigen Generation, dass sie irgendeinen Artikel nicht sofort kaufen konnten, nur schwer ertragen kann. „Was haben unsere Mütter dagegen ausgehalten? Mann war im Krieg oder tot oder in Gefangenschaft, Kinder mussten unter schwierigsten Bedingungen groß gezogen werden und zu essen gab es auch kaum etwas.“ Ich erinnere mich, wie mein Vater, als er aus der Gefangenschaft zurückkehrte, einmal in der Woche Zeitungspapier zurechtschnitt und an einem Haken in der Toilette aufhing. Bei Peter wurde noch mehr recycelt. Ergatterte seine Mutter z.B. Fisch, so wurde dieser beim Kauf in Zeitungspapier eingewickelt und zuhause wurde das Papier anschließend der Verrichtung zugeführt, die ich bereits geschildert habe. Gespielt wurde in Trümmern. Spielzeug hatten wir nicht. Ich weiß nicht, wann ich das erste Spielzeug in Händen hatte, vielleicht mit sechs, 1948. Gespielt haben wir Räuber und Gendarm in den Trümmern und Gebäudekellern der zerbombten Umgebung. In unserem Zuhause damals hatten wir ein Zimmer, da durfte ich eine Tür unter keinen Umständen aufmachen. Man konnte vom vierten Stock an dieser Stelle bis zum Keller sehen. Das Gebäude blieb halbwegs bewohnbar stehen, weil die Bombe, im Keller angelangt, nicht hochging, sondern entschärft werden konnte. Klar, dass ich jeden Tag mindestens einmal in den Abgrund schaute. Jetzt zum zweiten Mal in die Hochrisikogruppe eingeteilt zu werden, finde ich schon hart.

Auf einen besonders fiesen Trick kamen jüngst die Israelis. Sie setzten bereits infizierte Ausländer noch ins Flugzeug, damit sie die los waren. Prompt steckten diese eine deutsche Wissenschaftlerin an, die auf dem Heimflug von Tel Aviv war und zwei Reihen vor ihnen saß. Hoffentlich bekommt das der „Flügel“ der AFD nicht mit.

Ähnlich schäbig verhielt sich Donald Trump. Wegen seiner Wähler und angesichts des desolaten Gesundheitssystems in den USA musste er einen Schuldigen finden. Für ihn ist eindeutig: Schuld an diesem Schlamassel sind einzig und allein die Europäer, die den Virus      „ in großen Klumpen“ eingeschleppt hätten. Ein noch größerer Trottel ist sein Vizepräsident Mike Pence. Der erklärte Europa, mit Blick auf die Millionen Amerikaner, die Europa kaum dem Namen nach kennen, zum „Epizentrum“ dieser Pandemie. Es muss doch einen Ami geben, der weiß, wo Wuhan liegt und ihm dies zeigt. Die überwiegende Mehrheit der US-Amerikaner sind politisch wirklich Volltrottel, aber ein paar intelligente Typen an der Ostküste gibt es m.E. immer noch. Auf die hört man auf dem Land leider nicht.

Es gibt etliche Firmen, die an einem Impfstoff gegen das Virus arbeiten, z.B. die Firma CureVac. Sie gehört der Beteiligungsgesellschaft Dievini. Deren Mehrheitsaktionär mit 80% der Anteile ist Dietmar Hopp. Sind sie erfolgreich, so werden wir im nächsten Jahr von den Ultras getragene Heiligenbildchen mit dem Eigentümer von Dievini in den Stadien sehen, weil er sie vor einem todbringenden Virus bewahrt hat. Ja, das Leben schreibt schon tolle Geschichten.

Erfinderisch sind die Kioskbesitzer auf Fuerteventura. Eigentlich müssten sie ihren Laden dicht machen. Jetzt haben sie entdeckt, dass sie aufhaben können, wenn sie Atemschutzmasken wie Apotheken verkaufen. Leider habe ich noch nicht herausbekommen, über welche Vertriebswege ihnen das gelingt. Der Bundeswehr sind in Kenia Millionen abhanden gekommen. Ob ein Teil den Weg auf die Kanaren gefunden hat?

Das Virus hat auch eine gute Seite. Jetzt ist der unsägliche ESC-Contest (European Song Contest) abgesagt worden. Das ist die absolut überflüssigste Veranstaltung. Einmal habe ich den vorgesehenen deutschen Beitrag gehört. Das pubertäre Gesäusel würde nur zum Fremdschämen reichen.

Siegbert Heid, 02.04.20

Der Steilpass im Januar 2020

 

Mit Beginn der Wintersaison machen Sportlerinnen und Sportler unterschiedlicher Disziplinen auf sich aufmerksam. Da raste Sportkamerad Thomas Dreßen in den USA bei seinem ersten Abfahrtsrennen nach schwerer Verletzung auf Platz 1. Chapeau!!!  Ihn ahmte die Italienerin Irene Curtoni mit ihrem Super- G Sieg nach. Bemerkenswert war ihr Kommentar: „ Ich bin schon oft hingefallen, aber noch öfter aufgestanden“.  Ich frage mich allerdings, wie man öfter aufstehen kann, ohne hingefallen zu sein. Und Skispringer Leye lüftete ein Geheimnis. „Wir schauen  nach vorne“. Es wäre nicht auszudenken, wenn sie rückwärts schauen würden.

Leser Mirko, gerade vom DOSB-Präsidenten Hörmann (Deutscher Olympischer Sportbund) mit der Goldenen Ehrennadel des DOSB für Verdienste um den deutschen Sport geehrt          [ sie sieht besser aus als ein Bundesverdienstkreuz], erinnerte mich daran, dass ich letztes Jahr Leipzigs Stürmer Werner als Chancentod herb kritisierte. In der Bundesliga, in der er sich auf seine Mitspieler mit eingeübten Spielzügen verlassen kann, kommt er inzwischen nach 17 Spielen auf 18 Tore. Da weiß er, wo das Tor steht. Insoweit akzeptiere ich Mirkos Kritik. In der Nationalmannschaft sehe ich ihn aber immer noch wie Falschgeld herumlaufen. Es würde mich freuen, wenn ich zur EM im nächsten Jahr meine Meinung dazu richtigstellen müsste.

Mit der Überschrift „Sprung nach oben“ titelte ein Sportjournalist seine Meldung über den Standort der deutschen Fußballnationalmannschaft, wonach man sich um einen Platz, nun auf 15, verbesserte. Ein richtiger Sprung, der das Wort verdient, gelang Myanmar (früher Burma) von 147 auf 136.

Im Brot- und Butter Geschäft der Bundesliga backt nun Bäckersohn Klinsmann in Berlin seine Ware. Im ersten Spiel hatte er noch nicht viel anzubieten. Man verlor gegen den BVB 1 : 2. In Frankfurt erreichte man ein 2 : 2. Als Neuerer bekannt, will er den früheren Nationalspieler Arne Friedrich als „Performance Manager“ gewinnen. Vielleicht braucht er noch einen „Equipment Supervisor“ (Zeugwart) oder einen „Corner Flagstylist“ (Eckfahnenbetreuer) oder gar eine „Housekeepingjuniormanagerin“ (Zimmermädchen)? Sollte noch die Stelle des Global Senior Chief Executive (Rentner) frei sein, würde ich mich dafür bewerben.

Von Berlin kommt überhaupt lustige Kunde. Man hat jetzt für den Flughafen die richtigen Dübel gefunden. Der Obmann des Verkehrsausschusses verkündete zum Nikolaustag die frohe Nachricht:„ Entscheidend war die finale Klärung der Dübelfrage“. Da frage ich doch ganz humorlos, ob man die richtigen Dübel nicht schon früher hätte finden können.

Vielleicht ist es nur mir aufgefallen: Die Zahl der Sendungen im Fernsehen mit Humorfachverkäufern nimmt zu. Ergänzt man sie durch die ungewollten Komiker aus Politik und Sport, dann geht es lustig zu, blendet man einmal Kriege wie in Syrien mit daraus folgenden Flüchtlingsströmen aus. „Ich weiß nicht immer, wovon ich rede, ich weiß jedoch, dass ich recht habe.“ Jeder tippt sofort auf Donald ( der mit der roten Krawatte), tatsächlich stammt das Zitat vom Boxphilosophen Muhamed Ali, alias Cassius Clay.

Mit besonderem Genuss verfolge ich die Rechenkünste der sprechenden oder schreibenden Journalistenzunft. Jüngst fragte die Wuppertaler Rundschau nach dem Verständnis für eine Erhöhung von Strom- und Gaspreisen. 36 % antworteten mit ja = Verständnis und 121% mit nein. 157 Leser nahmen an der Befragung teil. Dieses Verständnis von Prozentzahlen ist an Originalität kaum zu überbieten

Dazu belehrt uns die Funk-Uhr: Regelmäßiges Händewaschen dämmt Erkältungsviren und hemmt eine Ansteckung. Die Anzahl der Viren wird nach dem Händewaschen um ein Tausendstel gesenkt. Da wäscht man doch gleich nochmal vor Freude die Hände.

Alle wissen, weil in vielen Steilpässen dokumentiert, dass das Spielglück im Fußball einem Kuhschwanz gleicht, mal zuckt er in die eine Richtung, mal in die andere. Das erlebte jüngst Mario Gomez mit dem VfB Stuttgart in Sandhausen. Mit 2 : 1 verloren die Schwaben in Baden, obwohl Gomez drei Tore erzielte. Nach Meinung des Schiedsrichters standen regelmäßig „ wenige Zentimeter seines Körpers im Abseits“. Der Mario schimpfte anschließend weniger über den Kuhschwanz, mehr über den Videobeweis, dem er die Qualität eines Kuhfladens beimaß.

Mit Qualität beschäftigte sich im Dezember auch der FAZ-Sportredakteur Christian Eichler. Er stellte sich seine erste Frage: Kann man mit einem Auge bei den Bayern gewinnen? Ja, wenn es nach Leverkusens Torwart Hradecky geht. Er spielte zwanzig Minuten mit einer verrutschten Kontaktlinse. Gleichwohl hielt er, einäugig, 12 Bälle, die auf ihn zukamen. Dann stellte Eichler die zweite Frage: Kann man mit einem Auge schielen? Antwort: Anatomisch gesehen nein. Sportlich gesehen: Warum nicht? Weil der Finne Hradetzky auf Platz 1 der Tabelle schielt. Daraus folgt die dritte Frage: Kann man als Fußballer mit Sehfehler Titel gewinnen? Dr. Peter Kunter, promovierter Zahnarzt wurde 1974 mit der Eintracht als Kontaktlinsenträger im Tor deutscher Pokalmeister. René Adler oder David de Gea ( span. Nationaltorwart), beide Kontaktlinsenträger, folgten. Iniesta mit denselben schoss Spanien 2010 zum WM-Titel und Jérome Boateng wehrte im Endspiel 2014 gegen Argentinien alle gegnerischen Attacken ab.

Ein Sonderfall – so Eichler – ist Jonas Hector, 1.FC Köln. Er braucht eine Sehhilfe, mag aber keine Kontaktlinsen, während Brillen auf dem Spielfeld verboten sind. Im EM-Viertelfinale 2016 gegen Italien gab es einmal mehr ein Elfmeterschießen. 17 Schützen waren schon angetreten, dann musste Hector ran. Ohne Sehhilfe gelang es ihm, den Ball hinter Gianliugi Buffon im Tor unterzubringen. Dagegen brachten die Kontaktlinsen Michael Ballack kein Glück. Vor dem letzten Saisonspiel im Jahr 2000 führte Bayer „Vizekusen“ Leverkusen mit drei Punkten Vorsprung und verlor in Unterhaching. Ballack traf mit Sehhilfe ins eigene Tor und nix wars mit dem Meistertitel.

Jüngst erreichten von angetretenen Vier, Drei (Bayern, BVB und Leipzig) die Play-Offs in der Champion’s League. Für Bayer Leverkusen war die Gruppenphase ein Fortbildungskurs mit Juventus Turin und Atlético de Madrid als Ausbilder. Wir werden sehen, ob sie das Gelernte in der Euroleague zusammen mit Frankfurt und Wolfsburg anwenden können. Mönchengladbach hat sich mit dem 1 : 2 gegen eine Istanbuler Mannschaft in letzter Sekunde selbst ins Knie geschossen und schied aus.

In der Bundesliga ist es spannend wie selten. Das kommt von einer Ausgeglichenheit der ersten sechs Teams, ohne  ihnen darüber hinausgehend internationale Klasse zuzugestehen.

Das 3 : 3 des BVB gegen Leipzig war ein Spektakel. Kaum minder das 3 : 1 der Bayern in Freiburg. Die Duselmannschaft aus München setzte sich erst in der Nachspielzeit durch. Fünf Minuten schenkte ihnen der Schiedsrichter. Im darauf folgenden Spiel des BVB in Hoffenheim war allerdings nichts mehr von Dortmunds Spielfreude zu sehen. Man führte zwar mit 1 : 0. Aber die tapferen Arbeiter im Blaumann schafften in diesem zähen Spiel zunächst den Ausgleich und dann kurz vor Schluss auch noch das Siegtor. Kurz vorher war ein vielversprechender Angriff der Dortmunder wegen Abseits abgepfiffen worden. Der hilflose Kommentator sprach von einer Entscheidung um „Zehennagelsbreite“. Der muss einen Röntgenblick haben, wenn er auch in die Schuhe sehen kann. Die Dortmunder haben das Spiel buchstäblich „vergeigt“.

Damit bin ich bei der komplexen Partizip-Perfektbildung meines Enkelsohnes. Der Schiedsrichter hat gepfeift, meinte er. Nein, er hat gepfiffen. Aber ich habe klaviert. Nein, da hast Du Klavier gespielt, da brauchst Du noch das Hilfsverb haben, wenn Du mit Deiner Schwester auf die Klaviertasten trommelst. Er ist da sehr genau. Jüngst holten wir die Kinder vom Kindergarten ab. Da schönes Wetter war, fragte die Oma, ob sie im Freien gewesen wären. Nein, meinte er, wir waren draußen, aber nicht im Freien, denn da war ein Zaun um uns herum.

In verschiedenen Szenen zeigte sich die Stärke, aber auch die Schwäche des Videobeweises. Abseits wird millimetergenau registriert, wenn irgendein Körperteil nicht mehr auf gleicher Höhe ist. Arm, Bein, Kopf oder Hüfte sind gängige Beispiele. Es wäre ein echtes Novum, wenn einmal ein Spieler wegen Abseits zurück gepfiffen werden würde, weil sein Penis in offensichtlicher Vorfreude auf abendliche Abenteuer, die Linie millimeterscharf zuerst queren würde. Das wäre doch einmal etwas Neues.

Ob Handspiel oder nicht vorliegt, vermag zur Zeit niemand zu erklären. Ich habe gesehen, wie ein Verteidiger, den Arm eng am Körper, etwa aus zwei Metern voll angeschossen wurde. Der Schiedsrichter gab Elfmeter. Am selben Spieltag sprang bei einem Eckball ein Verteidiger hoch und hielt den Arm oben noch einmal einen Meter höher. Aus der Ballberührung folgte kein Elfmeter. Das begreift kein Mensch.

Mal hilft der „Kölner Keller“ bei der Entscheidungsfindung, mal nicht, vor allem dann nicht, wenn die Beobachter im Keller sich gerade ein Bier oder eine Currywurst holen. Im Kölner Keller sitzen die Beobachter des Geschehens an den Videogeräten. Sie sollen die Schiedsrichter auf dem Platz unterstützen. Der eine mehr, der andere weniger mag Theatralik. Da wird gepfiffen, das Spiel unterbrochen und mit großen Gesten jedem Analphabeten erklärt, dass der Schiri jetzt zum TV-Gerät geht. Danach hebt oder senkt er den Daumen zugunsten einer Mannschaft. So muss es in der Antike im römischen Colosseum zugegangen sein. Hob oder senkte der Kaiser den Daumen, war das das endgültige Schicksal für den Betreffenden.

Mir schiene es fairer, wenn man das Orakel von Delphi wieder einführen könnte. Seit dem 8. Jh. v. Chr. holten sich die alten Griechen dort Rat. Das war eine Geldfrage. Die Reichen erhielten ausführliche Beratung. Die Armen durften nur eine Frage stellen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden konnte. Darauf langte Pythia, die weissagende Priesterin, in einen Topf mit weißen und schwarzen Bohnen. Weiß hieß Ja, schwarz hieß Nein.

Dabei saß sie auf einem Dreifuß über einer Erdspalte. Daraus wallende Dämpfe versetzten sie in einen Trancezustand. Das wäre heutzutage nicht vorstellbar, weil schon die Berufsgenossenschaft den Dreifuß nicht zulassen würde. Dazu käme der Brandschutz mit Auflagen, denen gegenüber der Berliner Flughafen ein Kleinauftrag wäre. Gleichwohl wäre es gerechter, das Orakel anzurufen, als den Vorlieben und eigenmächtigen Interpretationen eines Schiedsrichters ausgesetzt zu sein.

Am Ende der Hinrunde beschäftigt Torwart Alexander Nübel die Gemüter in Gelsenkirchen. Als er von Paderborn nach Schalke wechselte, fanden alle Schalker den Wechsel ganz normal. Jetzt, nach der Nichtvertragsverlängerung mit wahrscheinlichem Weggang nach München, sehen das wiederum alle Schalker diesen Wechsel als Verrat. Dabei ist das Verhalten für einen freiberuflichen Fußballspieler nachvollziehbar. Bayerns Torwart Neuer ist 33. Er wird nicht jünger.  Nübel ist zehn Jahre jünger. Da die Bayern für die nächsten 10 Jahre wieder einen überragenden Torwart suchen, wird er auf das Angebot eingehen, das ihm 5,5 Mill. € im Jahre bringen soll. Die Schalker wollten ihn mit sieben Mill. € zum Bleiben motivieren, aber für das internationale Renommé nimmt man schon einmal ein geringeres Anfangsgehalt in Kauf.

Da ich nach meiner Einschätzung gefragt wurde, wer am Ende der Rückrunde ganz vorn sein wird, lege ich mich fest: Leipzig wird Meister vor den Bayern, den Gladbachern, dem BVB, Schalke 04 und Bayer Leverkusen. In der 2. Bundesliga werden der HSV und der VfB wieder aufsteigen, Bielefeld spielt die Relegation und am Tabellenende hoffen wir, dass die Ermüdung des KSC überwunden sein wird und ihn vor dem Abstieg in Liga 3 bewahrt.

 

Siegbert Heid, 02.01.2020

Der Steilpass im Dezember

Ist Rechtsradikalismus rund um den Fußball ein früher Hinweis für eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung nach rechts? Soweit wollten meine Leser, die mir auf den letzten Steilpass antworteten, nun doch nicht gehen. Sie stimmten aber zu, dass diejenigen, die die einfachen Antworten auf schwierige und komplexe Themen haben, nicht nur in Deutschland einen beträchtlichen Zulauf haben. Der Populismus erlebt, nicht nur in den USA, gepaart mit Fake News, eine ungeahnte Konjunktur. Hinzu kommt in Ostdeutschland das Gefühl der Benachteiligung. Das Beispiel der Vielzahl von rechtsextremistischen Konzerten im Osten Deutschlands unterstreicht die Ahnungslosigkeit derer über ihre historische Vergangenheit, die von einer Wannseekonferenz (Beschluss der Judenvernichtung) oder einem Hitler-Stalin-Pakt noch nie etwas gehört haben. Die 50 Millionen Toten des 2. Weltkrieges sollten ein Thema im Schulunterricht sein. Gefühlte Benachteiligung, Unwissenheit und Anfälligkeit gegen gezielte Manipulationen über soziale Medien, mit denen Fake News Realitäten suggeriert werden, sind aber eine gefährliche Melange, mit der sich die demokratischen Parteien auseinanderzusetzen haben. Auf eine Gefahr erlaube ich mir aber doch hinzuweisen: Je mehr Bürger aus dem bürgerlich-konservativen Milieu zur AFD wechseln, desto mehr wird der rechtsradikale Kern der AFD kaschiert.

Sport und Politik sind schon immer miteinander verzahnt. Wir erleben das eigentlich täglich in der Kommunalpolitik. Von daher ist es jetzt nicht so schwierig, die Seite Sport aufzuschlagen, die uns wieder mitten auf den Fußballplatz führt. Auf europäischer Ebene ist die Darbietung der Bundesligisten eher mittelprächtig. Im Februar wird sich allerdings erst zeigen, wer durch das Raster der Gruppenphase gefallen ist. Dann trennt sich die Spreu vom Weizen.

Abwechslung erhöht zur Zeit die Spannung in der Bundesliga. Der BVB fuhr mit einer 4:0 Packung aus München nach Hause. Noch eine Woche zuvor brillierten die Dortmunder mit ihrem 2 : 0 Sieg gegen Wolfsburg. Sie spielten Hacke, Spitze, 1,2,3. Das zweite Tor erzielten sie nach einem dreifachen Hackentrick, da benötigten sie noch nicht einmal den von Belá Rethy so bewunderten doppelten Doppelpass. Dann kam die Ernüchterung. Dabei verlor der BVB zweimal. An der Börse sackte der Aktienkurs im S-Dax um 3 % ab. Sie zieren dort den letzten Platz.

Der Kommentar des englischen „Guardian“ nach dem Rugby-WM-Sieg Südafrikas über England passt wunderschön zu diesem Desaster: „ Diese Rohlinge aßen unser Gedränge (Rugbyfachausdruck, hat nichts mit Gehänge zu tun) auf, als wäre es mit der Holzkohle schön durchgegrillt und in einem Brötchen mit Senf und gebratenen Zwiebeln serviert worden.“

Das passt gut, denn beide Mannschaften sollten einmal nach England schauen. Sadio Mane aus dem Senegal, Stürmer in Liverpool (vielleicht aktuell bester Stürmer der Welt), sprintet nach einem verlorenen Zweikampf zurück und versucht, den Ball wieder zu erobern, als wäre er persönlich beleidigt worden. In so einer Situation findet man bei Dortmund Behäbigkeit und bei den Bayern biedere Saturiertheit. Es gibt allerdings einen Unterschied im Ergebnis. Während die Bayern eher gewinnen (mit Ausnahme des 1 : 2 gegen Leverkusen), blamierten sich die Borussen nach einer desolaten Vorstellung in der ersten Halbzeit mit einem 3 : 3 gegen den Tabellenletzten Paderborn. GF Watzke sprach der Mannschaft Mut zu und zitierte Martin Luther: „Aus einem verdruckten Arsch kann kein fröhlicher Furz kommen.“ Gegen Barca hat es nichts genutzt, gegen Hertha und deren neuem Trainer Klinsmann schon. Das hat dem Trainer in Dortmund (vorerst)den Job gerettet.

Nachdem sich Uli Hoeness nun vom unmittelbaren Fußballgeschäft verabschiedet hat, irrt jeder, der annimmt, unser Sportkamerad würde am Tegernsee schweigen und den Enten zuschauen. Er wird sicher bald von der Auslinie zu hören sein. Alle hatten bei seiner Verabschiedung Kreide gefressen, sowohl seine Bewunderer wie seine bisherigen Kritiker. Bemerkenswert fand ich seinen alten CSU-Spezi und Bayerischer Rundfunkreporter Waldemar Hartmann, der auf seine Fähigkeiten als Verkäufer zu sprechen kam. „ Uli hätte sogar dem Papst ein Doppelbett verkauft“. Wie immer lag Loddar (Matthäus) knapp daneben: „Der Uli, der hat nie was hinten herum gemacht“. Da war doch was – oder?

Die Zurufe von der Auslinie bekommen dem Fußball so wenig wie der Politik. Gerade die Sozialdemokraten sind vom „Morbus Stegner Syndrom“ gebeutelt. Stegner, Regionalpolitiker aus Schleswig-Holstein ist der auf den Fotos des SPD-Parteivorstandes, den immer heftige Zahnschmerzen plagen, wenn die anderen in lustiges Gelächter ausbrechen. Er lässt keine Gelegenheit aus, die eigene Partei und deren Führung kaputt zu reden. Bis heute hat er nicht begriffen, dass nichts den Wähler mehr schreckt als üble Nachrede. Bei der CDU schickt sich Friedrich Merz an, diese Rolle nahtlos zu übernehmen. Wenn man seine Partei und seine Wähler richtig nerven will, dann muss man Personaldebatten führen und sich mit sich selbst beschäftigen. Hoffentlich hat das bei der SPD nun ein Ende gefunden, sonst kratzt die Partei an der 5 % Hürde, obwohl sie in der Großen Koalition eine gute Arbeit macht. Der vereinigte deutsche Journalismus schreibt dies allerdings konsequent nieder.

Mit dem neuen Führungsduo sind die innerparteilich auseinanderdriftenden Vorstellungen nicht erledigt. Die Strategie des umtriebigen Kevin Kühnert mag für die Jusos funktionieren. Werden die Jusoträume von Verstaatlichung großer Unternehmen (z.B. hat er konkret schon BMW genannt) oder von einem Menschenrecht auf Einwanderung zur sozialdemokratischen Leitlinie, dann gehen sowohl Parteimitglieder wie Wähler von der Fahne. Der Hamburger Bürgermeisterkandidat Peter Tschentscher wird das erste Opfer dieser Utopisten sein.

Zurück zum Fußball. Gleichsam heimlich, still und leise haben sich Gladbach und Freiburg nach vorne geschoben. Zwar versuchte der Argentiner Abraham (Frankfurt) das nach bekannter Gauchoart zu verhindern ( denken wir 2014 an die Verletzungen von Ginther und Schweinsteiger im Endspiel gegen Argentinien), indem er Trainer Streich niederstreckte. Das half ihm aber nichts. Dafür sitzt er jetzt bis ins neue Jahr auf der Tribüne. Gladbach überzeugte beim 3 : 1 gegen Bremen vor allem spielerisch. Mit Thuram und Co. haben sie vorne gleichsam wuchtige Wandschränke. Wer dagegen die körperlose Variante wählt, hat schon verloren. Das passierte jetzt den so tapferen Freiburgern mit 4 : 2.

Mit dem 4 : 0 gegen Weißrussland hat die Nationalmannschaft die Qualifikation für die nächste WM bestanden. Dabei war der Sieg durchaus schmeichelhaft. Man kann sich nicht automatisch auf Neuer im Tor verlassen, der einmal einen sog. „Unhaltbaren“ um den Pfosten drehte und danach noch einen Elfmeter parierte. Die Verteidigung war häufig völlig abwesend.  Gut, dass es bei diesem Wettbewerb noch keinen Videobeweis gibt. Zwei der Tore waren irregulär, das eine war Abseits und bei dem anderen versperrte Werner dem Torwart, weit im Abseits stehend, die Sicht.

Der 6 : 1 Sieg gegen Nordirland war mehr, als man erhoffen konnte. Toni Kroos hat dabei seine große Klasse gezeigt. Mit einem Steilpass – flach oder hoch im Bogen – hebelte er sieben Verteidiger auf einen Streich aus. Das klappte nicht immer, doch immer wieder. Die deutschen Angreifer umrundeten die sieben Verteidiger wie Wespen, die sich an ein Marmeladenglas heranmachen. Entweder über Toni Kroos oder über Außen gelang es ihnen, sechs Mal den Ball ins Marmeladenglas zu befördern.

Deutschland hat bei der EM-Gruppenauslosung mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal die schwerste Gruppe erwischt. Die hiesigen spanischen Zeitungen lassen eine gewisse Zufriedenheit darüber durchschimmern. Sie erinnern an das Losglück der Deutschen in früheren Wettbewerben. Spanien hat mit Polen und Schweden Gegner zugelost bekommen, die die spanischen Sportjournalisten schon zu Pflichtsiegen interpretieren. Damit wird die eigene Mannschaft schon jetzt ganz schön unter Druck gesetzt.

Außerhalb von Politik und Fußball begegnen wir erstaunlichen Dingen. Gerichtlich wurde festgeschrieben, dass ein trockenes Brötchen eine zubereitete Speise ist. Damit umgeht man einen Streit um Sonntagsöffnungszeiten von Bäckereien mit Tischen. Der Erfinder dieser salomonischen Lösung hat sich m.E. für höhere Aufgaben qualifiziert.

Gottes Fußtruppen haben es wieder einmal krachen lassen. Zwei aus Afrika stammende und auf Sizilien tätige Nonnen sind schwanger. Noch im Februar hat Papst Franziskus zugegeben, dass sexueller Missbrauch von Ordensschwestern in der katholischen Kirche keine Seltenheit ist. Da man sich heute schwer täte, wie vor über 2000 Jahren den heiligen Geist als Verursacher zu identifizieren, schweigt man sich aus. Die Realität geht halt oft andere Wege. Vielleicht könnte Kardinal Woelki einspringen und die Patenschaft übernehmen. Die Story mit Maria, die ein Kind gebar, das nicht von Josef stammte, sondern von einem Lover, den man als Heiligen Geist bis heute unsichtbar macht, kriegt man nur einmal hin. Oberchef Franziskus sollte die Kurve schaffen und den Mitgliedern seiner Truppe ihr Sexualleben gönnen. Die Borgias haben es in der Renaissance ja schon einmal vorgemacht. Das trüge zur allgemeinen Entspannung bei und die katholische Kirche könnte sich auf die Aufgaben konzentrieren, die ihr Gründer damals skizziert und vorgelebt hat.

Es ist eigentlich jedes Jahr das gleiche Spiel. Kurz vor der Weihnachtspause beginnt das „Trainerkegeln“. Nach dem 3 : 3 von Dortmund zu Hause gegen Paderborn wackelt nun auch Favre. Dabei kann der Trainer nur begrenzt eingreifen, wenn z.B. Sancho mit seinen 18 Jahren keine Lust mehr hat, engagiert Fußball zu spielen. Das ist ein Indiz, dass er den Verein wechseln will, zu einem, der einen größeren Fleischtopf hat. Dann kommen Verletzungen einiger wichtige Spieler hinzu – und schon steckt man mittendrin in der Misere. Der Platzverweis von Hummels in Berlin stimmt da keinen Dortmunder fröhlicher.

Das ist nur beim 1.FC Köln anders. Leser Paul wies mich auf die desolate Lage des Clubs hin. Er schlug vor, den Fall näher zu begutachten. Die Rotation des gesamten Führungspersonals aufgrund des Tabellenstandes hängt vielleicht mit der Karnevalszeit zusammen. Labbadia hätte Karnevalsprinz d.h. Cheftrainer werden können, wollte aber nicht. Jetzt ist es Gisdol geworden. Dann schaute ich mir den Brief von Paul nochmals an und siehe da, er stammt aus dem Jahr 2017. An Aktualität hat er nichts eingebüßt.

Ich freue mich immer, wenn Fußballer besondere Formulierungen oder Ausdrücke wählen oder gar neu erfinden. So sprach KSC-Trainer Schwartz nach dem 0 : 3 in Stuttgart von einem Stuttgarter „Glücksfickertor“. Vielleicht können gerade meine Karlsruher Freunde mir erklären, was damit gemeint ist.

Der Inselfußball auf den Kanaren ist von sympathischer Atmosphäre geprägt, ein Kontrast zu deutschen Stadien. Am Sonntag spielten die Konkurrenten Gran Tarajal (unser Städtchen) und Arrecife (Lanzarote) gegeneinander. Das Stadion hier mit einem herrlichen Blick auf den Atlantik und die breite Bucht des Städtchens mit feinstem dunklen Lavasand ist für sich schon ein Erlebnis. Kein Wunder, dass mit den benachbarten Sportanlagen (Olympisches Schwimmbecken) Moderne Fünfkämpfer, Zehnkämpfer, Triathleten und Schwimmer aus ganz Europa sich treffen, von den Profiradrennställen gar nicht zu reden. Zum Lokalderby der vierten spanischen Liga ( vergleichbar mit der Regionalliga in Deutschland und hier die oberste Liga aller kanarischen Inseln), kamen knapp 1.000 Zuschauer. Die Fans aus Lanzarote reisten mit der Fähre an, es war eine tolle Stimmung, das Bier floss in Strömen. Die Fans von der anderen Insel waren mit Fahnen, Megaphonen, Trommeln und anderen Lärmgegenständen ausstaffiert. Die eigenen Lärmelemente kannten wir schon, man musste sich nur weit genug entfernt setzen. Der Eintritt kostet fünf Euro, das Kartensystem ist genial einfach. Man kauft sich an der Kasse einen Beleg, der dann beim Eintritt gleich wieder eingesammelt wird. Er kann so beim nächsten Spiel wieder zum Einsatz gebracht werden.

Wie in jedem Stadion halfen die Zuschauer dem Schiedsrichter bei der Spielabwicklung. Die Abseitsregel gegen die eigene Mannschaft war grundsätzlich außer Kraft gesetzt, gleichzeitig verfügte man aber über eine Sensorik, die das Abseits der gegnerischen Mannschaft millimetergenau erkannte. Darüber hinaus wurde der Schiedsrichter von beiden Seiten lautstark beraten, wann er eine gelbe Karte zu vergeben hatte. Tat er das nicht, ergoss sich die Flut kräftiger spanischer Schimpfworte über ihn und die Umgebung. Gleichwohl war man friedlich, der Spaß wogte die Tribünenreihen rauf und runter.

Als Lanzarotefans einen populären Ohrwurm über Majoreros (Einheimische) anstimmten, fielen die Fuerteventuraner sofort mit ein, weil sie sich noch mehr als Majoreros fühlten. Das ganze Stadion sang gemeinsam das Lied. Die Heiterkeit auf den Rängen war gelungen. Anschließend musste mit Bier kräftig nachgekühlt werden, denn die Temperatur Ende November lag nicht unter 25 Grad. Mit 1 : 0 gewann unsere Mannschaft. Friedlich verließen die Fans beider Lager nebeneinander das Stadion. Die Polizei hätte sich durch eine Alkoholkontrolle eine goldene Nase verdient, war aber vorsichtshalber nirgends zu sehen.

Siegbert Heid, 02.12.19