Steilpass im September

Der Steilpass im September 2014

In der Fußballferienzeit im Sommer ist es angezeigt, einmal nach den anderen Schelmen im Umfeld zu sehen. So ganz ohne Fußball ging die Zeit aber auch nicht vorüber, konnte der DFB mit der U-19 Europameisterschaft einen weiteren Titel an seine Fahnen heften. Den Jungs wollten die Mädels nicht nachstehen. Die U-20 Juniorinnen wurden in Montreal Fußballweltmeisterinnen.

Scholze-Stubenrecht, Leiter der Duden-Redaktion meldet sich nach der WM auch zu Wort. Das Wort „Freistoßspray“ hat gute Chancen, aufgenommen zu werden ebenso wie die „Auflaufkinder“, die an der Seite der Mannschaften ins Stadion einziehen. „Pressing“ und „Rasenschach“ sind bereits berücksichtigt.

Schelme können auch die Meterologen sein. Seit Jahren bewundere ich die Vielseitigkeit ihrer Ausdrücke, wenn sie uns sagen, dass es ununterbrochen schifft oder schiffen wird. Da gibt es den niedlichen „Wolkenklops“, die heftigere „Tiefdruckrinne“ oder die „Starkregenjahreszeit“, dem indischen Monsun nicht unähnlich. Ein weiterer Knaller war die Einführung des Begriffs „ Höhentief“. Ein Kollege im WDR warnte uns jüngst zudem vor einem „vertikalen Impulstransport“. Den Gipfel der Kreativität erreichte aber nun Donald Bäcker im Morgenmagazin. Um uns auf ein neues Tief vorzubereiten, sprach er von Deutschland als „Unwettererwartungsgebiet“. Ist das nicht herrlich, unterstreicht dies doch, dass wir durchaus ohne Anglizismen auskommen, wenn wir wollen.

Ich weiß jetzt, dass der „Taupunkt“, also das Maß für die Schwüle uns sagt, wie stark die Luft mit Wasser gesättigt ist. Je höher, desto mehr Feuchtigkeit und Energie befindet sich in der Atmosphäre, um dann in Form von Unwettern auf uns nieder zu prasseln. Ein normal trockener Sommer hat den Wert 12 – 13 Grad, jetzt werden bis zu 23 Grad gemessen, d.h. die Intensität von Tropengewittern wird erreicht.

Ich kenne jetzt auch die „Vollpfostenmetereologen“ ( Kachelmann). Sie sagen im Frühling vorher, ob der Sommer kalt oder warm wird. Das ist wissenschaftlich nicht möglich. Folgerichtig sind es „Vollpfostenjournalisten“, vorwiegend bei Bild, Bunte und anderen schrägen Blättern angesiedelt, die den Unsinn auch veröffentlichen. Allerdings können Meteorologen auch biedere  Sportreporter verwirren. Bei der verregneten Leichtathletik-EM in Zürich meldete uns beim Diskuswettbewerb der Reporter: „ Der Regen ist noch nass.“ Das muss ja auch einmal gesagt werden.

Aus dem Bereich der Kunst muss eine Schelmengeschichte festgehalten werden. Es geht um Joseph Beuys. Einmal begegnete ich seiner Kunst in Stuttgarts Staatsgalerie. Man hatte ihm einen ganzen Saal gewidmet. Dort hatte auch seine rostige Badewanne Platz. Eine Museumswärterin saß mit tieftraurigem Gesicht in diesem Saal, wie vom Schicksal ins Mark getroffen. Den zufällig vorbeikommenden Oberaufseher machte ich auf den Zustand der Frau aufmerksam. Ich möge mir keine Sorge machen, erklärte er mir. Wer mit dem Chef Knatsch hätte, wird zur Strafe eine Woche in den Beuys-Saal gesetzt.

Das wäre vor 30 Jahren für den Hausmeister der Düsseldorfer Kunstakademie zu wenig gewesen. Nach der Devise: Ist das Kunst oder kann das weg ?, hatte er sich angesichts fünf Kilo Winterbutter in Beuys Atelier für Letzteres entschieden. Die Fettecke entfernte er von der Decke. Beuys-Schüler Johannes Stüttgen entdeckte den Butterklumpen in einem Putzeimer und konservierte ihn als „ Rest einer staatlich zerstörten Fettecke“. Für diesen „Spaß“ musste NRW unvorstellbare 40 000.- € Schadensersatz bezahlen. Die Fettecke landete in Stüttgens Keller.

Jetzt steht die Fettecke von drei Künstlerkumpanen, nach einer durchzechten Nacht in Schnaps verwandelt, als neues Unikat im Düsseldorfer Kunstpalast. Wie sie das fertig bekommen haben, ist noch nicht geklärt. Aus Fett lässt sich bekanntlich kein Alkohol brennen. Dabei meinen sie ernsthaft, dass sie neue Kunst im Kontext von Beuys’ Energie- und Wärmeflüssen geschaffen haben. Sie verweisen auf eine Beuys-Aktion von 1982. Damals hatte der Meister eine Kopie der Zarenkrone von Iwan dem Schrecklichen in die Form eines Hasen – Friedenssymbol – gegossen. Während mir zu dem Spaß nichts mehr einfällt, reagierte die Beuys-Witwe anfangs erbost. Es handelt sich um „eine Unverschämtheit“, um eine Verletzung des Urheberrechtes, gegen die sie mit Hilfe eines Anwaltes vorgehen will. Bekommt sie Recht, wäre das der Beweis wie man aus Fett Gold macht. Inzwischen scheint sie sich aber wieder beruhigt und tatsächlich auch eine Entschädigung bekommen zu haben.

Erfreulich ist auch die mediale Minderbelästigung durch unser politisches Personal, sieht man einmal von einem Sommerinterview mit dem Seehofer Horst ab. Gleichwohl versuchen einzelne Jungs und Mädels das Sommerloch wenigstens kurzfristig zu füllen. Listig und mediengeil jettete die Verteidigungsministerin nach Afghanistan zu einem Fototermin. Sonst lag nichts an. Statt diesen Wahnsinn zu kritisieren, brachten die Zeitungen Grins-Ursula auf Seite Eins. Vom Bund der Steuerzahler habe ich trotz angestrengter Suche ob dieser Verschwendung öffentlicher Mittel nichts gehört.

Angela M. war in Urlaub. Sie wurde zuletzt in Blau in Bayreuth gesichtet. In dieser Zeit war Sigmar G. als Stellvertreter der Hausherr. Er stellte die Mülleimer raus, zog die Rollläden rauf und ließ sie wieder runter. Zuletzt machte er abends das Licht aus. Dazu schob er jeden Tag dem dicken Kanzleramtsminister Altmaier morgens die Augenlider hoch und abends wieder runter.

Für das Sommertheater zeichnet dieses Jahr die CSU verantwortlich. Das ist verständlich, gibt es in Bayern zuletzt in Deutschland Ferien. Es gibt einmal den Einakter mit Frau Haderthauser. Die Staatsanwaltschaft prüft den Verdacht des Betruges in Zusammenhang mit dem Verkauf teurer Modellautos, ein im Verständnis der CSU ganz normaler Fall von Durchstecherei. Anders sind die Durchhalteparolen des Ministerpräsidenten nicht zu verstehen. Die Augsburger Zeitung schreibt dazu: „ Gebaut wurden die Luxus-Modellautos von Triebtätern im Maßregelvollzug, angeführt von einem Dreifachmörder, der seinen Opfern die Geschlechtsteile abzuschneiden pflegte. Allein dieses Geschäftsmodell empfinden manche [ !! nicht alle ] CSU-Politiker als ungehörig“. Jetzt steht auch der Ehemann vor einem Verfahren. Bei Abrechnungen waren ihm offensichtlich die erforderlichen mathematischen Grundregeln abhanden gekommen. Ein sauberes Pärchen, das die Bayern mitregiert.

Es ist kein Zufall, wenn wir aus Bayern bei einem anderen Spiel frohe Kunde vermelden.

Formel 1 Star Ecclestone war wegen Korruption angeklagt. Die Bayern-Bank als Bank unseres Vertrauens. Bei ihr sind wir immer richtig. Wir treten näher und brauchen bei ihr nur auf das richtige Hütchen zu tippen.  Dieses Hütchen in Form einer langen Haftstrafe hat er nun für 100 Millionen Dollar dem bayerischen Staat abgekauft. Das hat doch auch wieder ein bayerisches Gschmäckle. In Bayern gehen wirklich die Uhren anders. Im Bildungsradio (WDR 5, DLF) wird nun heftig diskutiert, ob der Vergleich gerecht ist. Er kann es nicht sein, wenn man sich, weil reich, von einer vermeintlichen Straftat freikaufen kann. Zudem ist das Strafrecht als Einnahmequelle des Staates nicht vorgesehen. Gleichwohl finde ich die Entscheidung in Ordnung. Ecclestone ist 83. Ein Prozess mit Beweisaufnahme etc. würde sich auf Jahre hinziehen. Er könnte in der Zwischenzeit verstorben sein. Dann hat außer seinen Erben niemand etwas davon. Dann doch lieber die Kohle in den Staatshaushalt. Interessieren würde mich schon, wo es dort landen wird.

Des weiteren bietet die CSU uns ein Trauerspiel an: „Das Betreuungsgeld“. Eine Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts und der Universität Dortmund ohne Beteiligung von Borussia Dortmund, kommt zum Ergebnis, dass das Betreuungsgeld von stattlichen 150.- € monatlich gerade Migrantenfamilien und bildungsferne Eltern davon abhält, ihre Kinder in die Kitas zu schicken. Damit verzichten sie auf das staatliche Angebot frühkindlicher Bildung, Betreuung, Erziehung und Integration. Die Spätfolgen über den Arbeitsmarkt werden wir alle noch zu tragen haben. Wenn wir es nämlich nicht schaffen, den sozialen Aufstieg junger Leute zu organisieren, werden sozialer Frieden und Wohlstand unseres Landes bedroht sein.  Allein in NRW erhalten ca. 60.000 Personen das Betreuungsgeld. Das sind für 2015 mindestens 110 Millionen Euro, die z.B. für mehr Kita- Personal nicht zur Verfügung stehen, weil sie möglicherweise in Schnaps, Rauch und Flachbildschirmen aufgehen. Von dieser buchstäblichen Schnapsidee ist die CSU nicht abzubringen. Meine Meinung: Irren ist menschlich, im Irrtum zu verharren ist Dummheit.

Dann bietet die CSU aber zum Ausgleich auch eine Komödie an. Mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt in der Hauptrolle, von Gegnern auch „Doofbrindt“ genannt, obwohl er nur das ausbaden muss, was Seehofer mit der Maut in die Welt gesetzt hat. Letzterer wollte im vergangenen Landtagswahlkampf seinen Stammtischwählern in Bayern suggerieren, dass die Ösis es nicht besser haben dürften als die Bayern. Daraus verselbständigte sich tatsächlich die Maut. Bis dahin war die Hotelier-Steuer der FDP das Absurdeste, das ich mir vorstellen konnte. Sie wurde bekanntlich durchgewinkt. Die CDU mit Kanzlerin Merkel war und ist von Anfang gegen die Maut. Im Fernsehduell mit Steinbrück sagte die Kanzlerin wörtlich: „ Mit mir wird es keine Maut geben.“

Gleichwohl wurde das Monstrum in den Koalitionsvertrag geschrieben. Jetzt hat der Minister wahrscheinlich überzogen, wenn die Maut auch für alle Landstraßen gelten soll. Dann sind die Länder im politischen Geschäft. Schon verlangen CSU-Politiker in grenznahen Regionen Bayerns eine Ausnahmeregelung. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werden mit dem Hinweis auf Frankreich und die Schweiz nachziehen, Nordrhein-Westfalen mit Belgien, der Niederlande und Luxemburg, Schleswig-Holstein mit Dänemark, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit Polen, Sachsen mit Tschechien. Das gibt ein herrliches Durcheinander mit einem Moloch an Verwaltung und wenn überhaupt –  einem Minimum an Einnahmen.

Mit der Bemerkung „ Ein Dobrindt kann nicht scheitern“, setzte der Horst seinen Minister in Berlin zusätzlich unter Stress. Im Gegensatz dazu darf  CDU-Vize Armin Laschet aus NRW  Dobrindts Pläne als „ äußerst schädlich für zusammenwachsende Lebens- und Wirtschaftsräume wie wir sie in NRW kennen“, bezeichnen. Ohne der Kanzlerin Zustimmung würde er das öffentlich nicht sagen.

Wie sagte ein Sportreporter: „ Beim Degenfechten geht die Post hinten ab.“ Das ist bei der Maut vielleicht auch so. Lassen wir uns überraschen. Erst hatten wir die Verwandtschaftsaffäre. Maßgebliche CSU-Granden aus dem bayerischen Landtag versorgten ihre Ehefrauen, ja ganze Familien mit Scheinjobs aus dem Landeshaushalt. Dann verpatzte die Justizministerin Merk in der Affäre Mollath ihren Auftritt. M. war jahrelang zu Unrecht in der Psychiatrie eingesperrt. Dann die Affäre um die landeseigene Bayernbank und als I-Tüpfelchen die Haderthauers, die alles aus lauter Idealismus getan haben wollen. Ich habe die vage Hoffnung, dass irgendwann in Bayern die Uhren einmal nicht anders gehen.

Da hat mir eine Fränkin schon besser gefallen. Sie wurde bei der Triathlon-Europameisterschaft im Halbmarathon Dritte. Vom Reporter nach ihrem Hobby gefragt, antwortete sie schlagfertig, nicht Männer vernaschen, sondern Männer überholen. Dagegen ist der Golfer Kaymer ins Sommerloch gefallen. 65. und 70. Plätze sind eher unerfreulich. Viel erfreulicher in jeder Hinsicht ist aber die Aufgabenerfüllung eines Golflehrers auf einem dieser bespielten Plätze. Deren Präsident erzählte: „ Er (der Golflehrer) hat alles weggenagelt, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Die Frau, mit der er nicht im Bett war, kommt erst nächsten Monat.“

Das wird bei Erdogan sicher nicht vorkommen. Hat sein stellv. Ministerpräsident vor der Wahl das Lachen von Frauen in der Öffentlichkeit kritisiert, werden wir bald, nachdem er nun Präsident ist, Veränderungen hin zum nationalistischen Konservatismus erleben. Während des Wahlkampfes bezeichnete er die Demokratie als eine Straßenbahn, mit der man so lange fährt, bis man sein Ziel erreicht hat. Dann steigt man aus. Das ist Erdogans Verständnis von Demokratie. Nachdenklich sollte uns stimmen, dass 69 % der Türken in Deutschland, die gewählt haben, Erdogan gewählt haben. Hier läuft etwas in Deutschland unter der Oberfläche grandios schief. Jeden Politiker muss das alarmieren.

Zum Nachdenken regt jetzt die „Bravo für über 70-Jährige“ (Dt. Apothekenzeitschrift) an. Sie klagt über den Ärztemangel in Deutschland. Daneben stellt sie den Spruch: „Lesen, was gesund macht.“ Ob sie da nicht ein Eigentor geschossen hat ?

Zuletzt noch ein Gag aus unserem Wachtbergblatt: Eine Frau hatte 18 Kilo Marihuana im Motorraum ihres Autos versteckt, als sie dieses zum Ölwechsel in eine Werkstatt brachte. Der Mechaniker fand das Rauschgift und rief die Polizei. Die Frau gab an, ihr sei nicht klar gewesen, dass zum Ölwechsel die Motorhaube geöffnet werden müsse.

Voller Ehrfurcht vor dem technischen Sachverstand dieser Dame, verabschiede ich mich und verspreche, im nächsten Steilpass wieder das Fußballgeschehen in seiner unergründlichen Tiefsinnigkeit zu beleuchten.

Siegbert Heid, 01.09.14

Sommerinterview des Bonner Generalanzeiger mit Dr. Bernd Becker

 

Bernd_Becker

Nun ist mit Frau Offergeld tatsächlich die SPD-Kandidatin Bürgermeisterin geworden. Hat Sie das überrascht?

Bernd Becker: Am Ende nicht mehr. Natürlich ist Wachtberg ist eine CDU-Hochburg. Nur haben wir dieses Mal einen sehr guten Wahlkampf gemacht und uns für die richtige Kandidatin entschieden. Frau Offergeld war und ist immer ansprechbar und kümmert sich um die Belange der Bürger, was ich auch selbst als jüngerer Kommunalpolitiker immer wieder erfahren durfte. Genau das hat die Wähler begeistert. Insofern ist der Wahlerfolg der SPD auch in erster Linie ein Erfolg von Renate Offergeld.

Welche Erwartung haben Sie nun an die Parteifreundin?

Becker: In der Verwaltung muss sich das Miteinander zwischen Führung und Mitarbeitern verbessern, und das ist meines Erachtens in den ersten Wochen nach dem Wechsel auch schon geschehen. Dort arbeiten kompetente und hochmotivierte Mitarbeiter, und diese müssen von der Führungsspitze mit dem Gefühl der Wertschätzung mitgenommen werden. Ein gutes Klima innerhalb des Rathauses wird auch positiv auf die Gesamtbevölkerung ausstrahlen. Nah an den Menschen und sich kümmern: Diese Maxime der Bürgermeisterin wird sich durchsetzen.

Und für die Arbeit im Gemeinderat?

Becker: Wer Frau Offergeld kennt, wird nicht den Fehler begehen, sie nun als „die SPD-Bürgermeisterin“ zu identifizieren. Sie wird ihre Themen und das Verwaltungshandeln nach vorne stellen und für ganz Wachtberg ihre Politik machen. In den Sitzungen wird sie die Entscheidungsprozesse sicher gut moderieren. Auch das „Einfangen“ von emotionalen Sitzungsverläufen wird ihr mit Sicherheit gelingen. Die SPD muss, wie die anderen Fraktionen auch, ihre eigenen Themen einbringen, dann muss sich ein Miteinander finden.

Die SPD hat bei der Ratswahl leichte Stimmengewinne verbuchen können. Ist damit Ihr Potenzial ausgeschöpft?

Becker: Da ist noch Luft nach oben drin. Ich denke, dass das Wahlergebnis für uns ein gutes war. Herausragend aus Sicht der Partei war der Gewinn von zwei Direktmandaten in Villip. Durch gute, sachbezogene Ratspolitik werden wir noch zulegen können. Auch das ist unser Auftrag für die nächsten sechs Jahre. Letztlich gilt das aber für alle Parteien, denn Politikverdrossenheit sollte es wenigstens auf kommunaler Ebene nicht geben.

Worüber haben Sie sich in der vergangenen Ratsperiode besonders geärgert?

Becker: Mich hat immer geärgert, dass viele Initiativen der SPD auf Grund dessen abgebügelt wurden, dass die SPD sie eingebracht hat. Nicht selten tauchten sie unter anderem Etikett dann später wieder auf. Das hat sich aber zum Ende der letzten Periode schon verändert, und das habe ich als positiv empfunden.

Hätten Sie denn gern eine offizielle Koalition gehabt?

Becker: Ich habe mich belehren lassen. Meine persönliche Herangehensweise ist vermutlich zu sehr von der bundespolitischen Betrachtung geprägt. Auf der anderen Seite kenne ich auch das Beispiel Großbritannien, wo politisches Handeln sehr viel flexibler gehandhabt wird. Wir beginnen jetzt mit der Sacharbeit und zwingen uns dazu, ergebnisoffen in die Gespräche hineinzugehen. Das mag anstrengender sein, dient aber dem Ziel, mehr Bürgernähe und Transparenz zu erreichen. Das Zementieren von Meinungen im Vorfeld von Debatten kann hingegen sehr hinderlich sein. Weil der Prozess für alle neu ist, verlangt er allen Beteiligten auch Selbstkritik ab.

Was muss dringend auf die Agenda?

Becker: Topthemen sind der Hochwasserschutz, Baulandmanagement, die Sicherung und ggf. Ausweitung des Schulstandortes in Berkum, die bessere Anbindung aller Ortsteile ans Internet und den ÖPNV, sowie die Feuerwehr. Ich gebe auch die Hoffnung nicht auf, dass die Ortsumgehung Gimmersdorf nach 40 Jahren der Planung und Diskussionen nun doch noch zeitnah gebaut werden wird. Insgesamt aber steht alles unter dem Haushaltsvorbehalt. Um einen Kassensturz wird man nicht herumkommen, wenn wir den Haushalt ernsthaft konsolidieren wollen. Zugleich bin ich aber auch überzeugt davon, dass die Personaldecke in der Gemeindeverwaltung zu knapp bemessen ist. Jede Einstellung bedeutet hohe Kosten, aber eine Verwaltung muss auch vernünftig für die Bürger arbeiten können. Eine weitere Reduzierung der Gemeindeverwaltung ist jedenfalls unmöglich. Auch diesen Fakten wird sich die Politik stellen müssen.

Wie zufrieden sind sie mit den bisherigen Maßnahmen zum Hochwasserschutz?

Becker: Bei diesem Thema ist es besonders schwierig dem Bürger zu vermitteln, dass etwas passiert. Die Verwaltung hat Maßnahmen eingeleitet und erledigt, und der Weg führt in die richtige Richtung. Zugleich muss man Verständnis dafür haben, wenn Bürger bei weiteren Starkregenfällen nervös oder ungehalten werden. Es geht hier um die Sicherung der eigenen Existenz, um Hab und Gut. Wir brauchen den ständigen Dialog mit den Bürgern und ihre Hinweise, aber die Bürger müssen auch Verständnis für die Komplexität des Themas haben. Nur mehr Transparenz und Kommunikation können hier die Ängste der Bevölkerung mindern. Wir stehen noch am Anfang.

Wie sehen sie die aktuelle Lage hinsichtlich der Bonn-Berlin-Debatte?

Becker: Für Wachtberg und die ganze Region wäre es sicher ein schwerer Schlag, wenn die Ministerien alle nach Berlin ziehen würden. Mein persönlicher Eindruck ist: Wenn wir uns in 20 Jahren wieder sprechen, ist kein einziges Ministerium mehr in Bonn, auch wenn wir uns das hier alle nicht wünschen. Die hiesigen Verantwortlichen sind gut beraten, die Entwicklung im Auge zu behalten und zugleich zu überlegen, wie die Region eine veränderte Situation meistern könnte.

Zur Person:

Bernd Becker wurde von 46 Jahren in Trier geboren. Nach dem Wehrdienst absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studierte dann Politikwissenschaft sowie in den Nebenfächern Jura und Geschichte. Während seiner Promotion im Fach Politikwissenschaft arbeitete Becker in Großbritannien für die Labour Party, hier u.a. für den ehemaligen Außenminister Robin Cook. Daraus entwickelte sich eine publizistische Tätigkeit über Großbritannien. Zurück in Deutschland, unterstützte er 1998 den SPD-Wahlkampf im Büro von Bodo Hombach und war danach im Bundeskanzleramt tätig. Gegen den Umzug von Bonn nach Berlin entschied er sich zugunsten der Familie und ist heute als Berufsbetreuer (rechtliche Betreuung) selbständig tätig. Seit 2005 engagiert er sich in der Kommunalpolitik, seit eineinhalb Jahren als Fraktionsvorsitzender im Rat. Becker hat zwei Töchter und lebt seit 1999 in Villip. Zu seinen Hobbys zählen neben der Familie das Radfahren, Rudern und Lesen.

 

Ortsumgehung Gimmersdorf: Reden ist Silber – Handeln ist Gold

„Wir wollen alles unternehmen, um die Ortsumgehung Gimmersdorf doch noch zu verwirklichen“, erklärt das SPD-Ortsvertretungsmitglied Siegbert Heid. Seinem CDU- Kollegen Fiévet ist bei dem Versuch, NRW-Verkehrsminister Groschek die Verzögerung anzulasten, ein entscheidender Fehler unterlaufen.

Es war nämlich nicht das Land, sondern die ehemalige CDU/FDP-Bundesregierung, die das sog. „Entflechtungsgesetz“ als Grundlage der kommunalen Straßenbauförderung beendet hat. Dem Minister blieb nichts anderes übrig, als mit den auslaufenden Fördermitteln die Maßnahmen zu Ende zu bringen, die sich schon im Bau befanden und befinden.

„Warum sich das Verfahren zur Erlangung der Baureife auf Kreisebene mit CDU-Landrat Kühn und seiner Verwaltung über Jahre so lange hinzieht, muss noch näher aufgearbeitet werden“, meint der SPD-Gemeinde- und Kreistagsabgeordnete Paul Lägel, entschlossen, hier einmal tiefer nachzubohren.

Der Fraktionsvorsitzende Dr. Bernd Becker weist darauf hin, dass insbesondere Grundstückseigentümer, die sich mit ihrer Weigerung des Grundstücksverkaufes und ihrem Zug durch die Instanzen der Verwaltungsgerichte zusätzlich alles behindert haben. „Es kann nicht sein, dass Eigennutz sich vor Gemeinnutz letztendlich durchsetzt“ betonte er in einer ersten Stellungnahme.

Der Vorsitzende der Wachtberger SPD Andreas Wollmann weist darüber hinaus darauf hin, dass es Aufgabe aller in Wachtberg aktiven politischen Kräfte sein müsse, die Ortsumgehung nunmehr auch praktisch umzusetzen, was auch durch Gespräche in Wachtberg, Siegburg und Düsseldorf derzeit geschieht. Störend sind hierbei Pressemitteilungen, die den untauglichen Versuch starten, die eigene Partei in ein besseres Licht zu setzen. „Die Ortsumgehung wird kommen, wenn alle Wachtberger Parteien mit ihren Aktivitäten daran mitarbeiten und sich mit tösenden Verlautbarungen eher mal zurückhalten. Optimal, wenn Gemeinde- und Kreistagsmitglied Fiévet mit seiner CDU mit ins Boot käme, um so positiv im gemeinsamen Einverständnis weiter für die Ortsumgehung zu kämpfen.“, so Andreas Wollmann.

Die SPD Wachtberg trauert um Günter Kurenbach

Die SPD Wachtberg  trauert um Günter Kurenbach

Am Mittwoch, 6. August starb für alle unerwartet der langjährige Fraktionsvorsitzende der Wachtberger CDU Günter Kurenbach im Alten von 67 Jahren.

Die Wachtberger SPD kannte Günter Kurenbach als in der Sache harten Verhandlungspartner, jedoch als nicht nur äußerst sachkundigen Politiker, sondern darüber hinaus als Menschen, dem die Entwicklung Wachtbergs ein ehrliches inneres Anliegen war.

Als Ortsvertretungsvorsitzender suchte und fand er ebenfalls die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Kräften zum Wohle Niederbachems. Günter Kurenbach verkörpert wie kaum ein anderer Politiker in Wachtberg den klassischen Typ des Kommunalpolitikers, wie man ihn sich wünscht: kompetent, klar strukturiert, gradlinig und im besten Sinne des Wortes integer, wenn man mit Günter Kurenbach eine Absprache getroffen hatte, konnte man sich 100%ig darauf verlassen.

Der Verlust von Günter Kurenbach hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie

Für die Wachtberger SPD

Andreas Wollmann                                                          Dr. Bernd Becker

Ortsvereinsvorsitzender                                            Fraktionsvorsitzender

10000 Besuche überschritten

Mit einigem Stolz konnte die SPD Wachtberg in dieser Woche ihren 10.000 Besuch auf der Webseite seit dem Relaunch im Februar 2014 feststellen. Insgesamt haben uns über 3.590 Personen einen Besuch abgestattet. Wir sagen Danke für das Interesse und bitten alle Nutzer, uns über das Kontaktformular Anregungen für eine weitere Verbesserung der Seite zu schicken.