Der Steilpass im August

Sehr gefreut hat mich die Zuschrift meines Lesers Clemens. Er würde, gäbe es die Möglichkeit, meine Steilpässe abonnieren. Das ist ermutigend.

Uns Männern ist bekannt, Vollgas vor dem Tanz, hebt die Stimmung und den Schw.., na, Sie wissen schon. Nicht so bei Jürgen Alzen, Rennfahrer in der VLN-Langstreckenmeisterschaft. Vor dem 5. Lauf auf dem Nürburgring haderte er mit einer Entscheidung des Veranstalters, Geschwindigkeitsbeschränkungen auf dem Ring einzuführen. „Wo wir früher mit 325 km/h drüber genagelt sind, sollen jetzt 250 genug sein. Ich bin keine Conchita-Bockwurst und steige aus“. Die Nachricht mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf einer Rennstrecke passt eigentlich zum 1. April, stammt aber vom Juli 2015. Das ist einmal mehr so irre, dass man es festhalten muss, auch wenn ich mit denen, die im Kreis herum fahren, nichts gemein habe.

Die Zeit ohne Fußball ist keineswegs die Zeit ohne Komik. Um nicht missverstanden zu werden, erzähle ich erst einen Witz: Ein Rabbi und ein Pfarrer sitzen zusammen im Flugzeug. Die Stewardess bietet ein Glas Whisky an, das der Rabbi dankend annimmt. Der Pfarrer aber lehnt ab und sagt: „ Vielen Dank, aber als Vertreter des katholischen Glaubens darf ich weder Alkohol trinken, noch Geschlechtsverkehr ausüben“. Daraufhin ruft der Rabbi die Stewardess noch einmal zurück und sagt: „ Verzeihung Madame, ich wusste nicht, dass ich die Wahl hatte“.

Vielleicht vermag ich meinen NSA-Überwacher damit am ehesten von meinen friedlichen Absichten zu überzeugen.

Da die Fußballersprache gelegentlich militärisch ist ( Kanone oder „Deutsche Panzer“, wenn in italienischen Gazetten von der National-„Mannschaft“ die Rede ist etc. ) und mein Ami im Zweifelsfall von Fußball keine Ahnung hat, ist der Hinweis notwendig, um nicht in einem Foltergefängnis zu landen. Es zeigte sich, da ist man schneller drin, als man auf drei zählen kann.

Bedingt durch die Julihitze sendete der SWR folgenden Verkehrshinweis: „Die Autobahn zwischen Karlsruhe-Durlach und Karlsruhe-Rüppurr ist in beiden Richtungen wegen Durchfalls gesperrt“. Rüppurr ist mitnichten durchfallanfällig. Ich kenne mich da aus, weil ich in Rüppurr aufgewachsen bin. Vergeblich hatte ich auf einen erklärenden Hinweis gehofft. Hoffentlich hat sich das inzwischen bei den Betroffenen geregelt.

Ins Schwitzen kam jüngst eine Nachwuchsjournalistin des WDR. Ihr war die Aufgabe übertragen worden, über den jüngsten Campingbericht der Landesregierung einen kleinen Bericht zu machen. Den brachte sie. Der Moderator unterbrach sie nicht. Das verunsicherte sie. Sozusagen als Praline in ihrem Bericht sagte sie zum Schluss: „ Und ein Camper kam aus der Karibik“. „ Wie, ist der mit dem Wohnwagen gekommen ?“, quälte sie der Moderator, bevor der diensthabende Regisseur sie mit Musik und Verständnis aus der Schusslinie brachte. Die werden vielleicht nicht Freunde fürs Leben.

Wie nahe wir Badener dem guten Essen verpflichtet sind, zeigte ungewollt jüngst der Sportredakteur des Freiburger „Stadtkuriers“. Die Frage „Wer wird Champion ?“ geriet ihm zur Frage: „Wer wird Champignon ?“

Was man alles mit Floristinnen machen kann, fand dagegen die „Passauer Neue Presse“ heraus. Sie titelte „Blumenkästen mit Floristin bepflanzt“. Alles aber übertraf der „Sonntag Aktuell“ mit seiner Erläuterung zum Sommer:   „ Die Sonne drückt wie ein weiches Kopfkissen auf die trockene Haut der Großstädte. Die Menschen verspeisen Sommergerichte wie Ziegenkäse und Melonensalat, die reptiliengleich in den Verdauungstrakt kriechen – ein, zwei Drinks später stolpert das Gericht hinterher.“ Ich bin sicher, dass der Erfinder dieses herrlichen Blödsinns seine Drinks vor dem Ziegenkäse in den Verdauungstrakt kriechen ließ.

Mut macht uns Franz Beckenbauer, auch an kompliziertere Begriffe heranzugehen. So beschäftigte er sich mit den Begriffen Liebe und Zuneigung. „ Liebe ist das Höchste, das man bekommen kann. Die kriegt er (Guardiola), wenn er Titel holt. Falls er keine holen sollte, wird aus Liebe Zuneigung“. Wer unter meinen Lesern stellt den Antrag an die Dudenredaktion, diese Definition aufzunehmen ? Was Guardiola allerdings geritten hat, für katalanische Separatisten zu werben, ist mir nicht geläufig. Er weiß, dass das von der spanischen Verfassung her nicht möglich ist. Was soll dann das Getue um populistische Affekthascherei?

Andere versuchen, mit den Begriffen „größer“ und „ansteigend“ fertig zu werden. Das ist dem Redakteur der „Sachsenheimer Zeitung“ allerdings nicht gelungen. „ Es ist festzustellen, dass der Anteil der Älteren in der Gesellschaft größer wird, während der Anteil der Jüngeren steigt“. Statistik habe ich während des Studiums immer gern gemacht. Aber alle Kunststückchen versagen beim Versuch, dem Satz einen Sinn zu geben. Knapp daneben liegt auch die „Hörzu“ mit ihrer Behauptung: „ Als Landeshauptstadt ist Kassel die drittgrößte Stadt in Hessen“. Mit einer weiteren Sottise verlassen wir Hessen: Beim Festessen für Elisabeth II. war ein Gang dem „Duett vom Kalb“ gewidmet. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die haben das Kalb stereo hineingeschaufelt.

Unübersichtlicher wird die Situation bei der Fifa. Jetzt wird die Nachfolge Blatters erst Ende Februar 2016 geregelt. Die UEFA wollte das im November klären, die Afrikaner nicht. Da scheint die Zeit zu kurz für gewinnbringende Geschäfte zu sein. Verhaftungen führender Fifa-Funktionäre in Bolivien oder Absagen aus Brasilien für die gerade zu Ende gegangene Exekutivratssitzung aus Furcht vor Überstellungen von der Schweiz in die USA, erhellen, warum man die Fifa jetzt im US-Senat offiziell ein „ Mafiaähnliches Verbrechersyndikat“ nennt.

Der frühere Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb, Chef des Fußballverbandes für Nord-und Zentralamerika sowie für die Karibik, angeklagt wegen Betrug und Geldwäsche, wurde jetzt gegen eine Kaution von 10 Millionen US-$ frei gelassen. Die hat er ganz locker aufgetrieben. Er und seine Frau mussten die Pässe abgeben und dürfen sich nicht weiter als 32 km vom Wohnort (bei New York) entfernen. Möglicherweise kooperiert er mit der Anklagebehörde. Kooperiert der noch im Kittchen befindliche Marketingdirektor Aaron Davidson ebenfalls mit der Anklagebehörde, dann kann es eng werden für Sepp Blatter.

Nun erreicht uns die Nachricht, dass die Chinesen auch einmal eine Fußball-WM ausrichten wollen. Sie steuern 2026 an. Wie man das dann finanziell regelt, können sie alsbald mit Webb, Davidson und Co. besprechen. Die haben dann die gleiche Adresse, nämlich die eines US-Kittchens. Das finde ich ungemein reizvoll.

Der andere Verein, der gründlich durchleuchtet werden müsste, ist das IOC, spätestens nachdem jetzt die Entscheidung für die Winterspiele 2022 für Peking ausfiel. Ich kenne Peking. Die nächste Erhebung ist die ca. 80 km entfernte chinesische Mauer. Die Entscheidung ist ein Witz. Gleichwohl wäre Alma Ata in Kasachstan als Alternative politisch auch nicht gerade eine strahlende Alternative gewesen. Sportlich könnte man nichts dagegen sagen.

Spaß macht uns als Beobachter auch unser Alpen-Varoufakis (der Seehofer Horst) und seine Blaskapelle (CSU). Mussten sie jüngst ihre Noten zur „Wut über die verlorene Maut“ wieder einsammeln, so zeigten sie jetzt Trotz bei der Verteilung des anfallenden Atommülls. Obwohl sie am meisten produziert haben, weigern sie sich, auch nur ein Gramm zurück zu nehmen. Das sollen die auf sich nehmen, die bisher keinen Atommüll produziert haben. Das sei nur gerecht in der Verteilung. Angesichts dieser Chuzpe bleibt auch mir die Spucke weg. Wie man es macht, macht man es falsch. „ Griechenland macht Circus“, so der Horst. Prompt wies ihn Roncalli-Direktor Bernhard Paul in die Schranken: „ Was in Griechenland geschieht, ist genau das Gegenteil von einem guten Circus“.

Nach der Mautpleite wurde er nun vom Bundesverfassungsgericht wegen des Betreuungsgeldes abgewatscht. Die Karlsruher Richter haben ihm sein liebstes Spielzeug genommen. Leider müssen wir davon ausgehen, dass einer, der so daneben liegt, noch viel Ärger bereiten wird.

Sein Ritter von der traurigen Gestalt (Dobrindt) startete jüngst ein Ablenkungsmanöver. Mit tief betrübtem Gesicht, einer dicken Hornbrille aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, schaute er unbewegt in die TV-Kamera. Angezogen hatte man ihm einen mittelhellen grauen Anzug mit breitem Revers und weißen Karostreifen. Peter Frankenfeld trat vor 60 Jahren so als clowniger Unterhalter vor die Kameras. Ausdruckslos verkündete er ein Straßenförderprogramm von 2,7 Mrd. €. Hauptgewinner – wen wundert es – ist Bayern. Die sahnen ca. 25 % ab. Hauptverlierer ist – wen wundert es – NRW mit schlappen 128 Mill.€, d.h. weniger als 5 %. Das war Polit- Komik vom Feinsten.

Sie tricksen, wo sie können.

Dai Bin hat mich auf eine neue Geschäftsidee gebracht. Er ist Chef der staatlichen Tourismusakademie in Peking. Er nennt zwei Kuckucksuhren sein eigen. „ Eine habe ich mir auf meiner ersten Deutschlandreise gekauft. Die zweite haben mir neulich meine Kinder mitgebracht.“ 2014 reisten ca. 110 Mill. Chinesen ins Ausland. Davon sind mindestens 1 Million nach Deutschland gekommen. Bringt von denen jeder 10. eine Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald nach Hause, dann sind das gut 100.000 gewesen, mit steigender Tendenz. Deshalb meine Frage an meine Karlsruher Kumpels: Schaut doch bei Euren Ausflügen zu Schwarzwälder Golfplätzen einmal nach den Uhrenmanufakturen in der Nähe. Gibt es eine als Aktiengesellschaft oder eine, an der man Anteile erwerben könnte ? Das ist doch eine sichere zukunftsorientierte Sache. Dai Bin geht davon aus, dass 2020 mehr als 200 Millionen Chinesen andere Länder überfluten. Welches Rechenmodell legen wir dann zugrunde ? Na also !

Nun sind vier Bank-Manager von SalOppenheim wegen Betrugs verurteilt worden. Einer muss sogar für 2 ½ Jahre in den Bau. Ein Witz ist das Eigentumsverhältnis. Inzwischen gehört die Bank der Deutschen Bank. Und dort sitzen Ganoven, die keinen Deut besser sind, eher schlimmer. Haben die Oppenheimer um Millionen betrogen, so zahlen die Deutsche Bank Verantwortlichen inzwischen mehr als 3 Milliarden Euro an Strafen. Und das mitten in Europa. Wo liegt da noch der Unterschied zur bandenmäßigen Kriminalität ?

Gelegentlich zwinkert auch der Fußball durch die Zeilen der Gazetten. Sie werden vor der Saison gefüllt mit Transferinformationen, wer mit wem und wie man beim Gesundheitscheck in letzter Minute durchfällt. Perfekt ist inzwischen aber der Wechsel des niederländischen Nationalspielers Robin van Persie von Manchester United zu Fenerbahce Istanbul. Dabei gibt uns Fenerbahce-Präsident Yildirim einen Einblick, wie arbeitsintensiv das Geschäft ist: „ Wir haben sehr hart dafür gearbeitet. Wir erhielten fünf Faxe, haben sechs gesendet. Schließlich war es fertig“. So schwierig habe ich es mir nicht vorgestellt.

Im eigentlich völlig überflüssigen Supercup gewann der VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern München nach Elfmeterschießen mit 5 : 4. Es war ein gutes Spiel. Witzig war danach die Antwort Boatengs auf die Frage des Reporters, was passierte, nachdem man bis zur 89. Minute geführt hatte ? Boateng ganz trocken und analytisch einwandfrei: „ Da haben die anderen ein Tor geschossen“.

 

Siegbert Heid, 02.08.15

Der Steilpass Juni/Juli 2015

Es gibt die Slapsticks des Alltages, der Politprofis, der hauptberuflichen Komiker, der Fußballer und der Journalisten. Ein Beispiel der ersten Kategorie wurde mir jüngst erzählt: Ein Cousin der Braut ist zur Hochzeit eingeladen. Er bringt seine Freundin mit. Sie wiederum spricht eine Anwesende mit den Worten an: „Sie sind sicher die Mutter der Braut ?“  „ Nein“, lautete die Antwort, „ ich bin die Schwester“. Da will man doch sofort im Boden versinken.

Mit einer irren Geschichte hat sich nun auch Velpke, eine Gemeinde in Niedersachsen in Erinnerung gerufen. Kriminelle haben den massenhaften Diebstahl von Gartenmöbeln aus Privatgrundstücken vorbereitet. Um sie schnell abzufahren, stellten sie dieselben ordentlich an den Straßenrand. Oma Diederichsen beobachtete das und glaubte an den Sperrmüll anderntags. Flugs stellte sie ihre alten Sessel dazu. Vor so viel Chuzpe flüchteten die Ganoven und ließen alles stehen.

Unter den Politprofis bekomme ich immer Gänsehaut, wenn Frau v.d. Leyen mit schneidender Stimme und einer Frisur, gegen die ein Stahlhelm eine wachsweiche Mütze ist, Unsinn verkündet. Jüngst erklärte sie, dass das neue Raketenabwehrsystem „ eine offene Systemarchitektur“ haben wird. Da bist Du fertig mit der Welt.

Oder der Unterrichtsbeauftragte Laschet: Er ist hauptberuflich Fraktionsvorsitzender der CDU im NRW-Landtag. Er hat Klausuren verloren. Mir nichts, Dir nichts hat er aus seinem Notizbuch Noten vergeben, bevor das Notizbuch auch auf unerklärliche Weise unauffindbar wurde. Dummerweise hat er aber auch 7 Studenten Noten vergeben, die an der Klausur gar nicht teilnahmen. Das ist Realsatire vom Feinsten.

Locker wird er aber übertroffen vom Kapellmeister (Horst Seehofer) der Trachtengruppe Süd (CSU), bei der das „C“ inzwischen für Comedy steht. Horst hat die Maut erfunden. Sein Notenmeister Dobrindt muss nun die Notenblätter wieder einsammeln. Die Mautmelodie wird spätestens nach der nächsten Bundestagswahl vergessen sein. Ich bin aber erwartungsfroh über das nächste krumme Ding, das der Horst in Sorge um seine bayerische Stammtischhoheit sicher bereits vorbereitet hat. Aus seiner engsten Umgebung hört man, dass er jetzt die Maut für Ausländer auf deutschen Datenautobahnen fordern will.

Verdient gemacht um den Sozialkundeunterricht in Deutschland haben sich nun auch Ex-Bundespräsident Köhler, Ex-Bundeskanzler Schröder und Ex-Innenminister Schily. Statt die Avancen des Kasachstan-Diktators Nasarbajew als politische Ungeheuerlichkeit von Anfang an zurück zu weisen, verhedderten sie sich in kleinkarierten Geldverhandlungen. Die ohnehin überversorgten Politpensionäre schaffen es, die Politikverdrossenheit ungemein zu erhöhen. Was soll ein Sozialkundelehrer seinen Schüler erzählen, wenn es um derartige Charaktere der politischen Klasse geht ? Das ist nun nicht mehr lustig, muss ich aber festhalten, weil ich frei nach Max Liebermann – 1933 anlässlich des Marsches der Nazis durchs Brandenburger Tor – „ gar nicht soviel fressen kann, wie ich kotzen möchte“.

Auf europäischer Bühne läuft auch eine spannende Geschichte. In einer Karikatur fahren drei Männer mit Kutten auf zwei Motorrädern. Links fährt der „Bandido“ und rechts auf einer Maschine mit Seitenwagen sieht man die Kutten Tsirpas und Varoufakis. Mit letzteren hat die IWF-Chefin Lagarde jüngst die Geduld verloren. Sie wolle zukünftig nur noch mit Erwachsenen reden, meinte sie genervt nach einem Gespräch mit den beiden Griechen. Das hatten die auch so im Sinn. Als europäische Seriensieger in den Disziplinen Steuervermeidung und Nichteinhaltung von Verabredungen haben sie Lagarde geschafft. Jetzt gehen sie an die schwierigeren Brocken Merkel und Schäuble.

Dazu muss man wissen, dass in der griechischen Alltagssprache die Aussage: „ Nur der  Dummfranke zahlt“ den Westeuropäer meint. Schon einmal, im Jahr 48 v.Ch. standen die Athener auf der falschen Seite. In der Schlacht von Pharsalos zerschlug Cäsar die von Pompeius geführten senatorischen Legionen Roms. Cäsar fragte die Griechen, wie oft der Ruhm ihrer Ahnen sie noch vor der Selbstzerstörung retten sollte ? Gegen Cäsar lässt sich viel sagen, aber von Griechen verstand er was.

Dagegen kommen die Kabarettisten Schmickler, Becker etc. einfach nicht an.

Sehr gut gefallen mir auch Rechenbeispiele und geographische Hinweise von Journalisten und ihre  lustigen Sätze, wenn sie etwas verkürzt zusammen stellen wollen. Dazu zwei Beispiele: Das Delmenhorster Kreisblatt schreibt über einen Tretbootverleih: „ Eine halbe Stunde kostet fünf Euro, 30 Minuten acht Euro“. Oder die Kieler Nachrichten: „ Hanna will ein Kind. Ihr Freund Jan überredet sie, es zuerst mit einem Hund zu versuchen“.

Auch gegen die Gags im Fußball haben sie schlechte Karten. Interpol hat jetzt die Kooperation mit der FIFA gekündigt. Die FIFA unterstützte mit 20 Mill. € ein Projekt gegen Wettbetrug. Nachdem nun eine Reihe von FIFA-Funktionären selbst auf den Fahndungslisten steht, macht das Projekt den Kriminalisten keinen Spaß mehr. Das ist Karikatur pur.

Einmal wollte Walter De Gregorio, der Sprecher des zurück getretenen, aber noch amtierenden FIFA-Präsidenten lustig sein. Im Schweizer Fernsehen witzelte er: „ Der FIFA-Präsident, sein Kommunikationschef und der Generalsekretär sitzen in einem Auto. Wer fährt ? Die Polizei“. Der humorlose Blatter hat ihn sofort entlassen.

Es waren spannende Monate. Neben den Verhaftungen in Zürich, erlebten wir die erneute Wahl Blatters, dann wenige Tage danach seinen Rücktritt und jetzt womöglich den Rücktritt vom Rücktritt, weil die Kontinentalverbände, außerhalb Europas im FIFA-Sumpf suhlend, sich darin äußerst wohl fühlen. Blamabel und peinlich dabei ist das Verhalten des UEFA-Präsidenten Platini. Von ihm kommt nichts. Das ist kein Wunder, erhielt sein Sohn nach der Wahl Quatars mit der Stimme Platinis von den Scheichs eine hoch dotierte Stelle im dortigen Staatsfonds. Sie stellt die Verbindung zu Paris St. Germain her. Nachdem der Verein im Fußball mit Geld zugemüllt wurde, erweitern die Scheichs ihre Anstrengung, indem sie das gleiche Verfahren nun auch im Handball anwenden.

Leider vermissen wir vom DFB jede Kontur und Führungsverantwortung als der Welt größtem Fußballverband. Das ist peinlich.

Nun bereiten sich die FIFA-Bosse auf eine juristische Schlacht vor, nachdem sie die erste Bataille verloren haben. Amerikanische Star-Strafverteidiger, die eine Million Franken Vorschuss verlangten und erhielten, sind in Stellung gebracht . Bei ihren Stundensätzen von 1000 Franken sollen sie die FIFA-Bosse vor Auslieferung und Strafen bewahren. Das wird sehr spannend werden. Ob das Schauspiel ein Drama oder eine Satire wird, ist noch nicht entschieden.

Fußball wurde auch gespielt. Gerade haben sich die U-21 Nationalmannschaft und die Frauen für Olympia 2016 qualifiziert.

In der Champion’s League gewann erwartungsgemäß der FC Barcelona gegen Juventus Turin in einem der besten Spiele der letzten Jahre. Das Halbfinale Madrid vs. Turin( 1 : 1) erlebten wir am Strand in Gran Tarajal mit vielen anderen. Nach dem 1 : 0 für Real sprang die eine Hälfte der Zuschauer begeistert auf und feierte das Tor. Den Ausgleich feierte dann die andere Hälfte. Das waren die Barca-Anhänger. Ronaldo und Bale sind nicht das erste Mal eingeknickt. Die Preisschilder an den Trikots mit den dreistelligen Millionenzahlen wirken deshalb eher peinlich. Für Madrids Sportzeitung „Marca“ war es das „Fiasko des Jahrhunderts“, obwohl wir noch 85 Jahre vor uns haben.

In der EuroLeague gewann der FC Sevilla. Damit gingen beide Titel auf europäischer Ebene nach Spanien.

In Deutschland musste sich der FC Bayern mit dem Meistertitel begnügen. Zusätzlich gewann die Damenmannschaft des Vereins ebenfalls den Titel. Als Pokalmeister grüßt in diesem Jahr der VfL Wolfsburg. Wurde in der abgelaufenen Saison in der Champion’s League, insbesondere von München und Dortmund respektabel gespielt, gibt es für deutsche Teams in der EuroLeague doch einigen Nachholbedarf.

Vorbildlich waren einmal mehr auf internationalem Parkett die deutschen Damen. Die Frankfurterinnen gewannen die Champion’s League im Finale gegen Olympique Lyon          mit 2 : 1.

Einige schöne Bemerkungen habe ich mir notiert. So lehrte uns Béla R. während des CL-Finals: „ Es gibt viele Fußballer, die gewinnen nie die Champion’s League“. Das hat mich umgehauen. Auch zum Begriff der Effizienz gab er uns eine Hilfe: „ Lichtsteiner (Juve) schlägt die meisten Flanken. Das hat aber noch zu keinem Tor geführt“. Nach einem wegen Handspiel nicht anerkannten Treffer von Neymar erklärte er uns: „ Das war zwar Hand, aber Hand ist beim Fußball nicht gleich Hand.“ Da hätte er die Abseitsregel gleich mit einbringen können: „ Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“. Für die Nachspielzeit zeichnete er ein neues Bild: „ Barca wechselt noch einmal, um Zeit von der Zeit zu nehmen“. Das habe ich anschließend tagelang versucht. Wer das kann, möge es mir bitte beibringen. Dann fand er zum inzwischen 37-jährigen Andrea Pirlo (Juve) berufsbefähigende Hinweise zu dessen Zukunft: „ Andrea ist ein Weinbergbesitzer, ein Lebemann. Er könnte Werbeträger sein für ein Bestattungsunternehmen“.

Mit dem Aufstieg Darmstadts in die 1. Bundesliga hat eigentlich niemand gerechnet. Dazu meinte die FAZ, den Komfort für die Fußballer anspielend: „ Die Gästekabine wird die Edelkicker in der Republik das Fürchten lehren“. Leider hat es der KSC in der Relegation gegen den HSV nicht geschafft. Schiedsrichter Gräfe war in seinem Bemühen erfolgreich, mit einem „nicht gerechtfertigten Freistoß“ (FAZ), den HSV in die Verlängerung und dann zum Sieg zu bringen. Man muss allerdings selbstkritisch sagen, dass der KSC den Aufstieg zwei Wochen vorher verpasst hat. Auf eigenem Platz verlor er mit 0 : 1 gegen Darmstadt.

Emotional berührend war das Pokalfinale das Wolfsburg gegen Dortmund 3 : 1 gewann. Jürgen Klopp verabschiedete sich. Die Fans aus Dortmund und Wolfsburg ließen ihn hoch leben. VW-Chef Winterkorn sagte ein cooles Wort nach dem Spiel: „ Große Spieler entscheiden große Spiele“, d.h., wer viel Geld verdient, soll das in einer Stresssituation bitte schön auch beweisen.

Originell fand ich auch Ralf Ragnick. Er suchte für seine Leipziger Limotruppe Red Bull einen Trainer. Nun hat er ihn gefunden: Rolf Ragnick. Bei Erfolglosigkeit in der nächsten Saison werden wir vor einem Novum stehen: Der Sportdirektor Rolf Ragnick entlässt den Trainer Rolf Ragnick. Das gab es noch nie.

 

In diesem Sinne Ihr Siegbert Heid, Ende Juni 2015

Lokalderby: Sachpolitik gegen Parteipolitik

Ratsmitglied Jutta Danylow äußert sich in einem offenen Brief zum Jugendtreff in Adendorf:

Als ich vor noch nicht sehr langer Zeit den Entschluss fasste, mich in der Kommunalpolitik zu engagieren, fühlte ich mich von vielen Seiten bestätigt. Für mein Vorhaben, Entscheidungen nur von der Sache her und nicht parteipolitisch anzugehen, wurde mir fraktionsübergreifend Unterstützung zugesagt.

Statt der guten Lösung, für den Jugendtreff in Adendorf ein Blockhaus zu errichten, wurde von der Verwaltung der Umbau des Kellerraums in der Grundschule Adendorf vorgeschlagen. Eine ebenso gute Alternative, wie ich meine. Der Verwaltung bei dieser Gelegenheit vorzuwerfen, sie habe einen Beschluss aus der vorherigen Ratsperiode zur Realisierung des Blockhauses nicht umgesetzt, ist angesichts der überzeugenden und kostengünstigen Alternative für mich schwer nachvollziehbar.

Diese Alternative hätte nämlich den Vorteil, dass sowohl der Bau als auch die Unterhaltung weniger kosten (z.Zt.um ca . 20.000,-  €) als beim Blockhaus. Was kann man nicht alles mit dieser Summe realisieren? Dabei sind die Aufwendungen für die Außenanlagen um das Blockhaus noch nicht einberechnet.

Die Kosten für den Umbau des Kellerraums beinhalten hingegen die Anlage eines Außenbereichs mit Terrasse und Sitzstufen, um den andere Jugendtreffs in Wachtberg die Adendorfer sicher beneiden würden.

In Zeiten klammer Haushaltskassen ist der einzusparende Betrag nicht gering einzuschätzen. Zumal auch die Kosten für den Förderverein, der die Bewirtschaftungskosten zu übernehmen hat, für den Raum in der Schule wesentlich niedriger wären.

Bis jetzt völlig unbeachtet blieb meiner Meinung aber, dass die Akzeptanz eines Jugendtreffs nicht in erster Linie und dauerhaft von den Räumlichkeiten abhängt, sondern vielmehr von den Angeboten für die Jugendlichen und von den Personen, die diese Angebote machen.

Ein möglichst hoher Betrag von den 5 500 €, die dem Förderverein durch Mitgliedsbeiträge und Zuschüssen zur Verfügung stehen, muss in attraktive Angebote für die Kinder und Jugendlichen investiert werden und nicht schon für die Bewirtschaftung der Räumlichkeiten aufgebraucht werden.

Die 20 000 €, die durch den Verzicht auf das Blockhaus eingespart werden würden, könnten dann dafür verwendet werden, andere Jugendtreffs, z.B. den in Pech, attraktiver zu gestalten.

Lokalderby leider verloren aber noch nicht abgestiegen!

Jutta Danylow

 

Der Steilpass im Mai

Wie sagte vor vielen Jahren Norbert Dickel (BVB) nach Mitspieler Frank Mills Schuss an den Pfosten bei völlig leerem Tor ? „ Der ist mit allen Abwassern gewaschen“. Er wollte damit den Grad seiner Überraschung ausdrücken. Nicht minder war meine am Ostermontag, als der Moderator in WDR 2 den Übergang von seinem Swingerclub zum Sport mit der Bemerkung fand: „ Nichts muss, aber alles kann“. Noch überraschter dürfte das Paar in Schwäbisch-Gmünd gewesen sein, nachdem der Eintritt in den Ruhestand des Mannes in einem Artikel gewürdigt wurde. Nur die Überschrift in der „Gmünder Tagespost“ löste größte Heiterkeit im Ort aus. Es war da zu lesen: „ Seitdem kann er viel Zeit seinem Hobby widmen – Vögeln.“

In der Champion’s League dagegen hielten sich die Überraschungen in Grenzen.

Das 0 : 0 zwischen Atletico de Madrid und Real Madrid war das Ergebnis eines von Ellbogenchecks geprägten Spiels. Atleticos argentinischer Trainer Sirmeone gab vorher mit dem Hinweis „Una noche para heroes“ ( Eine Nacht für Helden) die Richtung vor. Bereits nach 2 Minuten, 40 Sekunden tobte  Sirmeone am Spielfeldrand und zeigte dem Schiri, dass er schon dreimal falsch entschieden habe. Das ist bei ihm nicht ungewöhnlich und regt auch niemanden auf. In dieser Zeit fordert er sonst gemeinhin schon mindestens die 10. gelbe Karte für den Gegner. Der Preis der Eintrittskarte müsste eigentlich um einen „Trainerentertainmentzuschlag“ erhöht werden. Sirmeone tanzt dabei einen Tango-Rock. Vergleicht man damit den Bayern-Pep (Guardiola), dann ist dessen Darbietung eher ein Menuett von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Pep kann aber auch anders. Im Rückspiel gegen Porto tanzte er so intensiv, dass ihm die Naht an der rechten Hose riss. Das Bild brachte jede Zeitung.

Reporter Fuss verdanken wir von diesem Spiel eine neue medizinische Entdeckung. Er wies nämlich darauf hin, dass beide Teams  ihren Mannschaftsgenen entsprechend spielten. Das ist insofern interessant, als ich nicht wusste, dass es zumindest bei Fußballspielern auch ein gemeinsames Gen verschiedener Personen gibt. M.E. sollte Fuss sein Forschungsergebnis schleunigst der Polizei oder mindestens dem amerikanischen Abhördienst weiter geben.

Atleticos Mandzukic, wahrlich kein Kind von Traurigkeit, teilte heftig aus. Reals Rampensau Sergio Ramos ging das dann doch zu weit. Er holte kurz mit dem Ellbogen aus und feuerte denselben auf dessen Auge, ihm eine heftig blutende Platzwunde zufügend. Aber das Spiel ging einfach weiter.

Nun stehen sechs Schiedsrichter auf und um den Platz. Alle diese Knalltüten haben scheinbar dieses Foul nicht gesehen, obwohl der Torrichter keine 1,20 Meter entfernt stand. Nach Behandlung kam M. wieder rein, beschimpfte fortan Schiedsrichter und alle Gegenspieler, die bis Drei nicht das Weite suchten. Besonders pikant war dann die gelbe Karte gegen M. Einmal blieb auch er in einem Zweikampf fair. Der Schiri konnte sich das nicht vorstellen, pfiff und gab ihm obendrein die gelbe Karte. Reporter Fuss betete, dass Sirmeone ihn endlich herausnähme. Tat der aber nicht. Insofern war M. bis kurz vor Schluss eine Bedrohung für den Schiri, für Reals Spieler und für sich selbst. M. arbeitete aktiv an seinem Platzverweis. Der Schiri verweigerte ihm aber die Rolle des Märtyrers in diesem Spiel.

Reporter Fuß fasste zusammen: „ Da haben einige zuviel aus dem Eimer mit hormongetränktem Blut getrunken. In so manchen Zweikämpfen wurde von der Schusswaffe Gebrauch gemacht“. Daneben spielte man sogar noch Fußball. Das war eine Darbietung auf drei Ebenen: Es wurde Fußball gespielt. Darüber hinaus zeigte man die unterschiedlichen Arten, wie mit dem Ellbogen der Gegner niederstreckt wird. Obendrein war der Schiri mit seinen fünf Trotteln noch vom vorher im spanischen TV gesehenen Märchen „ Ich bin der Hase, ich weiß von nichts“ so eingelullt, dass er nichts wahrnahm.

Wäre das bei einem Lokalderby in Istanbul passiert, hätten wir jetzt dort Bürgerkrieg.

Die Bayern waren in Porto überfordert ( 1:3). Gegen eine aggressive Mannschaft, die sich sofort in jeden Zweikampf stürzte, unterliefen Xabi Alonso, Dante und Boateng Anfängerfehler, die zu drei Gegentoren führten. Das 6 : 1 in München glich allerdings einer vollständigen Rehabilitation.

In der Euro-League wurde Wolfsburg bei der 1:4 Heimspielniederlage gegen den SSC Neapel regelrecht vorgeführt. Bei Neapel funktionierte an diesem Abend einfach alles. Die Abwehr hatte – Viererkette – keine Probleme, weil die ca. 15 Meter vor ihr agierende zweite Viererkette die Wolfsburger zu unendlichem Querspiel veranlasste. Ich bin überzeugt, dass in der Hilflosigkeit darüber, welchen Querpass sie noch spielen sollten, manche Wolfsburger gar nicht mehr wussten, wo eigentlich das gegnerische Tor stand. Mit Neapels Passgenauigkeit und Treffsicherheit konnte man einfach nicht mithalten. Dazu spielte Neapel außerordentlich fair.

Sprachliche, oft kurzlebige Trends habe ich immer wieder kritisch erwähnt. Ohne Sprachpurist zu sein, bin ich z.B. froh, dass die einst modische Fußballerantwort: „ Ja gut…“  kaum noch benutzt wird. Nun gibt es aber einen neuen Trend. Den hat einer angefangen und andere plappern einfach nach. Sagt ein Journalist „ Danke“ für ein Interview, antwortet z.B. Sportdirektor Sammer (FC Bayern M.) inzwischen mit „Gerne“, statt beim  bewähren „Bitte“ zu bleiben.

Gerade Sammer lässt immer wieder aufhorchen. Nach einem Spiel auf die Verletzten angesprochen, verwies er auf die Gesunden und meinte: „Jetzt müssen die die Kohlen aus dem Feuer holen“. Ich glaubte bisher in meiner Einfalt, man müsse Kohlen ins Feuer geben, damit es richtig brennt und Eisen aus dem Feuer nehmen. Jetzt erst sagt mir der Sammer, dass es genau anders rum geht.

An das Gerücht, Tuchel ginge nach  Hamburg, habe ich nie geglaubt. Er macht sich doch nicht zum Spielzeug des Milliardärs Kühne. Einleuchtender ist die nun offizielle Entwicklung. Nach Jürgen Klopps Abschied vom BVB am Ende der Saison, wird T. Nachfolger in Dortmund. Es war auch außerhalb des Spielfeldes spannend in diesen Wochen. In Hannover musste der Trainer aufhören, in München der Vereinsarzt.

München war der Schauplatz für den Krieg der Alphatiere. Mit Guardiola (G) kam der spanische Hochadel an den bayerischen Hof. Dort war Vereinsarzt Müller-Wohlfahrth (MW) seit Jahrzehnten eine Institution. G. wollte M-W., den er zu seinem Stab zählte, auch im Training immer um sich haben. Dieser Rangordnung entzog sich M-W. Er verwies auf seine ca. 5 km nur entfernte Praxis.

Dann wurde die Situation mit Thiagos Verletzung angeheizt. Denselben verpflichteten die Bayern für über 40 Mill. € vom FC Barcelona. G. wollte ihn oder sonst keinen. Statt ihn nun von M-W heilen zu lassen, schickte G. den Spieler nach Barcelona, zum Vereinsarzt des dortigen Clubs. Das war alles andere als eine friedensfördernde Maßnahme. Zu allem Elend verletzte sich Thiago erneut, was wiederum M-W nicht unkommentiert ließ.

Wie so oft stolpert ein Kriegführender über einen Nebenkriegsschauplatz. Xabi Alonso im Stil eines Altherren-Ü-45, Dante mangels Technik und Boateng mangels seiner Brille, als er einen Kopfball unterlief, lieferten die Gegentore in Porto. Da wird dann wie in der Politik die Schuldfrage gestellt. Rummenigge, das dritte Alphatier, war bei der Bestellung von M-W als Vereinsarzt in den Siebzigern schon aus Altersgründen nicht beteiligt, wohl aber bei der Entscheidung für Guardiola. Alphatiere stellen nun ungern ihre eigene Entscheidung infrage. Deshalb konnte G. für die Niederlage nicht verantwortlich sein. Mit Blick auf die Reihe mit den anderen Verletzten war es zwangsläufig, dass M-W in diesem Machtkampf die Arschkarte gezogen hatte. Er war schuld. Das erklärte R. beim abendlichen Bankett in Porto. Wie einst der römische Kaiser Konstantin d. Gr. gegenüber seinem unterlegenen Konkurrenten Maximinus, überließ R. dem Arzt die Wahl seiner Hinrichtung. M-W erklärte formvollendet seinen Rücktritt und war aus dem Spiel. Wie sagte einst Turnvater Jahn ? „ ein guter Abgang ziert die Übung“.

G. hatte großes Glück in diesem Spiel, weil er mit dem 6:1 Sieg das Halbfinale erreichte. Ein Ausscheiden hätte ihn in eine sehr desolate Situation mit ungewissem Ausgang gebracht. Als einst Trainer Klinsmann zu den Bayern kam, ging M-W. Als Klinsmann gegangen wurde, kam M-W wieder. Das spannende Schauspiel ist noch nicht zu Ende.

Im Pokalviertelfinale konnten sich die Bayern einmal mehr auf die Schiedsrichter verlassen. In der Verlängerung rammte Bayerns Thiago im Stil eines Kickboxers Leverkusens Kiesling mit dem Schuh ca. zwei Meter über der Grasnarbe. Das muss Rot geben. Nicht aber gegen den FC Bayern. Kiesling musste verletzt raus, stand beim 11-m-Schießen nicht zur Verfügung und der Ersatzspieler schoss den entscheidenden Elfer zu schwach für Neuer. Schon im Punktspiel davor stand Lewandowsky beim 1 : 0 gegen Frankfurt im Abseits. Darüber sah die Schiedsrichtergilde aber großzügig hinweg.

Ich war gespannt, ob ich das noch erlebe, dass diese Bevorzugung endlich einmal ein Ende hat. Im Pokalhalbfinale habe ich es erlebt. Mein Schiedsrichterheld Gagelmann entschied, zweimal, den Bayern keinen 11-m zu schenken. So kam es gegen Dortmund zum ShowDown, den der BVB 1 : 3 gewann, weil die Bayern ihre vier Elfmeter allesamt nicht im Tor unterbrachten. Das ist das Verrückte am Fußball. Es kann die insgesamt bessere Mannschaft ausscheiden. Leider soll Gagelmann am Ende der Saison seine Pfeife an den berühmten Nagel hängen.

Hoffen wir, dass das Pokalfinale BVB vs. Wolfsburg im Mai ein großes Spiel wird.

Siegbert Heid, Anfang Mai 2015

Der Steilpass im April

Man erlebt es an jedem Spieltag. Die Farbigkeit der Sprache erreicht Popqualität. Im Fußball, das ist in der Tat das Lustige, versucht man, auch die geringste Auffälligkeit zu erklären, so als ob die Betrachter alle leicht debil wären. Ein schönes Beispiel bot der Mainzer Sportdirektor Christian Heidel . Während eines engen Spiels versuchte der neue Trainer Roger Schmidt im Hexenkessel des Stadions durch laute Zurufe seine Spieler zu erreichen. Das misslang. Darauf versuchte er es mit einer nur ihm bekannten Zeichensprache, die die Spieler noch weniger verstanden. Für mich als Zuschauer war das fast so vergnüglich wie das Geschehen um den Ball. Der Sportdirektor analysierte später auf der Pressekonferenz: „ Er muss erst noch verstehen, dass man ihn nicht versteht“.

Herrlich trocken war auch Bélas Kommentar zum dritten Dortmunder Tor gegen Schalke. Torwart Wellenreuther hatte den Ball vor sich liegen. Aus ca. 18 Metern sprintete Marco Reus zum Ball. Der Torwart tat nichts. Er war wie in Trance. Alle Zuschauer hielten den Atem an. Aus ursprünglich 18 Meter Entfernung wurden 10. Er tat immer noch nichts. Schließlich wollte er den Ball doch wegbefördern. Aber es war zu spät. Der wieselflinke Reus listete ihm den Ball ab. Der ging ins Tor und der Torwart saß auf seinem Hosenboden. „ So, jetzt ist Wellenreuther auf der Suche nach dem eigenen Schwerpunkt“, meinte Béla. Schöner kann man die Situation kaum kommentieren. Ich bin überzeugt, dass das die Slapsticknummer der Saison war. Der BVB gewann mit 3 : 0. Beim grottenschlechten Spiel der Schalker fletschte Jan Huntelaar die Zähne. Das sah furchterregend aus. Man konnte aber auch erkennen, dass sein Oberkiefer beim stärksten Wolkenbruch das Eindringen eines jeden Tropfens in den Mund erfolgreich verhindert.

Würde Charly Neumann noch leben, trüge er jetzt seine Schalkefahne mit Trauerflor durch Gelsenkirchen. Das Dortmunder Stadion war einmal mehr ausverkauft. Mit ca. 81 000 Zuschauer ist es das größte Stadion in Deutschland. Es fasst 10 000 Zuschauer mehr als das Münchener Stadion. Darauf weist Freund Peter aus Mecklenburg-Vorpommern hin, nachdem man in der Presse das 275. Spiel der Bayern vor ausverkauftem Stadion in Paderborn groß notierte. Das Stadion dort hat allerdings nur 15.000 Plätze. Ich erinnere mich an eine nette Geschichte: Meine Frau und ich waren zum Spiel der Dortmunder gegen den HSV im Stadion. Der Sprecher gab bekannt, dass 77 700 Zuschauer anwesend seien. Da sagte mein Sitznachbar allen Ernstes zu mir: „ Und 4000 fehlen unentschuldigt“. Das hat mir gut gefallen.

Bisher war mir bekannt, dass in den monotheistischen Religionen irgendwann ein Ungewöhnlicher (Messias z.B.) angekündigt wird, der durch Reden und Taten hervorgehoben auf der Bildfläche erscheint. Nach dem 1 : 1 des VfB vs. Hannover am 23. Spieltag erweiterte der Stuttgarter Trainer Huub Stevens mein Wissen. Auf die Frage eines Reporters, wie es denn weiter gehen sollte, antwortete er: „ Ich bin nicht der Messias – oder habe ich Sandalen an ?“ Vielleicht können mich bibelfeste Leser gelegentlich informieren, ob das zur vorgeschriebenen und in der Bibel fest gehaltenen Dienstuniform eines Messias gehört. Da fällt mir gerade der Unterschied zwischen einem Handwerker und dem Messias ein? Der Messias wird eines Tages kommen.

Mir sind Sandalenträger aus dem alten Ägypten bekannt. Schon vor über 3000 Jahren war er der Mann hinter dem Pharao. Ausgestattet mit Wasserkrug und Sandalen war er ein hoch geachteter Beamter, der dem König die Füße waschen durfte. Somit durfte er ihn berühren, ohne auf der Stelle von der Leibwache erschlagen zu werden. Ich glaube, den hat unser Huub nicht gemeint.

Bleiben wir noch einen Moment im nichteuropäischen Kulturkreis. In Indien wollte ein Paar heiraten. Vor Abschluss der Zeremonie fragte sie ihren Bräutigam „ 15 + 6“? Der antwortete „17“. Darauf ließ sie die Hochzeit platzen, weil ihr der Lover zu blöd erschien. Nun hat er mit der Nennung seiner Zahl die richtige Richtung angegeben, auch wenn die Rechenoperation irgendwie daneben ging. Blödheit kann ich ihr aber auch nicht absprechen, denn darauf hätte sie schon früher kommen können. Ich vermute nach wie vor, er verstand „15 + Sex“ und legte voll Gottvertrauen mit 17 noch zwei Nummern drauf. Nicht ganz so weit wollte die Freundin des Gladbacher Spielers Hahn gehen. Nach dem von Gladbach in Offenbach gewonnenen Spiel meinte sie als Offenbacherin augenzwinkernd: „ Heute muss er auf der Couch schlafen.“

Gags gibt es auch in anderen Sportarten. Wolf Dieter Poschmann berichtete über die WM im Viererbob. Einen Tag vor dem Weltfrauentag kippte die kanadische Steuerfrau um, die mit drei Männern im Bob fuhr. Sein Kommentar: „ Jungs lasst uns einen kippen gehen, morgen ist Weltfrauentag.“

International gibt es einiges festzuhalten. Es tagte die IFAB (International Football Association Board). Sie ist eine erzkonservative Gruppierung, die die Fußballregeln bestimmt. Jüngst hat sie den Videobeweis ebenso abgelehnt wie die Verminderung der Dreifachbestrafung von Spieler und Mannschaft bei einem Foul im eigenen Strafraum mit Strafstoß, Roter Karte für den Spieler und danach Sperre für ihn. Dafür hat sie aber beschlossen, das Grab von William McCrumm zu pflegen. Er erfand 1890 den Elfmeter. Er starb 1932 in Nordirland.

Von den sechs deutschen Teams blieben – wie ich es im November vorher gesagt habe – mit den Bayern und Wolfsburg noch zwei übrig. Schalke hatte Pech, für Mönchengladbach reicht es nächstes Jahr, Leverkusen war zu unclever und der BVB den Turinern hoffnungslos unterlegen.

Dafür blieb der BVB im Pokal dabei. Gegen überharte Dresdner kämpfte man sich durch.

Der VfB Stuttgart verlor 4 : 0 gegen Leverkusen. Als Badener kam bei mir dabei keine Traurigkeit auf. Reporter Fuß ging auf die Schwaben ein, als er meinte, jetzt werden sie „kugelrund gespielt“. Dabei kann er nur die Schupfnudeln , im Badischen „Bubespitzlen“ genannt, gemeint haben.

Darüber hinaus wissen wir, dass Sportreporter Fuß es gern klassisch liebt. Nach einer Spielsituation kommentierte er: „ Verteidiger Papadopoulos (Lev.) zeigt uns die klassische griechische Beinschere.“ Mir war sofort klar, hier dreht Fuß ein großes historisches Rad. Das wollte ich prüfen. Flugs war ich bei den Ringern in der Antike. Ringen wurde dort bei den 18.Olympischen Spielen des Jahres 708 v.Ch. eingeführt, also 70 Jahre nach den ersten Spielen 776 v.Ch. Die Beinschere gehörte allerdings nicht zu den Regeln. Schließlich war ich bei Homers „Ilias“ erfolgreich. Dort schildert der Dichter im 8.Jh.v.Ch. eine Begebenheit, die sich ca. 1200 Jahre vorher abspielte und bis zu Homer über Jahrhunderte mündlich überliefert wurde. Danach gab es einen Kampf zwischen Aiax und Odysseus. Kampfrichter war übrigens Achilles. Er beendete den Kampf als Unentschieden, nachdem O. durch Fersenstoß in die Kniekehle des Gegners und Beinschere gepunktet hat. Reporter Fuß macht es einem nicht leicht mit seinen Ausflügen in die Geschichte.

Das aktuelle Sportstudio des ZDF ist für uns der ideale Übergang in den Tiefschlaf. Im Bett liegend, hört man noch ein wenig zu und ist danach ruck-zuck eingeschlafen. Verloren hat, wer am ehesten aufwacht, weil er den Fernseher ausschalten muss. Das war beim Spiel Schalke vs. Leverkusen 0 : 1 nicht anders. Dabei riss mich aber eine Sportreporterin mit neuer Sprache aus dem Tiefschlaf. „ Leverkusen hat die bessere Raum-Zeit Konzeption“, meinte sie. D.h. Leverkusen spielte steiler und schneller. Damit überbrückt man schneller das Spielfeld. Dann wurde „ die Frequenz der Torszenen höher“, d.h. die Teams schossen mehr aufs Tor. Schließlich war Schalke in der 2. Halbzeit „ besser strukturiert“, d.h. man rannte nicht mehr wie in einem Hühnerhof kunterbunt umher. So schnell konnte ich gar nicht schreiben, wie sie neue Formulierungen fand. In dieser Nacht habe ich verloren. Das macht mir nichts aus. Schlimmer wäre es, beim Sonntagstatort einzuschlafen und bei Jauch aufzuwachen.

Andere haben beim Einschlafen größere Probleme. Jüngst berichtete eine Hörerin im WDR: „Wenn ich nachts nicht schlafen kann, dann zähle ich bis drei. Manchmal wird es auch halb vier“. Die Dame hat ihren Humor nicht verloren.

Je näher der Abschluss der Saison naht, desto häufiger reden Spieler und Trainer von „ 6-Punkte-Spielen“. Das kann man allerdings nur in einer Konstellation bestätigen, wenn Team A drei Punkte Rückstand zu Team B hat und Team B gegen Team A gewinnt. Dann werden aus drei Punkten sechs Punkte. In der Rechnung holt man trotzdem nicht mehr als drei Punkte heraus. Der Spruch ist also im Grunde Unsinn und nicht mehr als eine Floskel. Bei den Bayern findet die 6-Punkte-Regel auch nicht im Ansatz ihre Anhänger. Trotz zweiter Niederlage (0:2 auf eigenem Platz) gegen Mönchengladbach sind sie allen anderen weit voraus.

Weltmeister Deutschland – Asienmeister Australien 2 : 2 war wie bei einer Chorprobe. Unser Freund Belá fand kaum noch Worte. „ Die Abwehr spielt vogelwild“, d.h. rennt wie Hühner wild durcheinander. Aber er gibt zu: „ Gekämpft wird um jeden Ball, d.h. es ist ein ziemlich großes Gehacke“. Nur zu Podolski findet er freundliche Worte: „ Podolski hat von allen die gesündeste Gesichtsfarbe“.

Die Georgier mussten beim 0 : 2 in der Europaqualifikation gegen den Weltmeister keinen Bus auf die Torlinie stellen. Die Deutschen übertrafen sich in der Kunst, neben oder über das Tor zu schießen. Herausragend war für mich Boateng. Er räumte gefährliche Angriffe  der quirligen Georgier ab. Folgerichtig meinte der Reporter: „ Boateng macht heute jede Tür zu“.

Eine Nachricht aus einem anderen Geschäftsfeld sollte uns aber noch interessieren. Jetzt wurde bekannt, dass das Gewehr, das die Bundeswehr benutzt, nach mehrmaligem Gebrauch an heißen Tagen irgendwo in die Pampa streut, jedenfalls nicht dorthin, wo es soll. Als Soforthilfe sollte mit jedem Feind ausgemacht werden, dass unsere Seite einen Herold mit Fahne präsentiert, der die Zeiten angibt, wann beide Seiten schießen dürfen. Sonst wären wir ja hoffnungslos im Nachteil. Ähnliches müsste vereinbart werden für die U-Boote, die nicht tauchen können, für die Hubschrauber, die nicht aufsteigen, für die Fregatten, die nicht außer Sichtweite des heimatlichen Hafens sich bewegen dürfen und auch für die Flugzeuge, die nicht fliegen. Ich frage mich vermehrt, wenn ich auf der Hardthöhe die vielen Büros sehe, was machen die da eigentlich den ganzen Tag ? Nichts, außer Akten hin- und her tragen ? Nur die Frisur der Schrottministerin, die jetzt auf Fotos mit Truppe in Afghanistan verzichten muss, scheint gegen Wind und Wetter unbedingt abwehrtauglich zu sein. Das ist aber auch alles.

Siegbert Heid, Anfang April 2015