SPD Ortsverein Wachtberg

unsere Geschichte

Die SPD vor 1969

Sehr bald nach Kriegsende haben sich in Niederbachem und in Villip Sozialdemokraten zusammengefunden, um über die kommunale Mitarbeit zu beraten. Für Niederbachem hat Gisela Kramer u. a. die Namen von Therese Stoffels, Hubert Peter, Werner Wichterich und
Martin Kessel überliefert. Bei der ersten Kommunalwahl nach Kriegsende im Oktober 1946 gab es noch keine Partei-, sondern Persönlichkeitskandidaturen. Der Sozialdemokrat Martin Kessel wurde zum ersten Bürgermeister von Niederbachem gewählt. Die Keimzelle der SPD Wachtberg in organisatorischer Hinsicht bildeten aber „ Die sieben Aufrechten“, wie Jakob Bach sie immer
nannte. Nach Einzelaktivitäten – Jakob Bach wurde bereits 1952 in den Villiper Rat gewählt – gründeten sieben Mitglieder im Pecher Gasthof Küpper, unter ihnen Jakob Bach, Johann Hoffmann und Sepp Schüller, mit organisatorischer Unterstützung durch die Godesberger
Hubert Peter und Werner Wichterich 1959 den Ortsverein Villip/Pech. Betreut wurden die Genossen aus dem Ländchen von den Godesbergern Alfred Gärtner, Werner Bergheim und Peter Pollmann. Sie begannen vor allem die Kommunalwahlen systematisch vorzubereiten.
Der SPD Ortsverein ist also heute 61 Jahre alt. 1963 wählten die inzwischen 14 Mitglieder erstmals Funktionsträger des kleinen Ortsvereins. Dr. Hans Radtke und Jakob Bach als Stellvertreter übernahmen die Führung. Zur Kommunalwahl 1964 fühlten sich die Mitglieder des Ortsvereins „überfordert“ (Protokoll vom 06.08.1964), für alle Wahlbezirke geeignete Kandidaten aufzustellen. Die ungewöhnliche Lösung: Per Postwurfsendung wurden mögliche
Interessenten gesucht. Ein Traumergebnis errang Jakob Bach: Mit 82,5 % der Stimmen
wurde er zum Bürgermeister von Villip gewählt und kam direkt in den Kreistag.

SPD Vorsitzende OV Wachtberg

 

1963 – 1969        Dr. Hans Radtke
1969 – 1973        Dr. Wolf Preuß
1973 – 1974        Renate Lotze
1974 – 1976        Klaus Garten
1976 – 1978        Dr. Hans Jäger
1978 – 1985        Gisela Kramer
1985 – 1995        Dr. Harald Uhl
1995 – 1999        Johann Würtz
1999 – 2001        Erwin Schweißhelm
2001 – 2004        Anneliese Boley
2004 – 2005        Sabine Gürtner
2005 – 2006        Dr. Andreas Stamm
2006 – 2020        Andreas Wollmann
2020 – 

 

Die Gründung

Am 2. April 1968 beschloss die Mitgliederversammlung, den Ortsverein
Pech-Villip in den „SPD-Ortsverein
Drachenfelser Ländchen“ umzubenennen. Nach der kommunalen Neuordnung
1969, die zur Bildung der Gemeinde Wachtberg führte, gründeten inzwischen 59 Genossinnen und Genossen den „Ortsverein Wachtberg“.

   Fraktionsvorsitzende der SPD Wachtberg

1969 – 1970:        Dr. Hans Radtke
1970 – 1973:        Dr. Wolf Preuß
1973 – 1983:        Klaus Garten
1989 – 1994:        Heiner Pilger
1994 – 2002:        Michael Marcus
2002 – 2005:       Ute Heid
2005 – 2010:        Dr. Wolfgang Neusüß
2013 – 2016:        Dr. Bernd Becker
2016 – 2018:        Hans-Otto Schacknies
2018 – Heute:      Andreas Wollmann

 

Die frühen Themen – bis heute aktuell

Im Herbst 1969 kam es zu einer Wachablösung an der Spitze des
Ortsvereins , die Dr. Wolf Preuß und Klaus Garten initiierten. Beide
wurden in der Folge ebenso wie Renate Lotze und Dr. Hans Jäger für
jeweils einige Jahre OV-Vorsitzende.
Klaus Garten war von 1973 bis 1989 Vorsitzender der SPD-Fraktion
im Gemeinderat. Viele Jahre vertrat Klaus die Wachtberger Interessen
für die SPD im Kreistag. Er war stellvertretender Vorsitzender der
SPD-Kreistagsfraktion und Vorsitzender des Kreisfinanzausschusses.
Er und Jakob Bach haben viele Jahre die Kommunalpolitik geprägt.
Die ersten Themen galten der Sicherung des Wohnstandortes (als
Schlafstadt für die damalige Bundeshauptstadt Bonn) sowie der Herstellung
einer gemeindeweiten Infrastruktur, vor allen Dingen hinsichtlich der Wasserversorgung und der Kanalisation. Von Anfang an thematisierte die SPD Wachtberg die gleichmäßige
Entwicklung dereinzelnen Ortschaften, um eine Gesamtgemeinde jenseits des Horizonts der bis dahin selbständigen Ortschaften zu formen.

Ein Thema aber beschäftigte die Gremien damals vor allen anderen: die Standorte der Grundschulen und einer Sekundarstufenschule.
Während die Grundschulen mit ihren jetzigen Standorten und ihren Neubauten problemlos verhandelt wurden, war man sich über die Weiterbildung der ab Zehnjährigen in Wachtberg nicht einig. Schon die erste SPD Ratsfraktion unter dem Vorsitz von Dr. Hans Radtke, der von 1969 bis 1970 die Fraktion führte, beantragte 1970 die Schaffung einer Gesamtschule für die neue Gemeinde. Im Antrag der SPD heißt es, die „erste ländliche Gesamtschule der BRD solle Modellcharakter für die gesamte Republik entfalten”. Leider verlief diese erste Initiative für eine Gesamtschule in Wachtberg aufgrund des Widerstandes der CDU im Sand. Die Diskussion um den Bau einer Hauptschule in Berkum bereicherte die SPD 1970 mit dem Antrag, neben dem Bau der Hauptschule gleichzeitig auch eine Realschule zu etablieren. Auch hier scheiterte die Initiative der SPD mit dem Ergebnis, dass wir dies
im Jahr 2009 noch immer diskutieren.
Überhaupt waren bildungs- und erziehungspolitische Fragen Kern der politischen Arbeit der SPD. Schon 1972 diskutierten die Wachtberger Sozialdemokraten über eine Reduzierung beziehungsweise den völligen Erlass der Kindergartenbeiträge für einkommensschwache Familien.

Die Jusos, die sich zu Beginn der siebziger Jahre neu gegründet hatten, waren lange Zeit die einzige politische Jugendgruppe in Wachtberg. Unter ihren Vorsitzenden Toni Henseler, Michael Marcus und in den späteren Jahren Ulf Schönenberg, Thomas Ippendorf und Norbert Göring mischten sie bei politischen Diskussionen kräftig mit.
Nicht nur in Wahlkämpfen packten sie an, sie reinigten auch Bachläufe, kümmerten sich um den Zustand von Spielplätzen und veranstalteten mehrere Rockkonzerte in der Berkumer Aula.
Die frühen Jahre der SPD Wachtberg waren auch durch den rebellischen Geist ihrer Vertreter im Gemeinderat gekennzeichnet. So boykottierte die SPD im Jahr 1971 eine Ratssitzung und verließ mehrere Ausschusssitzungen, um gegen die ihrer Meinung nach unsachgemäße Behandlung der Opposition zu  protestieren. Die offene Streitkultur und das Ansprechen strittiger Themen führten im Jahr 1972 sogar dazu, dass der damalige Parteivorsitzende der SPD, Dr. Wolf Preuß, Opfer einer Bombendrohung wurde.
1973 ging das erste „Wachtberg-Magazin“ an alle Haushalte. Von der SPD-Information mit der charakteristischen Zeichnung der Wachtberger Orte auf der Titelseite gab es danach noch mehr als 45 Ausgaben
in Wachtberg. Es begannen die ersten  “Fraktionsausflüge“.  Alle zwei Jahre wurden die Partner der Fraktions- und Vorstandsmitglieder zu einem gemeinsamen Wochenende eingeladen. Von Erfurt bis Freiburg ging es in schöne Städte, wo mit Hilfe der dortigen SPD-Fraktion ein interessantes Programm geboten wurde. Auch das Feiern kam nicht zu kurz. Der jährliche „Tanz in den Mi“, erst im alten Saal Görres, dann in der Schulaula, später wieder im Saal Görres war bis 2007 ein fester Termin, das jährliche Sommerfest und das Kinderfest in Niederbachem finden bis heute jährlich statt.

Als zweite Frau an der Spitze eines politischen Ortsvereins wurde Gisela Kramer 1977 zur Ortsvereinsvorsitzenden
gewählt und hat in den folgenden fast neun Jahren die Arbeit des Ortsvereins systematisch weiter ausgebaut. Die Mitgliederzahl stieg in diesen Jahren der sozial-liberalen Bundesregierung auf über 250 an. Einer der Höhepunkte war, dass Johannes Rau ihre Einladung annahm und 1981 die Wachtberger SPD besuchte. Gisela Kramer hat sich später mit viel Einsatz um die älteren Parteimitglieder gekümmert. Sie organisierte mehrere Fahrten nach Brüssel und Aachen und lud zu interessanten Informationsveranstal-tungen. Nachdem Klaus Garten den  Fraktionsvorsitz übernommen hatte,
wurden für die Entwicklung der Gemeinde Wachtberg entscheidende Weichen gestellt. Die SPD-Fraktion trat damals, in einer Zeit als die Kindergärten traditionell konfessionell gebunden waren, erneut gegen den Widerstand der CDU für die Einrichtung kommunaler Kindergartengruppen ein. Das damalige Diskussionsklima macht ein Zitat aus einem Vermerk des Erzbistums Köln deutlich, in dem zu lesen stand, es dürfe “keine Vermischung des Glaubensgutes der einzelnen Kirchen erfolgen”. In Kindergärten, auch in Wachtberg, wurden Kinder getrennt nach ihrer Konfession betreut.

Als „grüne Lunge Bonns“ wurde in den frühen siebziger Jahren das Thema Gemeindeentwicklung und Landschaftsschutz wichtig. In einem Antrag der SPD-Fraktion hieß es: “Wachtberg wird die grüne Lunge Bonns. Allerdings ist dies nur möglich, wenn die Gemeinde für ihre landschaftliche und bauliche Schönheit wirbt.” In diesem Zusammenhang regte die SPD zum Beispiel die Erstellung eines Radwegeplans und ein Tourismuskonzept an. Nach langjähriger Ablehnung durch die Mehrheit wurde der Radwegeplan erst sehr viel später realisiert.
Im Oktober 1976 begann für die SPD auch der Kampf um die Umgehungsstraße Gimmersdorf. Die SPD setzte sich aktiv in der Ortsvertretung, im Gemeinderat und im Kreistag für dieses Projekt ein. In der SPD stand Heiner Pilger für den dreißigjährigen Kampf für die Ortsumgehung Gimmersdorf, die 2019 realisiert wurde.

Die 1980’er

In den achtziger Jahren rückte das Thema „Umwelt“ immer weiter in den Mittelpunkt der politischen Diskussion. 1984 forderte
die SPD einen eigenen Umweltausschuss,
der für die Bereiche Lärmschutz, Energieeinsparung, Gewässerschutz und Abfallwirtschaft Zuständigkeiten erhalten sollte. Nachdem dieser Ausschuss eingerichtet wurde, war es vor allen Dingen Ute Heid, die sich unermüdlich umweltpolitischer Themen annahm. So trat die SPD schon früh für die Trennung des Mülls und für ein Konzept der Müllvermeidung ebenso ein wie für eine Mengenstatt einer Pro-Kopf-Gebühr bei der Berechnung der Müllentsorgung.
1988 untersuchten die Jusos die Wasserqualität der Wachtberger Bäche und brachten das Ergebnis in den Umweltausschuss ein.
Ein weiteres wichtiges Thema für die SPD in den achtziger Jahren war die „ Sicherheit im Wohnumfeld“, die zu vielerlei Anträgen führte. Schon 1978 hatte sich die SPD gegen den Widerstand, vor allem der CDU, für einen verkehrsberuhigten Ausbau in Villiprott (BPlan Waldstraße) eingesetzt. Erstmalig wurde ein Wohngebiet verkehrsberuhigt ausgebaut. Später folgten auch die Anträge, Tempo-30-Zonen in allen Ortschaften einzurichten, und das Thema Schulwegsicherheit wurde zum kommunalpolitischen Schwerpunkt.
Als größte Oppositionspartei kämpfte die SPD auch für die Anerkennung der Minderheitenrechte in der Ratsarbeit und für mehr Bürgerbeteiligung in den Gremien der Gemeinde Wachtberg. So forderte Michael Marcus schon Mitte der achtziger Jahre eine echte Bürgerbeteiligung statt bloßem Formalismus in den Ortsvertretungen.
Ebenso beantragte die SPD, die Stelle einer Gleichstellungsbeauftragten zu schaffen, die nach langer Zeit als Teilzeitarbeitsstelle verwirklicht wurde. 1983 lehnte die CDU eine Ehrenordnung für Ratsmitglieder ab.
Auch beim für die kommunalpolitische Arbeit wichtigen Thema der Bauleitplanung setzte sich die SPD von Anfang an für ein transparentes und die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger Wachtbergs berücksichtigendes Verfahren ein. 1986 stellte die SPD den Antrag,
Bauvoranfragen und Bauanträge in öffentlichen Rats- und Ausschusssitzungen beraten und beschließen zu lassen. Zuvor war dies immer nichtöffentlich geschehen. Der Generalanzeiger kommentierte dies am 7.4.1986 mit den Worten: „ Damit erreichte die SPD einen weiteren Erfolg bei ihren ständigen Bemühungen um mehr Bürgernähe.“
Es bedurfte aber noch jahrelangen Hickhacks mit der CDU und einer Klageandrohung, bis sich schließlich diese Vorstellungen der SPD durchsetzten. Heute sind sie selbstverständliches Allgemeingut geworden.

Der Flächennutzungsplan und die Bauleitplanung sind nach wie vor
zentrale Themen kommunalpolitischer Arbeit. Es überrascht daher
nicht, dass die SPD-Fraktion sich stets intensiv mit diesen Themen
beschäftigte und dabei klare Kriterien ihrer Arbeit entwickelte. Vor
allem das entschiedene Nein zur Bebauung an den naturgeschützten
Hängen des Mehlemer Baches (L123) und des Godesberger Baches
(L158) stehen beispielhaft für diesen nach wie vor von der SPD
geführten Kampf. Damals kommentierte die SPD diese Bebauung als
Sündenfall für die „gepriesene Landschaft, die der Toskana gleicht“.
Im Jahre 2009 sind es etwa die Sebastianushöhe und die Rolandstraße
in Niederbachem oder der Hang am Milchpützweg in Pech, wo
der Kampf um die Erhaltung der einmaligen Landschaft der
Gemeinde Wachtberg von der SPD Fraktion geführt wird.

Dr. Harald Uhl hatte 1985 für mehr als zehn Jahre den OV-Vorsitz
übernommen. Ihm war wichtig, die SPD in Wachtberg in einer Zeit
zu stabilisieren, in der die SPD nicht mehr die Regierungsverantwortung
trug. Die Zahl neuer Eintritte hielt sich in Grenzen. Die Beteiligung
von mehr als 25 % der Mitglieder an der aktiven Arbeit zeigte
jedoch, dass er damit großen Erfolg hatte. In dieser Zeit bemühten
sich Grundsatzkommissionen um Beiträge zur politischen Meinungsbildung
bis auf die Ebene der Bundespolitik, so erarbeiteten sie z. B.
Anträge zum SPD-Grundsatzprogramm. Als Michael Marcus 1995
für den Landtag kandidierte und 32 % der Stimmen erlangte, war eine
Schallmauer durchbrochen, die danach nie mehr erreicht wurde. Seit 1975 hat
die CDU zwar stärker verloren ( CDU – 10,2, SPD – 6,3) aber die Wachtberger
Bevölkerung, die mit Landwirtschaft und überdurchschnittlich vielen Beamten sehr konservativ geprägt ist, hat die bessere Politik der SPD bei den Wahlen nicht belohnt. Die FDP, die vom „Genscher-Bonus“ profitiert, hat immer überdurchschnittliche
Ergebnisse erzielt. Als 1984 die UWG antrat, deren Gründer zuvor SPD-Fraktionsmitglied war, und 1989 die Grünen kandidierten, hat das die SPD sicher mehr Stimmen gekostet als die CDU.

Nach der Wiedervereinigung beschloss die Wachtberger SPD eine Partnerschaft mit Müllrose. Sehr effektiv halfen sie den dortigen SPD Kommunalpolitikern, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Sie luden sie zu einem Wochenendseminar ein und halfen bei mehreren Besuchen vor Ort. Auf Antrag der SPD begann auch eine Partnerschaft der Gemeinde mit Michendorf und Seddin.

 

Gerne erinnern sich auch viele Wachtberger an die Auftritte von Michael Marcus und Heiner Pilger, die zwischen 1989 und 1997 als Gemeindebüttel beim alljährlichen  Gemeindekarneval auftraten und kräftig die Kommunalpolitik parodierten. In dieser Zeit bauten auch einige Mitglieder unter dem Motiv „Die Roten kommen“ Karnevalswagen und fuhren in Gimmersdorf und Villip in den Karnevalszügen mit.

Von 1995 bis 1999 übernahm Johann Würtz den Vorsitz, der schon als Wahlkampfleiter tätig gewesen war. Er stärkte die Vertretung Wachtbergs zu den Nachbarortsvereinen und zum Unterbezirk. Mit Erwin Schweißhelm, der 1999 Vorsitzender wurde, vollzog sich wieder eine Verjüngung. Die neue Gestaltung des Mitgliederbriefes, abwechslungsreiche Programme, Jazzkonzerte in Niederbachem und stark besuchte öffentliche Veranstaltungen mit Spitzenpolitikern führten zu wieder steigenden Eintrittszahlen. Jetzt stellte sich die
Wachtberger SPD auch im Internet modern dar. An die Wanderungen, zu denen Walter Töpner in die nähere Umgebung einlud, erinnern sich viele gerne. Als Heiner Pilger 1989 den Fraktionsvorsitz übernahm (bis 1994), hatte sich die SPD mit ihrer an Sachthemen orientierten kritischen Oppositionsarbeit in Wachtberg einen Namen gemacht. 1989 war
nicht nur das Jahr des zweiten SPD Antrags zur Einrichtung einer Gesamtschule, der 1990 leider nach zahlreichen Gesprächen und trotz Zustimmung durch das Kultusministerium erneut am Widerstand der CDU scheiterte.
Auch das Thema kommunale Kindergärten rückte erneut ins Zentrum der politischen Aktivitäten der SPD. Es war die SPD, die 1993 kommunale Gruppen für Werthhoven und Villiprott beantragte. Auch hier musste erheblicher Widerstand der Ratsmehrheit überwunden werden. Das politische Motto der SPD war damals: „Mehr kommunale
Kindergärten statt mehr Dorfsäle!“

Dieses Thema zeigt eindrücklich, wie sehr sich die kommunalpolitische Landschaft in den vergangenen Jahren verändert hat. Heute gibt es keinen Streit mehr darüber, die Kindergärten in kommunaler Trägerschaft einzurichten. Die katholische Kirche zwingt die Gemeinde zur Übernahme von zehn ehemals konfessionell gebundenen Gruppen. Die jahrzehntelangen ideologischen Grabenkämpfe bei diesem Thema sind der Diskussion um die Qualität der Betreuung und der Höhe der Elternbeiträge gewichen.
Die frühen neunziger Jahre waren die Zeit, in der sich die SPD für den Bau einer Stadtbahnverbindung von Godesberg durch das Marienforster Tal einsetzte und in einem Arbeitskreis Nahverkehr (SPD Bonn und Wachtberg) versuchte, den ÖPNV in den Mittelpunkt der politischen Diskussion zu rücken. 1994 forderte der Arbeitskreis
Nahverkehr beim Neubau der L 158 Fuß- und Radwege anzulegen, die bis auf die Strecke in der Höhe von Villip realisiert wurden. Ein weiteres Thema, das in dieser Zeit für die SPD wichtig wurde, war die Aufnahme von Aussiedlern und Asylbewerbern im Gemeindegebiet.
Die SPD trat hier für die Integration der Menschen und ihrer Unterbringung innerhalb der Ortschaften und gegen jegliche Isolation ein. Selten hatte es mehr Widerstand aus der Bevölkerung gegeben. Leider ist dieses Thema bis heute aktuell. 
1991 forderte die SPD auch mehr Mitsprache und ein Stimmrecht für die Wachtberger Jugendlichen. Erst 2008 kam dieser Antrag in Form des Jugendrates zurück auf die Tagesordnung, nachdem auch in der CDU die Einsicht gewachsen war, dass die Wachtberger Jugendlichen ein politisches Mitspracherecht haben sollten.
Früher als die anderen Parteien erkannte die SPD, wie wichtig das Thema Denkmalschutz für die Entwicklung der Gemeinde Wachtberg ist. Der Schutz der Orts- und Dorfkerne sowie der Erhalt der markanten Natursteinhäuser und schwarz-weißen Fachwerkhäusern ist hier
an erster Stelle zu nennen.

Die Diskussionen der neunziger Jahre waren in der SPD vor allem um die Themen der ungebremsten weiteren Flächenversiegelung gruppiert. Die Themen Nahverkehr und die bessere Verbindung der beiden Täler sowie ein Radwegekonzept wurden erneut von der SPD ins Spiel gebracht.
Ab 1992 wurde in der Gemeinde das Thema Gewerbegebiet kontrovers diskutiert. Die SPD trat schließlich 1996, nachdem ein Gutachten feststellte, dass Villip das einzige geeignete Gebiet für ein solches Projekt sei, für eine gestaffelte Variante ein: Zwischen dem allgemeinen Wohngebiet und der Gewerbefläche sollte ein Mischgebiet entstehen, hier könne man auch ein Einkaufszentrum ansiedeln. 
1994 übernahm Michael Marcus den Fraktionsvorsitz, den er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2002 inne hatte. Es war dies die Zeit der heftigen und intensiven Auseinandersetzung um die Errichtung des Einkaufszentrums in der Gemeinde Wachtberg. Die SPD kritisierte
von Anfang an die geplante Lage und die Größe des EKZ. Unter dem Motto, kein EKZ auf der grünen Wiese, lehnte die SPD die Pläne ab und schlug schließlich als Alternative den Bau eines Einkaufszentrums dort vor, wo heute das Gebiet „Wachtberg Mitte“ entstanden ist. Die Bürgerinitiative gegen das EKZ wurde von der SPD unterstützt, denn die Sozialdemokraten befürchteten, die geplante Ansiedlung werde massiv zu zusätzlichem Verkehr, dem Niedergang des Einzelhandels in den Ortschaften und zur Verschandelung der Landschaft am geplanten Standort führen. Alle diese Befürchtungen sind längst heute eingetreten. Alle noch bestehenden Lebensmittelgeschäfte in den Orten sind kaputt gegangen, und der erhebliche Verkehrszuwachs ist vor allem für Berkum zum Problem geworden. Die SPD hat damals allerdings unterschätzt, welche große Zahl von auswärtigen
Kunden das Einkaufszentrum nutzen. 

Offene Ganztagsschule bis Klimaschutz
(Die Jahre nach 2000)

Wieder eine Verjüngung in der Spitze war es, als Anneliese Boley 2001 den Vorsitz übernahm. Ihre zupackende Art brachte neuen Wind in die Partei. Nur für kurze Zeiträume folgten ihr 2004 Sabine Gürtner und Dr. Andreas Stamm. Seit 2006 führt Andreas Wollmann den Ortsverein. 

Neu war das SPD-Angebot zu Kulturveranstaltungen im Köllenhof, wo Jürgen Alt wunderbare Kleinkunst präsentierte.

Im Jahr 2002 übernahm Ute Heid den Vorsitz der SPD Fraktion und führte
diese bis zum Jahr 2005. Von 2005 bis 2013 war Dr. Wolfgang Neusüß Vorsitzender der
SPD Fraktion. Die frühen Jahre des neuen Jahrtausends waren geprägt vom Streit um die
Einführung der offenen Ganztagsschule an den Wachtberger Grundschulen.
Doch auch dieses für die Familien in Wachtberg so wichtige Projekt konnte erst verwirklicht werden, als in der Mehrheitsfraktion die Einsicht in die Notwendigkeit wuchs und von Bund und Land finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt wurden.
Beschäftigte sich die SPD Fraktion schon in den achtziger und neunziger Jahren mit dem Thema Umweltschutz in vielfältiger Form (Diskussion um eine Baumsatzung, Bachpatenschaften, Ackerrandstreifenprogramm, Feuchtbiotope), so ist die Frage heute im Rahmen der Diskussion um den Klimaschutz erneut von zentraler Bedeutung.
Es war die SPD, die das Thema Klimaschutz in vielfältiger Form auf die Tagesordnung der Ratsgremien brachte. Dass auch auf kommunaler Ebene Klimaschutzmaßnahmen möglich und notwendig sind, sei es in der Bauleitplanung, sei es bei der Sanierung von Gebäuden,
sei es bei der Errichtung neuer kommunaler Gebäude oder der energetischen Verbesserungen kommunaler Gebäude – all dies thematisierte
die SPD vor allen anderen politischen Parteien in Wachtberg.

 

 

Ein weiterer Schwerpunkt der  sozialdemokratischen Arbeit in den letzten Jahren war die Stärkung der Jugendarbeit. Ohne den Einsatz der damals stellvertretenden und heutigen Bürgermeisterin Renate Offergeld wäre das Jugendheim in Wachtberg-Villip niemals realisiert worden. Der Widerstand im Rat war erheblich. Gleiches gilt für das Jugendheim in
Adendorf und den Einsatz von Jürgen Speckenheuer. Nur deren ehrenamtliche Arbeit machte dieses Projekt möglich.

 

Unsere Bundestagsabgeordneten
Gut unterstützt wurde die Wachtberger SPD immer von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die in unserm Wahlkreis kandidiert haben. Viele erinnern sich noch an den quirligen Wim Nöbel, der auch lange Vorsitzender des SPD-Unterbezirks war. Dann wurde
die prominente Finanzexpertin Ingrid Matthäus-Maier unsere MdB. Ihr Einsatz bei unseren Veranstaltungen und im Wahlkampf war mitreißend. Sie hatte keine Hemmungen, auch in den Wachtberger Gaststätten Werbung für die SPD zu machen. Von 2004 bis 2009 war 
Ulrike Merten unsere Bundestagsabgeordnete, die trotz ihrer großen Belastung als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses immer Zeit hatte, an unseren Veranstaltungen teilzunehmen. 

40 Jahre Opposition
Der Blick auf die zurückliegenden 50 Jahre zeigt, dass die SPD in Wachtberg stets eine kritische, an der Sache orientierte Kommunalpolitik betrieben hat. Dabei benannte die SPD häufig früher als andere Parteien Themen, die sich für die Entwicklung der Gemeinde
Wachtberg als wesentlich erwiesen: die Einrichtung kommunaler Kindergärten, die OGS, Gesamtschule, Verkehrsberuhigung, Umweltschutz, Klimaschutz, Energieeffizienz, um nur einige Themen zu benennen.
Die offene und Kontroversen nicht scheuende Streitkultur der SPD hat die letzten 40 Jahre unserer kommunalpolitischen Arbeit geprägt – unabhängig von den für die Fraktionsarbeit verantwortlichen Personen. Dass wir hierin nicht nachlassen, zeigte auch die Diskussion um
den Umgang mit Wachtbergs Geschichte zwischen 1933 und 1945. In Wachtberg mussten während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 650 (!) Frauen und Männer Zwangsarbeit verrichten. Unser Antrag, einen Gedenkstein für die beiden erschossenen Zwangsarbeiter in Niederbachem (Nähe Golfplatz) einzurichten, lehnten führende
Vertreter der CDU rundweg ab. Die von der SPD geforderte Gedenktafel sollte an alle Opfer der NS-Herrschaft erinnern, Leid und Verlust ausdrücken und künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Dies alles lag jenseits dessen, was die CDU sich an Gedenken
und Aufarbeitung der Geschichte vorstellen konnte. Stattdessen wurde eine allgemeine Gedenktafel beschlossen, die am Ehrenmal mit angebracht werden sollte. Bis heute ist nichts geschehen! 
Natürlich werden in der Kommunalpolitik die meisten Beschlüsse einvernehmlich gefasst. In allen Fraktionen gab es Mitglieder, die sich für eine vernünftige Entwicklung der Gemeinde Wachtberg einsetzen. Allerdings war die Arbeit der SPD in all den Jahren immer wieder geprägt von der ständigen Auseinandersetzung vor allem mit der CDU und der UWG zu einzelnen Bauvorhaben, Bebauungsplänen und Flächennutzungsplanänderungen. Stets war es Politik der SPD, im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger Wachtbergs zu handeln
– statt Einzelinteressen zu bedienen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass uns dies nicht immer gelungen ist. Aber die Durchsicht der in den letzten vier Jahrzehnten angefallenen Aktenordner und der darin gesammelten Unterlagen machen deutlich, dass die Wachtberger
Sozialdemokraten, obwohl sie 40 Jahre in der Opposition tätig waren, viel mehr in Bewegung gesetzt haben, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wie sagt Bernd Becker immer: „Wo wir sind ist vorne“.

 

wird fortgesetzt

Danksagung

  • Diese Geschichtsseite dient nicht nur dem Rückblick, sondern soll zeigen, mit welcher Energie und welchem Engagement die SPD in Wachtberg ihren Einsatz um die Entwicklung der Gemeinde, um Themen und ihre Durchsetzung aus der Opposition heraus gestaltet hat. Hierbei gilt es den vielen Aktiven zu danken, die in den letzten Jahrzehnten einen großen Teil ihrer Freizeit geopfert haben, um beispielsweise Plakate zu kleben, um konzeptionell zu arbeiten, in Ortsvertretungen, dem Rat, am Infostand mit dazu beizutragen, dass unser Gemeinwesen sich weiterentwickelt. Wir danken Heiner Pilger, der mit Hilfe von Ulla Morr, Dr. Bernd Becker, Dr. Harald Uhl, Gerd Fatum und Siegbert und Ute Heid diese Broschüre erstellt und Erhard Schoppert, der für die Printversion das druckfertige Layout gefertigt hat.

Hinweis

  • Bei dieser Seite handelt es sich um eine webmäßige Umsetzung der Broschüre “40 Jahre Wachtberg
    50 Jahre SPD im Drachenfelser Ländchen” zur Einführung unserer neuen Homepage im Jahr 2020
  • Die letzten Jahre, insbesondere die Zeit nach 2014, wo die SPD erstmals in der Geschichte Wachtbergs die Bürgermeisterin stellt, wird nachgepflegt.