Die ermutigenden Reaktionen auf meinen letzten Steilpass haben mir sehr geholfen, darunter auch der eine oder andere, der sonst nie reagiert und von dem ich annahm, dass er an meinen Zeilen nicht mehr interessiert ist und aus dem Verteiler gestrichen werden will. Jedenfalls möchte ich mich für die guten Wünsche ganz herzlich bedanken.

Nicht vergessen werden darf, dass Bonner Ägyptologen jetzt das Rätsel gelöst haben, wo denn das älteste Ortsschild der Welt steht. Sie entzifferten eine Inschrift um ca. 3.000 vor Christus an einer Nil-Felswand östlich von Assuan: „Domäne des Horus-Königs-Skorpion“ steht dort geschrieben. Um jene Zeit entwickelte sich mit Ägypten der erste Territorialstaat der Welt. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass das eine Ortsbezeichnung sei. Daraus schließen wir, dass es an dieser abseitigen Stelle auf der Welt die ersten Kommunalpolitiker gegeben hat. Wer, außer einem Kommunalpolitiker, hängt schon sein Ortsschild als Eigentumsanzeige vor die Hütte? Von da aus eroberten die Kommunalpolitiker innerhalb der letzten fünftausend Jahre den Globus.

Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob das den marodierenden Nomaden der Umgebung damals imponiert hat, und sie vor dem Ortsschild Halt machten, das sie ja auch nicht lesen konnten. Ich frage mich, für wen hatten die damals diese besitzergreifende Information in dieser gottverlassenen Gegend angebracht? Für die Nachwelt? Jedenfalls hätte ich mich mit den kommunalpolitischen Kumpels vor 5.000 Jahren gerne unterhalten, ob sie ähnliche Probleme wie wir heute gehabt haben.    

Nicht ganz so weit in der Geschichte zurück, geht Patrick Laschet, der jüngere Bruder von MP Laschet. Er hat sich als Ahnenforscher mit seiner in Aachen beheimateten Familie beschäftigt und kam folgerichtig zum Ergebnis, dass die Familie vom fränkischen Kaiser Karl dem Großen ( 747 – 814) abstammen könnte, der in Aachen seinen Sitz hatte. Das ist schon heftig, was er uns da zumutet. Aber kleines Karo scheint die Familie Laschet nicht zu spielen, wie es jetzt Joe ( Sohn des Ministerpräsidenten) mit dem 40 Millionen Deal über Masken mit der Fa. Laack vormacht. In der Angelegenheit will Joe direkt nichts verdient haben. Da fragt man sich doch gleich, was er wohl indirekt verdient hat?

An dieser Stelle wird der kritischste meiner Leser, Kay, einhaken und fragen, warum ich auf halber Stelle einhalte? Nun, die Überlegung aufgreifend, weise ich nur auf das altgriechische Königshaus von Epirus hin. Die leiteten ihre Abstammung direkt vom Götterkönig Zeus ab. Lediglich Achill hatten sie, damit es nicht zu arg dick aufgetragen wirkte, als Ahnherr dazwischen geschaltet. Interessant sind die Sportsfreunde, weil der Clan seine Tochter Olympia mit Philipp II von Makedonien zu verbandeln wusste. Der legte zwar die Frauen ganzer Landstriche flach, aber an so Kleinigkeiten störte man sich damals nicht. Olympia gebar dann recht bald Alexander, der später Alexander der Große werden sollte. Patrick ist also noch auf Jahre beschäftigt.

Uns alle irgendwie beschäftigte die CDU-Sachsen-Anhalt. Hatte noch ihr Ministerpräsident einer Anhebung des Rundfunkbeitrages um 0,96 € monatlich zugestimmt, so ging ihm im Landtag, der dazu einen förmlichen Beschluss fassen sollte, seine Fraktion flöten. Damit war nun auf Bundesebene die notwendige Einstimmigkeit gestoppt. Dabei hatte man es der Kommission zur Ermittlung des  Finanzbedarfs“ (KES) überlassen, über die Höhe zu befinden. Aus Sachsen-Anhalt ist Kay Barthel (CDU) Mitglied der Kommission. Als ehemaliger Landtagsabgeordneter und aktueller Chef des Landesrechnungshofes wird man seine Rolle in diesem Ränkespiel einmal unter die Lupe nehmen müssen. Jetzt wird möglicherweise das Bundesverfassungsgericht den Politikern die Entscheidung abnehmen, was nicht gut ist, wenn die Judikative der Legislative die Arbeit abnimmt.

Man könnte der Krise auch etwas Gutes abgewinnen, indem man eine KESHA (Kommission zur Einführung sparsamer Haushaltspolitik) einrichtet. Die sollte allerdings nicht von Politikern besetzt sein, sondern von Personen, die in Finanzangelegenheiten Profil haben. Da gehört dann auch einmal alles auf den Prüfstand. Falls es stimmt, dass für Intendanten Pensionsrückstellungen im Haushalt stehen, die denen eine Monatsrente in fünfstelliger Höhe garantieren, dann hätte ich da den ersten Sparvorschlag. Dabei möchte ich betonen, dass ich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unbedingt verteidige. Kritische Sendungen wie Panorama, Report, Fakt, um nur die wichtigsten zu nennen, müssen als Barriere gegen Fake News gesichert bleiben. Eine Einrichtung, der ich eine kritische Durchsicht der Rundfunkhaushalte zutrauen würde, wäre der Bund der Steuerzahler und Transparency International, Sektion Deutschland.

Das Festhalten am öffentlich-rechtlichen Rundfunk garantiert auch der Kultur eine unabhängige Position. Ein Adventskonzert im WDR aus der Kirche in Kevelaer wie am Vorabend zum 4. Advent wäre in einem auf Gewinn orientierten Sender undenkbar. Dort erschiene Autoreklame oder Werbung für Zahnpasta zwischen den einzelnen Abschnitten. Wer das Konzert nicht gesehen hat, hat etwas versäumt. Herausragend – sozusagen als Zugabe – waren die gymnastischen Übungen der Dirigentin. Sie zeigte uns, was man mit dem Taktstock alles anfangen kann, incl. Kniebeugen.

Man sollte nicht Wasser predigen und selbst Wein trinken. Baden-Württembergs Umweltminister hatte es eilig, vor der nächsten Coronaeinschränkung von Stuttgart zu Teilen der Familie nach Frankfurt zu fahren. Statt ICE wählte er PKW. Statt 120 fuhr er 177 und das in der Nähe der Stadt, deren Nennung Kay stets Schluckbeschwerden verursacht (Karlsruhe). Die nächsten vier Wochen darf er zu Fuß gehen, wenn er sich nicht vom Dienstwagen befördern lässt. 

Es gibt Komponisten, die haben über eine Grundmelodie die verschiedensten Varianten entwickelt. Daran hat sich die Laienspielschar unserer Landespolitiker auch versucht. Jeder hatte eine andere Variante drauf. Besonders schlicht tat sich NRW-Ministerin Gebauer hervor. Statt die Sommermonate auszunutzen, um Schulen und Schüler besser auf die neuen Anforderungen einzustellen, tat sie nichts. Dafür spendete sie aber besonderen Trost: Um die Fenster wegen des Luftaustausches in kälterer Zeiten auch aufmachen zu können, dürfen die Schüler Decken und andere Sachen zum Wärmen mitbringen. Eltern und Schulen, die in Eigenregie dem nicht folgen wollten, sondern wirksame Luftaustauschsysteme z.T. schon angeschafft haben, wurde die Aufstellung vom Ministerium verwehrt.      

Unterdessen betätigte sich NRW-MP Laschet in der Nebendisziplin, Nebelkerzen werfen.  Hatte er mal wieder Änderungen angekündigt, brummte einem der Kopf, wollte man das im einzelnen verstehen. Zwangsläufig waren die Dilettanten schließlich am Ende ihres Lateins angekommen. Es blieb nur noch ein Lockdown. Wäre man den Sachverständigen                      ( Virologen, Karl Lauterbach u.a. ) gefolgt, wären Vorsichtsmaßnahmen viel eher abgelaufen. Darauf im einzelnen einzugehen, sprengt allerdings den Rahmen einer Glosse.

Eine Barriere wurde jetzt für die deutsche Fußballnationalmannschaft aufgebaut. Bevor man nach Katar zur WM reisen darf, muss man sich erst gegen Rumänien, Island, Nordmazedonien, Armenien und Liechtenstein durchsetzen. Falls Trainer Löw nach der EM noch im Amt ist, was ich nicht glaube, sollte man ihm das Gelingen zutrauen.

Auf der Vereinsebene haben die Münchener Bayern und die Dortmunder als Erste in ihrer CL-Gruppe das Achtelfinale erreicht. Leipzig konnte sich als Zweiter ins Ziel retten. Dabei wurde Manchester United rausgekegelt. Das ist eine Leistung, die Respekt verdient. Komisch war für einen Laien, warum Gladbacher Spieler sich nach der 0 : 2 Niederlage bei Real Madrid herzten, als ob sie alle schon gegen Corona geimpft wären. Sie freuten sich über das 0 : 0 von Inter Mailand gegen Donezk, das ihnen den zweiten Platz und damit das Weiterkommen bescherte.

In der EuroLeague überwintern Leverkusen und Hoffenheim als Sieger ihrer Gruppe.  

Mir gehen die Bekenntnisse der FIFA und der UEFA zum Thema Rassismus schon lange auf den Geist, weil sie lediglich Lippenbekenntnisse sind. Jetzt kann die UEFA an einem Präzedenzfall ihr Format zeigen. Im CL-League Spiel von Paris St.Germain und Basaksehir Istanbul wurde Istanbuls Co-Trainer vom Spielfeldrand auf die Tribüne geschickt. Der Sachverhalt ist unstrittig. Die Wortwahl des vierten Schiedsrichters, der den Co-Trainer rassistisch beleidigte, war aber Anlass, dass die Spieler beider Mannschaften den Platz verließen. Von den vier rumänischen Schiedsrichtern wollten sie nicht mehr begleitet werden. Das Spiel wurde am nächsten Tag mit holländischen Schiedsrichtern fortgesetzt. Nun warten wir, wie die UEFA zu ihrem „Nein zu Rassismus“ steht. Bestraft sie eines oder gar beide Teams wegen unerlaubten Spielabbruchs? Gehen sie straffrei aus, weil sie die UEFA endlich einmal beim Wort nahmen?

Wie reagiert der DFB? Im Frühjahr dieses Jahres ging die U16 von Hertha BSC vom Platz, weil ein Spieler unentwegt rassistisch beleidigt wurde. Was interessiert uns Rassismus, dachte man bei den so progressiven Herren des Verbandes. Man wertete die Partie für Hertha als verloren. Falls hier nicht mit zweierlei Maß gemessen wird, muss bei einer folgenlosen Prüfung des CL-Spieles, das U 16 Spiel in Berlin zumindest neu angesetzt werden. Oder?

Niederlagen in der Bundesliga mit 1 : 5 Ergebnissen, sind für Trainer gefährlich. Nach einer Niederlage in der Höhe gegen Eintracht Frankfurt war letztes Jahr für Niko Kovac bei den Münchener Bayern Schicht. Jetzt hat es Lucien Favre beim BVB erwischt, nach dem sein Team vom VfB Stuttgart peinlich zerlegt wurde ( 1 : 5 ). Man sah es den Spielern an. Sowohl die Münchener wie die Dortmunder waren nach den CL-Spielen platt. Die Münchener bissen sich zu einem Unentschieden durch, die Dortmunder gingen unter. Ist es eine Frage der Einstellung? Der BVB versagt stets, wenn es darauf ankommt.

Das erinnert mich an die zwei Frösche, die in einen Topf Milch stürzten. Der eine sagte sich, keine Chance da herauszukommen und ertrank sang- und klanglos. Der andere strampelte solange, bis er sich auf die geschlagene Butter retten konnte. Auf Favre bezogen denken wir an das Wort von Honoré Balzac (1799 – 1850 ): „Großartige Liebesaffären starten mit Champagner und enden mit Kräutertee.“

Im Grunde ist das Unentschieden in Augsburg vs. Schalke ( 2 : 2 ) belanglos. Eine Szene muss aber festgehalten werden. Der Schalker Uth sprang im Mittelfeld des Platzes hoch, um einen Ball zu köpfen. Direkt hinter ihm, mit Körperkontakt zu ihm, sprang der Augsburger Felix ( der Glückliche) Uduokhai hoch, um vermeintlich auch den Ball zu spielen. Es war von vornherein klar, dass er den Ball nicht erreichen kann, weil Uths Kopf den Ball vollständig verdeckte. Ohne Chance, den Ball jemals zu erreichen, haute er seine Stirn voll auf Uths Hinterkopf. Uth musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Für mich war das vorsätzliche Körperverletzung, mit Platzverweis. Hinzu kam im Laufe des Spieles ein zweiter Zwischenfall. Hier ging U. genau so vor. So schlimm war es diesmal nicht. Mit einem Kopfverband konnte der Schalker Spieler weiter spielen. Um einen Platzverweis als einzig mögliche Konsequenz kam er erneut herum.

Mit dem 4 : 1 gegen Hoffenheim stürmte Leverkusen an die Tabellenspitze. Das ist einmal eine andere eher ungewohnte, aber nicht weniger erfreuliche Sicht. Bemerkenswert ist das fünfte Tor nach Eckballvarianten. Der Co-Trainer übt sie mit schusstechnisch ausgebildeten Spielern wie den Jamaikaner Bailey. Im Sommer hatte ich in einer Glosse auf den Liverpooler Eckballtrainer bereits hingewiesen. Erinnern wir uns aber an Uli Höness: „ Der Weihnachtsmann ist kein Osterhase“.    

Das letzte Spiel der Dortmunder bei Union Berlin ( 2 : 1 verloren) hat deren Mängel schonungslos aufgezeigt. Mit reinem Ballgeschiebe, oft dazu noch extrem schlampig, ist gegen ein eingespieltes und laufstarkes Team nichts zu gewinnen. Dabei spielt Union weder elegant noch schön. Trainer Egli nannte die Spielweise sogar „eklig“. Dagegen war man recht hilflos. Hinzu kommt die Abschlagsschwäche vom Torwart. Bürkis lange Abstöße landeten alle beim Gegner. So wird es nichts mit der CL in der nächsten Saison.

Der Sportkamerad Reus ist für mich ein merkwürdiger Spieler in diesem Ensemble. Meist spielt er nicht, weil ihn irgendein Wehwehchen plagt. Da wird er sehr vermisst. Spielt er aber mit, wird er auch vermisst. Man sieht ihn nicht. Nur ausgefuchste Berichterstatter unter den Journalisten finden ihn gelegentlich auf dem Platz. Wird er dann ausgewechselt, vermissen  ihn endgültig alle nicht mehr.  

Dann wurde am letzten Spieltag vor Weihnachten die Frage geklärt, ob der junge voll im Saft stehende Hirsch ( Leverkusen ) gegen den Platzhirsch ( Bayern München ) bestehen könnte. Konnte er nicht oder noch nicht. Der Platzhirsch siegte mit 2 : 1. Der Weltfußballer Lewandowski schoss dabei beide Tore.

Ereignisse in Bonn sind für einen Steilpass eher weniger geeignet. Jetzt aber fiel eine Entscheidung, die festgehalten werden muss. Gegen stärkste internationale Konkurrenz (z.B Barcelona ) wurde der Standort des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen  nach Bonn verlegt. Wegen des Brexits musste der Umzug vom englischen Reading auf den Kontinent vonstatten gehen. Die Behörde geht zunächst mit 150 Mitarbeitern ihrer Forschung in Bonn nach. Daraus werden dann zügig 400. Ich vermute, dass die Zentren für kurz- und langfristige Wettervorhersagen ebenfalls hier unterkommen.

War hier erfolgreiche Planung maßgeblich, so lieferten die Bonner am selben Tag auch das Gegenteil von sorgfältiger Planung. Dumm gelaufen, mussten drei Ganoven letztendlich feststellen. Bei uns, in einem Ortsteil Wachtbergs, fuhren sie mit dem Auto eines Bruders vor. Dem Auto verpassten sie zuerst falsche Kennzeichen. Dann hielten sie vor einem Kioskladen. Einer saß im Auto Schmiere. Der zweite hielt die Kunden mit einer Pistole in Schach. Der dritte wollte sich den Tresor schnappen. Dummerweise war der aber nicht da. Die Ladenbesitzerin erklärte dem ungebetenen Gast vielmehr, dass der Tresor nach Aufgabe der Postfiliale abgebaut worden war. Mit dem Tatwagen wurden sie zudem von einer Überwachungskamera in Bonn erfasst. Hinzu kamen die Aufnahmen der Kamera des Ladenlokals in Wachtberg. In Köln schnappte die Falle zu. Ich vermute, den Tippgeber erwartet eine Tracht Prügel, wenn die Jungs wieder auf freiem Fuß sind. 

So kurz vor Weihnachten muss auch noch Platz für eine nette kleine Geschichte sein. Neugierig wie Kinder sind, das wissen wir von unseren Enkelkindern, vor denen keine Schublade sicher ist, ging auch Elvira in Bonn ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, im Keller oder Speicher zu stöbern. Dort fand sie in einer scheinbar gottverlassenen Ecke den Karton mit dem Märchenschloss und der Prinzessin. Beides stand auf ihrer Wunschliste an das Christkind. Daraufhin erklärte sie ihrer Mutter: „ Mama, schreibe bitte dem Christkind, dass ich mir das Schloss und die Prinzessin nicht mehr wünsche. Wir haben das schon im Keller.“ Die Mama war sprachlos.

 

Siegbert Heid, 21.12.20