Biodiversität ist mehr als bunte Blumen. Ganz aktuell, herausgegeben im Mai 2020, stellt die „EU-Biodiversitätsstrategie für 2030“ fest: „Biodiversität ist lebenswichtig – für unseren Planeten und unsere Wirtschaft. Wenn es der Natur gut geht, kann sie uns schützen und versorgen. …Der Verlust an biologischer Vielfalt und die Klimakrise hängen zusammen und verschärfen sich gegenseitig. Wiederaufforstung, Sanierung von Böden und Wiederherstellung von Feuchtgebieten, Schaffung grüner Oasen in Städten – all das ist notwendig, um die bis 2030 notwendige Eindämmung des Klimawandels zu erreichen.“

 

Auch bei uns ist der Rückgang an Tieren und Pflanzen immens. In einer groß angelegten Studie über ganz Deutschland nahm die Masse an Insekten von 2006 bis 2017 in Wäldern und auf Grasland um mehr als 35 % ab und die Anzahl der Arten verringerte sich um 67 % (Wälder) bzw. 34 % (Grasland). Unberücksichtigt bleibt dabei, dass der Insektenrückgang schon viel früher als 2006 eingesetzt hat.

Spätestens seit Bekanntwerden dieser Zahlen und der Zahlen der sogenannte Krefeld-Studie wollen immer mehr Menschen ganz direkt etwas gegen das Insektensterben tun und ihr eigenes Grün insektenfreundlicher gestalten. Immer öfter sieht man Wildbienen-Nisthilfen, auch Insektenhotels genannt. Mit der Aktion „Je 50 Nisthilfen für Vögel und Insekten für 50 Jahre Wachtberg“ hat die SPD hier einen Beitrag geleistet und gleichzeitig auf die Bedrohung der Natur aufmerksam gemacht.

Mit dem Aufhängen von Nisthilfen ist es natürlich nicht getan.

Aber wie kann man sich im eigenen Garten wirkungsvoll gegen den Biodiversitätsverlust engagieren?

Was ist Biodiversität eigentlich? Leider gibt es keine Definition in einem Satz, es ist, wie alles in der Natur, komplizierter. Biodiversität ist Mehr als die Anzahl oder Vielfalt der Arten von Pflanzen und Tieren in einem Ökosystem, z.B. einem Garten. Aber Biodiversität ist viel mehr als Artenvielfalt. Das fängt an bei der Vielfalt im ganz Kleinen an, wie den verschiedenen Sorten einer Art, z.B. des Apfels. Biodiversität ist aber auch die Vielfalt im Großen, den verschiedener Ökosystemen wie Wald, Wiese, Moor oder Gewässer in einer Landschaft, und eben auch in einem Garten.

Bei der auf den ersten Blick zufällig erscheinenden biologischen Vielfalt in einem Ökosystem handelt es sich um ein Wirkungsgefüge mit komplexen Regeln. Durch die wechselseitigen Beziehungen der dort lebenden Organismen wird es zusammen- und stabil gehalten. Und auch die Vielfalt solcher Wechselwirkungen ist Biodiversität.

Fressen bzw. gefressen werden ist die bekannteste dieser Wechselwirkungen, aber auch die Bestäubung von Blüten und die Verbreitung von Samen durch Tiere gehören dazu. Pflanzen stellen Wohn- und Brutplätzen für Vögel und Wildbienen bereit und geeignete Datingplätze, wo man sich zur Fortpflanzung treffen kann. Das sind für viele Insekten die Blüten.

Wir Menschen machen uns übrigens viele dieser Wechselwirkungen zunutze, z.B. die Bestäubung im Obst- und Gartenbau. So wird der Geldwert der Blütenbestäubung weltweit auf rund 500 Milliarden US-$ pro Jahr geschätzt. Damit bekommt die biologische Vielfalt auch eine ökonomische und eine soziale Dimension, von der im eingangs erwähnten EU-Papier die Rede war.

Möchte man im eigenen Garten die Tierwelt nachhaltig fördern, geht das also nur über die Förderung der Pflanzen, von denen diese Tiere abhängig sind. Einheimische Pflanzen und Tiere haben sich im Verlauf der Evolution gemeinsam entwickelt und passen deshalb zusammen wie Schlüssel und Schloss. Daher sind heimische Pflanzen der wichtigste Faktor.

Für einen im wesentlichen nach diesen Gesichtspunkten gestalteten Garten hat sich die Bezeichnung naturnaher Garten eingebürgert. Inhaltlich entspricht er einem insektenfreundlichen Garten, denn Insekten sind der Schlüssel zur Vielfalt der Tiere. Von Insekten ernähren sich viele Tiere wie Vögel, Frösche und Igel.

In normalen Gartencentern könne Sie allerdings immer noch fast nur exotische Pflanzen kaufen, die von Natur aus in anderen Erdteilen wachsen. Sie haben eine wesentlich geringere Bedeutung als Lebensraum für unsere Wildtiere. Es bleibt zu hoffen, dass die Gartencenter bald die neue Marktlücke einheimische Pflanzen entdecken.

Man muss nicht gleich seinen ganzen Garten umgestalten, auch kleine Maßnahmen können eine große Wirkung entfalten, wie der Verzicht auf Pestizide und Torf. Lassen Sie einfach mal einen Teil des Rasens wachsen und schauen Sie, welche Blumen sich dort entwickeln. Wenn Sie den Rasen mähen, dann räumen Sie das Schnittgut ab, um ihn abzumagern, denn eine goldene Regel lautet: je magerer desto artenreicher.

Vor allen Dingen: lassen Sie Wildwuchs zu, räumen Sie nicht jede Gartenecke auf und lassen Sie Verblühtes, besonders von Wildpflanzen, länger stehen. Brennesseln sind übrigens ökologisch besonders wertvoll, denn nicht nur Käfer und andere Kleintiere leben dort, sondern sie sind auch Futterpflanzen für 49 Schmetterlingsarten.

Allgemein gilt: je mehr verschiedenartige Lebensräume es gibt, desto besser. Das kann schon ein Mörtelkübel als Kleinteich sein, oder sie schichten ihren Strauchschnitt zum Totholzhaufen auf. Wildbienen freuen sich über Sand und feuchten Lehm und Eidechsen über Steinhaufen.

Ein Naturgarten verlangt Umdenken, auch in ästhetischer Hinsicht. Er muss deshalb aber nicht verwahrlost oder gar langweilig aussehen, es gibt eben nur mehr Natur, als im konventionellen Garten, und abgestorbene Pflanzenteile gehören eben auch zur Natur. Wild muss nicht häßlich sein – und vielleicht ist ja auch einfach schön, der Natur beim Arbeiten zuzuschauen.

Das Gute am Garten ist, dass jeder seine eigenen Ideen und Vorstellungen verwirklichen kann. Wirklich häßlich sind nur die vermeintlich pflegeleichten Schotterflächen, die sich allerdings noch nicht einmal ein Regenwurm als Heimstatt aussuchen würde.

Kann das Engagement im eigenen Garten überhaupt Wirkung zeigen? Schließlich sind die Gartenflächen mit 3 % der Fläche in Deutschland winzig im Vergleich zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen von 50 %. Dort ist es um die Artenvielfalt allerdings nicht zum Besten bestellt. So machte der Weltbiodiversitätsrat 2019 die moderne Landwirtschaft als eine der Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes aus. Gärten und Parks haben sich zum Rückzugsort für Pflanzen und Tiere entwickelt, denn sie können heute ein reichhaltigeres Nahrungsangebot  bereithalten als die freie Landschaft. Nachgewiesen ist, dass z.B. die Wildbienenarten, die in Gärten grundsätzlich leben können, hier wesentlich besser überleben als in der freien Landschaft, traurig aber wahr. Selbst kleine Anpflanzungen helfen, wenn alles vorhanden ist, was man in einem Wildbienenleben so braucht: Futter, Nistmaterial wie abgestorbene Pflanzenstängel und Baustoff wie Lehm.

Der SPD ist das private Engagement für den Naturschutz sehr wichtig. Damit sollen die land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen aber nicht aus der Verantwortung für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagenentlassen werden.

Wir werden privates Engagement nach Kräften unterstützen und dabei eng mit der Gemeindeverwaltung zusammenarbeiten. Wir haben uns eingesetzt und setzen uns ein für mehr Aufklärung, die Gestaltung positiver Beispiele auf gemeindeeigenen Flächen und die Schaffung von Anreizen für die naturnahe Gartengestaltung.

Als konkrete Maßnahmen schlagen wir vor:

  • Bereitstellung von Informationsmaterial und Durchführung von Informationsveranstaltungen zum Thema Insektenfreundliche, naturnahe Gestaltung von Gärten
  • Einrichtung einer Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die ihren Garten umgestalten wollen
  • mehr gute Beispiele der Gemeinde auf den eigenen Flächen, mehr Informationen darüber zum Nachmachen im eigenen Garten
  • intensive Beratung vor Ort in Neubaugebieten von Baubeginn an, bevor die Gärten angelegt werden und Schaffung eines umfangreichen Unterstützungsangebotes
  • kostenlose Bereitstellung eines Einsteigerpaketes mit einheimischen Heckenpflanzen
  • Werbung für die Anlage eines naturnahen Mustergartens im Baugebiet und breite Unterstützung bei der Umsetzung, bis hin zu finanziellen Anreizen (hierbei sollte auch der Bauträger/Investor  in die Pflicht genommen werden).

Für dieses Maßnahmenpaket ist unsere Gemeinde gut aufgestellt:

  • durch den Beschluss zur insektenfreundlichen Bewirtschaftung der gemeindeeigenen Flächen, den der Rat auf Antrag der SPD gemeinsam mit den Grünen 2018 gefasst hat (der entsprechend gestaltete Pecher Ortseingang ist ein hervorragendes Modellprojekt und gutes Beispiel für den privaten Garten)
  • durch die neu  eingestellte Naturschutz-Fachkraft
  • durch den naturnahen Schaugarten hinter dem Rathaus und seine Informationsbroschüre (www.schaugarten-berkum.de)
  • durch viele für den Naturschutz engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung.
  • Als Sofortmaßnahme verteilt die SPD kostenlos die Broschüre des Arbeitskreises „Naturnahe Gärten in Wachtberg“. Sie zeigt, wie sich Naturschutz auf kleinstem Raum verwirklichen und gleichzeitig ein ästhetisch ansprechender Garten gestalten lässt. Neben allgemeinen Anleitungen enthält sie Pflanzpläne und Pflanzenlisten, in die die Erfahrungen von 17 Jahren „naturnahes Gärtnern“ in Wachtberg eingeflossen sind. Sprechen Sie uns an, persönlich oder per E-Mail (an roswitha.schoenwitz@spd-wachtberg.de.)
  •  

 

Die Natur bedarf unseres Schutzes – Die SPD hilft ihr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.