Wie in vielen Fällen stürzt die unter Druck geratene Person (DFB-Präsident Grindel) nicht über einen wesentlichen Umstand, sondern letztendlich über eine Kleinigkeit. Die Rolex (Wert mickrige € 6.ooo.-, andere meinen, sie sei doppelt so teuer gewesen ) anzunehmen, war unverzeihlich. Diese Petitesse, durchgestochen aus dem innersten DFB-Kreis, machte ihn  der Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar. Dieses vergiftete „Geschenk“ zurückzuweisen, gehört zu den Elementarverhaltensweisen, um keinen Korruptionsverdacht aufkommen zu lassen. Wie man als früherer Journalist (ZDF) und Politiker (15 Jahre Bundestag) das nicht sofort entrüstet ablehnen kann, ist mir einfach unerklärlich.

Dabei hatte er von Anfang an als DFB-Präsident einen doppelt schweren Stand. Fußball spielen konnte er nie. Für sein Gehalt hätte ein Jungnationalspieler noch nicht einmal die Schnürsenkel fest gezurrt. Was Grindel im Jahr verdiente und völlig ok gewesen wäre, erhält ein BL- Spieler im Monat. Schon von daher konnte er keine Autorität entwickeln. Man sah in ihm einen armen Schlucker. Auf den anderen Feldern, auf denen man Ansehen und Renommé gewinnen kann, nämlich z.B. in gesellschaftspolitischen Fragen (Özil, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit etc.) blieb er blass oder taktierte ohne strategisches Konzept äußerst unglücklich.

Mit einem Leichtgewicht an der Spitze lässt der Einfluss auch des größten Sportverbandes im internationalen Organisationsgefüge zwangsläufig nach. Um diesen Einfluss einigermaßen als DFB zu wahren, musste Grimdel auch seine FIFA/UEFA-Ämter abgeben, die mit einer halben Million Euro dotiert gewesen wären. Das ist schon hart, ob man nun den Mann sympathisch findet oder nicht. Es ist allerdings unsäglich und nicht zu tolerieren, dass man ihm nun Häme und Unflätigkeiten nachschickt (Uhrensohn…).

Erbarmungslos urteilte im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF Oliver Kahn bei der Frage nach dem potentiellen Nachfolger: „ Ein Präsident sollte schon eine gewisse Erfahrung mit Fußball haben“. Nun werden wie Kaninchen aus dem Hut alle möglichen Kandidaten gezaubert. Mich wundert, warum man z.B. Klaus Allofs als früheren Nationalspieler und späteren BL-Manager nicht in den Kandidatenpool einbezieht. Bis September ist ja auch noch etwas Zeit. Ich wundere mich auch, wieso sich Loddar Matthäus noch nicht selbst vorgeschlagen hat.

Skurril ist auch die Art, wie sich Sylvia Schenk ins Gespräch gebracht hat. Die frühere Leichtathletin (Olymp. Spiele 1972, 800m) ist aktuell Anti-Korruptions-Expertin von Transparency International. Davor war sie Vorsitzende des Bundes Deutscher Radfahrer. „Wenn die Leute es wollen und reif für eine Frau sind“, erklärte sie und verschreckte alle, die sie kennen, zutiefst. Mit ihr saß ich über Jahre in etlichen Gremien. Ein Minimum an Charme, Witz, Humor und Eloquenz sollte man schon dafür mitbringen. Da ist aber auch rudimentär nichts vorhanden. So eine Strafe wiederum hat der DFB nun auch nicht verdient.

Neben so grundsätzlichen Fragen sollen aber die lustigen Bilder festgehalten werden. So meinte der Heidenheimer Trainer Frank Schmidt auf die Frage nach einem möglichen Aufstieg: „ Schaffen wir das, dann lassen wir die Mücken rückwärts fliegen“. Die Heidenheimer stehen in der 2. BL deshalb so gut da, weil sie jedes Spiel ernst nehmen. Dazu traf mein Bonner Freund Bernd den Nagel auf den Kopf. Als früherer Handballspieler beim TSV Rintheim-Karlsruhe ( damals 1.Bundesliga) erinnerte er an seinen Trainer, der geradezu beschwörend seine Mannschaft ins Gebet nahm, damit sie den Gegner nicht zu leicht nahm: „ Die komme a net uff de Nudelsupp doher g’schwomme“. Vom Badischen aufs Hochdeutsche übersetzt heißt das verkürzt: „ Nehmt sie ernst, die können auch Handball spielen“. Diesen badischen Spruch kannte ich nicht, aber mein Freund Peter aus Karlsruhe hat nun die Echtheit bestätigt. Hier im Rheinland erlebte ich noch eine Variante. In unserem Metzgerladen ist seit einem Jahr ein Schwabe beschäftigt. Seine Herkunft macht er durch besondere Freundlichkeit wett. So fragte ich ihn dieser Tage, ob ihm der Spruch auch bekannt sei. „Noi“, antwortete er, „ bei uns war des die Brodsupp“ (Brotsuppe)“.

Woche für Woche glaube ich, dass wir nun alle schiefen Vergleiche oder journalistischen Verrenkungen hinter uns hätten. Aber flugs werde ich immer eines Besseren belehrt.

Einen schönen farbigen schiefen Vergleich lieferte der Rundfunkmoderator über den Mainzer Mateta nach dessen drei Toren: „ Seine Spielintelligenz ist größer als das Isselmeer“. Oder in einem Spiel von Hansa Rostock lässt ihr Torwart einen Ball durch, indem „ er umfällt wie ein Roboter“. Jetzt wissen wir endlich, wie Roboter umfallen.

Schön schrieb auch das „Stormarner Tageblatt“ zur Kleiderfrage des katholischen Klerus:       „ Schwarz, weiß oder ganz ohne?“ Eindeutig zu weit ging jüngst aber der Zoll: „ Angeboten werden 10 robuste Spinde. Die Spinde wurden zur Unterbringung von Asylsuchenden genutzt“. Schwierigkeiten im Umgang mit Asylsuchenden hatte jüngst auch der hiesige „Kölner Stadt-Anzeiger“: „ Statt einer Person aus drei Personen war nur noch ein einzelner Entscheider zuständig. Das Asylverfahren sollte beschleunigt, die geflüchteten Menschen durchgepeitscht werden.“ Da hat der „Kölner Stadt-Anzeiger“ etwas falsch verstanden.

Mein Bonner Generalanzeiger zeigte jetzt auch ökonomische Schwächen: „ RWE hat jetzt seine Bilanz vorgelegt. Der Konzern sieht durch den Kohleausstieg 2700 Jobs gefördert“. Die Aktien würde ich schleunigst verkaufen.

Nach dem 5 : 0 in München war beim BVB Trauerarbeit angesagt. Die verheerende Niederlage steckte ihnen noch in den Knochen. Beim mageren 2:1 gegen Mainz hatten die Gäste in der 2. Halbzeit den BVB am Haken. Der BVB wackelte dank eines überragenden Torwartes Bürki zum Sieg. Das reicht national noch nicht und international erst recht nicht. Die Bestätigung folgte jetzt mit der 2 : 4 Heimniederlage gegen Schalke 04.

Unterdes frohlocken die Bayern. Das löste bei Rummennigge sprachlich ein wenig Verwirrung aus. „ Jetzt muss die Kartoffel eingefahren werden. Die Kartoffel ist heiß. Sie muss gemeinsam gegessen werden.“ Damit gibt er der Landwirtschaft einen wichtigen Hinweis. Baut zukünftig wegen der Energieersparnis heiße Kartoffeln an. Das erinnert mich ein wenig an Walter Ulbricht. Der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende gab Ende der sechziger Jahre in bezug auf den Wettstreit mit der Bundesrepublik die Parole aus: „Überholen – ohne einzuholen.“ So bescheuerte Aussagen wie die von Ulbricht und Rummennigge gehen mir einfach nicht aus dem Kopf. Das jüngste 1 : 1 zu Hause gegen Nürnberg hat die Kartoffel allerdings etwas erkalten lassen.

Der aktuell beste deutsche Stürmer, Max Kruse, wurde beim Spiel der Bremer auf Schalke durch enge Manndeckung (1-2 Spieler) „ aus dem Spiel genommen“. Die fehlten aber  andernorts. So gewann Bremen geradezu zwangsläufig mit 2: 0. Gleichwohl passt er nicht zu Löws stromlinienförmigen Internatsschülern. Gegen Freiburg (2:0 für Bremen) war er einmal mehr ein echter Kapitän.

Jetzt standen die Halbfinals im Pokalwettbewerb an. Berlin gewann unspektakulär gegen den HSV. Viel spannender ging es in Bremen zu (Werder vs. Bayern 2 : 3). Einmal mehr verschaffte ein Schiedsrichter (Daniel Siebert) den Bayern den entscheidenden Vorteil. Er schenkte ihnen in der 78. Minute einen völlig ungerechtfertigten Elfmeter, den Lewandowski verwandelte.

Er hätte drei Motive gehabt haben können:

  1. Er wollte den Bayern absichtlich etwas Gutes tun. Das ist eher unwahrscheinlich, weil wir nicht auf dem Balkan sind.
  2. Er pfiff in einem Anfall geistiger Umnachtung den Elfmeter. Das ist schon wahrscheinlicher. Man sieht am sog. Sekundenschlaf, dass das immer passieren kann und mitunter katastrophale Folgen hat.
  3. Er wollte endlich in diesem fairen Spiel kurz vor Schluss seine eigene Wichtigkeit zelebrieren. Das ist in diesem Fall mehr als wahrscheinlich.

Für mich wirkten b + c zusammen. Als Konsequenz hat der DFB den Videoassistenten in Köln von seiner Aufgabe entbunden. Den Schlaf vor den Bildschirm kann er jetzt zuhause halten.

Es ist an der Zeit, auf die Post meiner Leser einzugehen. Da habe ich Eisenbichlers Weltmeistersprung von der falschen Schanze gemeldet, Klums „Next Model“ an einen anderen Sender vergeben, alles wird genau vermerkt. Zwar erntete ich von einigen Lesern auch Kritik, Timo Werner als „Chancentod“ zu bezeichnen, aber wie soll man ihn charakterisieren, wenn er, wie vor kurzem im Spiel gegen Wolfsburg nur ein Tor erzielt, gleichzeitig aber sieben beste Gelegenheiten versemmelt ? Die Kritiker meiner Kritik sind sich einig, dass er mit zunehmendem Alter immer besser weiß, wo das Tor steht. Hoffentlich werden sie Recht behalten.

Schwierig wird es, wenn Sachverhalte vorgeschlagen werden, die ich im nächsten Steilpass berücksichtigen möge. Da schlägt Leser Mirko vor, auf sportliche Vorbilder einzugehen, die man der heutigen Jugend empfehlen kann. Dirk Nowitzki ragt nicht nur wegen seiner Körpergröße heraus. Als absoluter Superstar hat er es jahrzehntelang geschafft, auf dem Teppich zu bleiben. Null Skandale, Vorbild in allen Aspekten. Das gilt auch für Timo Boll, Tischtennisspieler, ein weiterer Held des Deutschen Sports. Mirko hätte für die Beiden als Referenten in Fußball-Nachwuchszentren auch gleich ein Thema: „ Wie kann ich Superstar und Multimillionär werden, ohne zum eingebildeten Egomanen zu degenerieren?“ Das wäre sicher ein wichtiges und richtiges Thema.

Manuel Neuer zeigt in Gelsenkirchen mit einem sozialen Projekt in einem städtischen Brennpunkt, dass er sich auch Gedanken für andere macht. Dafür bekommt er jetzt den Landesverdienstorden NRW, den wir auch zuhause haben, wobei ich nicht der Ordensträger bin.

Vorsichtig bin ich, wenn Leserinnen oder Leser mir empfehlen, was ich in der jeweils nächsten Glosse berücksichtigen soll. Da gibt es von Verkehrsminister Scheuer das Vorhaben, E-Roller auch auf den Gehwegen zuzulassen. Nun liegt der Name sehr nahe am Adverb bescheuert. Dem ist hier nichts hinzuzufügen. Die Versicherungen stöhnen bereits jetzt über die Unfallfolgen. Ist erst eine Rentnerin umgenietet worden und hat an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruches und seinen Komplikationen den Löffel abgegeben, denkt man vielleicht das Thema nochmal neu durch. Völlig unverständlich ist, dass der Verkehrsausschuss des Bundestages nicht Manns genug war, ein sofortiges Verbot von E-Rollern auf Gehwegen auf den Weg zu bringen. E-Roller werden nicht zu verhindern sein. Aber auf einem Fußgängerweg haben sie nichts verloren.

Eine Leserin bittet mich, auf ein Thema einzugehen, das seit Jahren nicht aus der Presse wegzudenken ist. Sie weist auf den 92-jährigen Kardinal Ratzinger, vormals Papst Benedikt XVI. hin, der jetzt hinausposaunte, dass die sexuelle Freizügigkeit, die die 68-er Generation erkämpfte, schuld sei an der Lust von Priestern, sich an Jugendlichen zu vergreifen. Der erzkonservative Kardinal Müller pflichtete dem sofort bei und nannte die „Erkenntnis“ wegweisend für die wahren Verführer. D.h. nicht die gewissenslosen Schurken in ihren Reihen sind an den tausenden Verbrechen an Kindern und Jugendlichen schuld. Sie seien eben erbarmungswürdige Opfer der 68-er, meinen die Beiden. In der Tat wären sie mit diesem Programm gerne gesehene Gäste auf jeder Kabarettbühne.

Darüber soll ich in meiner Glosse eingehen. Ich bitte um Verständnis, wenn ich das nur mit einem Griff in die Geschichte kann. Dahinter steht nämlich die Frage, wieso die Kirche einen derart großen Einfluss nicht nur auf ihre Vereinsmitglieder hat, sondern darüber hinaus in allen gesellschaftspolitischen Fragen mitmischt. Katholische Priester als verführte Opfer der 68-er Generation anzusehen, ist ungefähr die gleiche Fälschung wie die „Konstantinische Schenkung“.

Der fränkische König Chlodwig I., ein Merowinger (466 – 511), regierte ein riesiges Frankenreich von den Pyrenäen bis hin im Osten zu den slawischen Königreichen. In den Ausmaßen war es mit der Gründungs-EWG vergleichbar( Benelux, Frankreich, Deutschland und Italien). Seine verwegenen Reiterheere konnten alles, außer lesen und schreiben. Deshalb stellte sich ihm die Frage, wie er das Gebilde optimal verwalten könne.

Chlodwig war nicht doof. Er sagte sich, wozu Soldaten zur Fortbildung abstellen, wenn ich die Struktur schon vor Ort habe? Von der Religion nicht überzeugt, trat er gleichwohl der Kirche bei. Im Gegenzug übernahmen die Geistlichen administrative Aufgaben. Es war dann wie überall bis heute. Erfolgreiche Unternehmen breiten sich aus, gewinnen mehr Macht und Einfluss. So kamen im Vatikan um 800 einige auf die Idee, Macht und Einfluss durch eine dreiste Geschichtsfälschung auf Dauer abzusichern. Sie „fanden“ eine Urkunde, die angeblich von Kaiser Konstantin im Jahre 317 ausgestellt wurde und nannten sie „Konstantinische Schenkung“. Darin war verfügt, dass den Popen die Regierungs- und Herrschaftsgewalt über Rom, Italien und darüber hinausgehende Gebiete auf ewig zustand. Sie galt über Jahrhunderte als echt. Damit begründeten sie ihren Anspruch, auch in nichtreligiösen Angelegenheiten weisungsberechtigt zu sein. Für mich steht dieser nachgewiesene Betrug mit der absurden These von der Verantwortung der 68-er Generation für die Verbrechen von Priestern an Kindern auf einer Stufe.

Wer so eklatant und vorsätzlich gegen das 8.Gebot verstößt (Du sollst nicht lügen), hat kein Recht, anderen vorzuschreiben, was er tun oder lassen soll. In seinem Brief an die Galater hat Paulus behauptet, das Begehren des Fleisches richte sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch. Beide stehen sich als Feinde gegenüber. Man darf dieses Märchen – und mehr ist es tatsächlich nicht-

, auf keinen Fall ernst nehmen. Wer es aber übernimmt und nach dieser Moraltheologie lebt, kann kein gesundes Verhältnis zu seinem eigenen Körper entwickeln. Sexkrüppel bleiben unter ihren Talaren auf der Strecke.

Deshalb ist es auch an der Zeit, dass die Kirche vor ihrer eigenen Tür kehrt und der eigenen Mannschaft frei stellt, mit wem sie im Rahmen der gegebenen Rechtsordnung ins Bett geht. Das hätte den Vorteil, dass die Priester ihre sexuelle Verklemmung lösen und sich wie normale Menschen bewegen können.

 

Siegbert Heid, 25.04.19