Bei den Schwimmweltmeisterschaften in Kasan sind alle sauber. Zumindest solange sie im Wasser sind. Außerhalb treffen sich die Oberdoper vor allem aus Russland und China mit ehrlichen Sportlern. Etliche von ihnen waren des Dopings überführt. Sie wurden bestraft, aber nur rückwirkend, so dass die vereinigten Doper sich in Kasan ganz ungeniert bewegen. Das ist ein unglaublicher Skandal, aber bittere Realität.

Trotzdem hat Ko-Moderatorin van Almsiek ihren Humor nicht verloren. Über Hendrik Feldwehr ( Vorlauf 100 m Brust ) meinte sie, „ wenn es drauf ankommt, dann macht er sich in die Hose“ und flüchtete sich nach diesem Faux Pas in die Aussage: „ Die Deutschen haben sich vorgenommen, schnell zu schwimmen“. Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Gleichwohl habe ich mir danach aus Kasan nichts mehr angesehen.

Nach jüngsten Berichten zieht man nun dopingmäßig bei den Leichtathleten mit den Schwimmern gleich. ARD und „Sunday Times“ gelang es, 12000 Bluttests von 5000 Läufern, von 800 Metern bis einschließlich Marathon, auszuwerten. 146 Medaillengewinner und Weltmeister waren dopingverdächtig, wurden aber nicht weiter untersucht und belangt. Der Weltverband hat offenbar weggeschaut wie bei den Radfahrern vor 20 Jahren. Da Verdacht noch nicht Nachweis bedeutet, wurde eine Kommission mit der Aufklärung beauftragt. Diese ist schon seit Januar tätig, um das systematische Doping in Russland zu untersuchen. Sie übernimmt nun zusätzlich die Untersuchung dieser neuen Vorwürfe. Sobald der Bericht im September vorliegt, weiß ich, ob ich mir Leichtathletik noch weiter anschauen werde. Gerade ist der 1500-m Olympiasiegerin von 2012 London die Goldmedaille wegen Doping aberkannt worden. Aktuell stehen die Kenianer bei der Leichtathletik-WM in Peking im Focus. Zwei ihrer Damen sind an Ort und Stelle bereits überführt worden. Die Russen scheinen saubere Athleten hingeschickt zu haben. Das hat zur Folge, dass sie weitgehend in den Medaillenrängen fehlen.

Früher wusste man, sobald Berichte über Nessi in einem schottischen See auftauchten und Damen in grellen Kleidern in Bayreuth sich stundenlang mit Wagneropern quälten, dann ist „Sommerloch“. Man konnte sich bequem eine Zeitlang zurück lehnen und sich mit Hinweisen beschäftigen, wie man z.B. einen Pizzaboden so backt, dass er nicht steinhart wird. Für alle Hobbyköche unter uns: Wie beim Hefezopf schiebt man ein zweites mit Wasser gefülltes Blech darunter in den Ofen.

Mir nichts Dir nichts hat sich nun die Mainzer Namensforscherin Damaris Nübling dazwischen gemogelt. Sie untersucht, wo im Dialekt Frauen das Neutrum mit auf den Weg gegeben wird. Dort heißt es z.B. nicht „die Anne“, sondern „das“, „dat“ oder „es“ Anne. Das Neutrum drückt ihrer Meinung nach am wenigstens Handlungsfähigkeit aus. Ausgangspunkt sei die einst bei Hofe domestizierte Frau unter der Kontrolle des Mannes. Aus vertraulicher Quelle weiß ich, dass die Vorstände von DAX-Unternehmen bereits die Studie vorbestellt haben.

Beim „Audi-Cup“ in München hat der FC Bayern mit 3:0 gegen den AC Mailand gewonnen. Auffällig war einmal mehr Trainer Guardiola. Er hüpfte 90 Minuten wie ein Strichmännchen in seiner Trainerzone herum. Die Zeichen, die er seinen Spielern gab, waren noch komplizierter als in der vergangenen Saison. Jetzt beginnt er, sich mit Journalisten anzulegen, indem er sie mit ihren Fragen regelrecht abkanzelt. Für mich ist das ein Zeichen, dass er sich mit denen nicht längere Zeit anlegen will. Ich bin überzeugt, nach dieser Saison ist Sabbat für ihn in München.

Reporter Martin Schneider begleitete für uns das Endspiel der Bayern vs. Real Madrid. Er war für mich neu vor dem Mikrofon, überzeugte aber durch seine Erklärungen zur Strategie und Taktik der beiden Teams. Dabei bewies er auch Witz. Ein Anrufer fragte, warum die Madrilenen keine Namen auf der Rückseite der Trikots hätten. „Der Beflocker ist noch in Urlaub“, war seine gekonnte Antwort. Dann nahm er Real in Schutz. Nach ca. 60 Minuten sagte er nicht, Real mauert im Strafraum mit 11 Spielern, nein er kleidete dies in die Worte: „ Madrid steht sehr strukturiert“. Der Mann hat sich damit auch für die Texte von Reisekatalogen empfohlen. Dann entdeckte er bei einer Flanke von Costa etwas, das ich unmöglich erkennen konnte: „ Die Körperspannung war da“. Wer das sehen kann ist Reporter geworden und nicht ich. Das 1 : 0 der Bayern durch Lewandowski war für ihn klar: „ Der hatte die notwendige Körperspannung“.

Ronaldo war nicht dabei. Er habe „Rücken“, informierte er uns. Dann kam eine interessante Information bei der Einwechslung eines jungen Dänen auf der Bayern-Seite: „Der wird heute ein klein wenig älter“. Ich wundere mich jetzt noch, warum das nur für ihn und nicht auch für die anderen zutrifft. Es interessierte zwar niemanden, aber über die Herkunft von Sergio Ramos kam er ins Stolpern. Einmal war er Baske, ein anderes Mal aus Andalusien. Letzteres ist richtig. Entwickelt sich Martin Schneider weiter, dann werden wir in der ARD mit ihm bald soviel Spaß haben wie mit Belá Rethy im ZDF.

Die Bundesliga arbeitet nun mit „Hawk“. Nur für die „Experten“ unter meinen Lesern: Das ist kein Fußballer von der Insel. Es ist ein System von Hochgeschwindigkeitskameras, das in strittigen Situationen dem Schiedsrichter signalisiert, ob Tor oder nicht. Ob aber die Bayern mit Mario Götze auskommen oder nicht, wird sich erst noch zeigen. Seine offizielle Begründung für den Wechsel von Dortmund an die Isar war, unter Trainer Guardiola noch besser werden zu wollen. Das war scheinheilig. Tatsächlich verdiente er dabei über ein Handgeld drei Millionen €, ohne etwas dafür getan zu haben. Das war ihm wichtiger, obwohl er wusste, dass ihn Guardiola gar nicht wollte. Guardiola bekniete den Vorstand, statt Götze Neymar aus Barcelona zu verpflichten. Zu mehr als zum Ergänzungsspieler hat es Götze folgerichtig auch nicht gebracht.

Götze will gehegt, gepflegt und gepudert werden. Das hat jetzt die Agentur Matt Sports aus Hamburg bestätigt. Sie untersuchte Markenwert und Image der bekanntesten deutschen Fußballprofis. Bastian Schweinsteiger landete auf Platz 1. Er wird als Anführer und Kämpfer angesehen. Das hat er im WM-Finale eindrucksvoll gezeigt. Götze kam auf Platz 23 als wenig sympathischer „eitler Spieler – ein Pfau“. Das sieht der Bayern Vorstand inzwischen genau so.

Bayer Leverkusen hat sich gegen Lazio Rom mit 3:1 aus den beiden Spielen nach hartem Kampf für die Champions‘League qualifiziert. Stefan Kießling war der Ackergaul, der das komplette Spielfeld beackerte. Die vielen Fouls an ihm machten ihn nur stärker. Die beschränkten fußballerischen Möglichkeiten von Papadopoulos machte dieser durch unglaublichen Kampfgeist wett. Einmal verhinderte er mit einer sauberen Grätsche im Strafraum ein Gegentor. Der Reporter hob sie als „Herkulesgräzsche“ in den Himmel der griechischen Mythologie.

Borussia Dortmund musste sich gegen OddsBK aus Norwegen für die Euro-League qualifizieren. Beim Hinspiel im Norden führten die Platzherren sensationell mit 3 : 0. Damit hatten die Nordmänner den Borussen buchstäblich den Staub aus der Vitrine geblasen. Danach spielten sie Fußball und gewannen noch 3 : 4. Das Heimspiel mit 7 : 2 war dann eine klare Sache. Zuerst schrieben sie das Lehrbuch, wie man garantiert kein Tor schießt. Danach besannen sie sich auf ein anderes Drehbuch. Ein Tor war schöner als das andere. Beim dritten Tor meinte der Reporter, das sei eines aus dem Regal der höchsten Fußballkunst. Nach einer blitzgescheiten Kombination kann man dem nur zustimmen.

Bei der Rückfahrt vom Picasso-Museum in Münster kam kurz vor Gelsenkirchen eine Durchsage im Zug für körperlich beeinträchtigte Fahrgäste. Der junge Mann hinter mir meinte dabei zu seinen Kumpels: „ Körperlich beeinträchtigte Fahrgäste sind für mich die Dortmunder“. Man sieht, die Rivalität endet nicht am Stadionausgang.

Inzwischen sind die Auslosungen für Champion’s League und EuroLeague erfolgt. Die Aufzählung der Begegnungen erspare ich mir. Wir werden sie noch oft in den Gazetten lesen.

Noch einige kleinere Anmerkungen seien mir gestattet:

Der „ Spiegel“ vor einigen Wochen informierte uns über die neuen Ergebnisse der Evolutionsmedizin. Danach lasse sich erklären, wie und warum Bewegung dem Gehirn zuträglich ist. Dazu schrieb ein Leser aus NRW: „ Schön und gut! Und was ist mit Lothar Matthäus ?“

Das Spiel VfB Stuttgart vs. 1.FC Köln 1 : 3 beurteilte der Reporter. „Das sind zwei Mannschaften, die sich nicht mit Nebensätzen aufhalten. Subjekt-Prädikat-Objekt und Tschüss ( = Schuss aufs Tor)“. Das ist grammatikalisch Unsinn, klingt aber gut. Als der für Köln spielende Franzose Modeste nach seinem 1 : 0 irgendwo einen Schnuller hervorholte, weil seine Frau gerade ein Kind bekam, fand ich das allerdings etwas infantil.

Nachdem Schalke in Wolfsburg 3 : 0 verlor, wies Kapitän Klaas-Jan Huntelaar auf einen Umstand hin, der für die Birnen von Fußballspielern hilfreich sein kann: „ Tore werden nur selten in der eigenen Hälfte geschossen“. Wo er Recht hat, hat er Recht.

In diesem Sinne viele Grüße

Ihr

Siegbert Heid, 01.09.15