Wie sagte vor vielen Jahren Norbert Dickel (BVB) nach Mitspieler Frank Mills Schuss an den Pfosten bei völlig leerem Tor ? „ Der ist mit allen Abwassern gewaschen“. Er wollte damit den Grad seiner Überraschung ausdrücken. Nicht minder war meine am Ostermontag, als der Moderator in WDR 2 den Übergang von seinem Swingerclub zum Sport mit der Bemerkung fand: „ Nichts muss, aber alles kann“. Noch überraschter dürfte das Paar in Schwäbisch-Gmünd gewesen sein, nachdem der Eintritt in den Ruhestand des Mannes in einem Artikel gewürdigt wurde. Nur die Überschrift in der „Gmünder Tagespost“ löste größte Heiterkeit im Ort aus. Es war da zu lesen: „ Seitdem kann er viel Zeit seinem Hobby widmen – Vögeln.“

In der Champion’s League dagegen hielten sich die Überraschungen in Grenzen.

Das 0 : 0 zwischen Atletico de Madrid und Real Madrid war das Ergebnis eines von Ellbogenchecks geprägten Spiels. Atleticos argentinischer Trainer Sirmeone gab vorher mit dem Hinweis „Una noche para heroes“ ( Eine Nacht für Helden) die Richtung vor. Bereits nach 2 Minuten, 40 Sekunden tobte  Sirmeone am Spielfeldrand und zeigte dem Schiri, dass er schon dreimal falsch entschieden habe. Das ist bei ihm nicht ungewöhnlich und regt auch niemanden auf. In dieser Zeit fordert er sonst gemeinhin schon mindestens die 10. gelbe Karte für den Gegner. Der Preis der Eintrittskarte müsste eigentlich um einen „Trainerentertainmentzuschlag“ erhöht werden. Sirmeone tanzt dabei einen Tango-Rock. Vergleicht man damit den Bayern-Pep (Guardiola), dann ist dessen Darbietung eher ein Menuett von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Pep kann aber auch anders. Im Rückspiel gegen Porto tanzte er so intensiv, dass ihm die Naht an der rechten Hose riss. Das Bild brachte jede Zeitung.

Reporter Fuss verdanken wir von diesem Spiel eine neue medizinische Entdeckung. Er wies nämlich darauf hin, dass beide Teams  ihren Mannschaftsgenen entsprechend spielten. Das ist insofern interessant, als ich nicht wusste, dass es zumindest bei Fußballspielern auch ein gemeinsames Gen verschiedener Personen gibt. M.E. sollte Fuss sein Forschungsergebnis schleunigst der Polizei oder mindestens dem amerikanischen Abhördienst weiter geben.

Atleticos Mandzukic, wahrlich kein Kind von Traurigkeit, teilte heftig aus. Reals Rampensau Sergio Ramos ging das dann doch zu weit. Er holte kurz mit dem Ellbogen aus und feuerte denselben auf dessen Auge, ihm eine heftig blutende Platzwunde zufügend. Aber das Spiel ging einfach weiter.

Nun stehen sechs Schiedsrichter auf und um den Platz. Alle diese Knalltüten haben scheinbar dieses Foul nicht gesehen, obwohl der Torrichter keine 1,20 Meter entfernt stand. Nach Behandlung kam M. wieder rein, beschimpfte fortan Schiedsrichter und alle Gegenspieler, die bis Drei nicht das Weite suchten. Besonders pikant war dann die gelbe Karte gegen M. Einmal blieb auch er in einem Zweikampf fair. Der Schiri konnte sich das nicht vorstellen, pfiff und gab ihm obendrein die gelbe Karte. Reporter Fuss betete, dass Sirmeone ihn endlich herausnähme. Tat der aber nicht. Insofern war M. bis kurz vor Schluss eine Bedrohung für den Schiri, für Reals Spieler und für sich selbst. M. arbeitete aktiv an seinem Platzverweis. Der Schiri verweigerte ihm aber die Rolle des Märtyrers in diesem Spiel.

Reporter Fuß fasste zusammen: „ Da haben einige zuviel aus dem Eimer mit hormongetränktem Blut getrunken. In so manchen Zweikämpfen wurde von der Schusswaffe Gebrauch gemacht“. Daneben spielte man sogar noch Fußball. Das war eine Darbietung auf drei Ebenen: Es wurde Fußball gespielt. Darüber hinaus zeigte man die unterschiedlichen Arten, wie mit dem Ellbogen der Gegner niederstreckt wird. Obendrein war der Schiri mit seinen fünf Trotteln noch vom vorher im spanischen TV gesehenen Märchen „ Ich bin der Hase, ich weiß von nichts“ so eingelullt, dass er nichts wahrnahm.

Wäre das bei einem Lokalderby in Istanbul passiert, hätten wir jetzt dort Bürgerkrieg.

Die Bayern waren in Porto überfordert ( 1:3). Gegen eine aggressive Mannschaft, die sich sofort in jeden Zweikampf stürzte, unterliefen Xabi Alonso, Dante und Boateng Anfängerfehler, die zu drei Gegentoren führten. Das 6 : 1 in München glich allerdings einer vollständigen Rehabilitation.

In der Euro-League wurde Wolfsburg bei der 1:4 Heimspielniederlage gegen den SSC Neapel regelrecht vorgeführt. Bei Neapel funktionierte an diesem Abend einfach alles. Die Abwehr hatte – Viererkette – keine Probleme, weil die ca. 15 Meter vor ihr agierende zweite Viererkette die Wolfsburger zu unendlichem Querspiel veranlasste. Ich bin überzeugt, dass in der Hilflosigkeit darüber, welchen Querpass sie noch spielen sollten, manche Wolfsburger gar nicht mehr wussten, wo eigentlich das gegnerische Tor stand. Mit Neapels Passgenauigkeit und Treffsicherheit konnte man einfach nicht mithalten. Dazu spielte Neapel außerordentlich fair.

Sprachliche, oft kurzlebige Trends habe ich immer wieder kritisch erwähnt. Ohne Sprachpurist zu sein, bin ich z.B. froh, dass die einst modische Fußballerantwort: „ Ja gut…“  kaum noch benutzt wird. Nun gibt es aber einen neuen Trend. Den hat einer angefangen und andere plappern einfach nach. Sagt ein Journalist „ Danke“ für ein Interview, antwortet z.B. Sportdirektor Sammer (FC Bayern M.) inzwischen mit „Gerne“, statt beim  bewähren „Bitte“ zu bleiben.

Gerade Sammer lässt immer wieder aufhorchen. Nach einem Spiel auf die Verletzten angesprochen, verwies er auf die Gesunden und meinte: „Jetzt müssen die die Kohlen aus dem Feuer holen“. Ich glaubte bisher in meiner Einfalt, man müsse Kohlen ins Feuer geben, damit es richtig brennt und Eisen aus dem Feuer nehmen. Jetzt erst sagt mir der Sammer, dass es genau anders rum geht.

An das Gerücht, Tuchel ginge nach  Hamburg, habe ich nie geglaubt. Er macht sich doch nicht zum Spielzeug des Milliardärs Kühne. Einleuchtender ist die nun offizielle Entwicklung. Nach Jürgen Klopps Abschied vom BVB am Ende der Saison, wird T. Nachfolger in Dortmund. Es war auch außerhalb des Spielfeldes spannend in diesen Wochen. In Hannover musste der Trainer aufhören, in München der Vereinsarzt.

München war der Schauplatz für den Krieg der Alphatiere. Mit Guardiola (G) kam der spanische Hochadel an den bayerischen Hof. Dort war Vereinsarzt Müller-Wohlfahrth (MW) seit Jahrzehnten eine Institution. G. wollte M-W., den er zu seinem Stab zählte, auch im Training immer um sich haben. Dieser Rangordnung entzog sich M-W. Er verwies auf seine ca. 5 km nur entfernte Praxis.

Dann wurde die Situation mit Thiagos Verletzung angeheizt. Denselben verpflichteten die Bayern für über 40 Mill. € vom FC Barcelona. G. wollte ihn oder sonst keinen. Statt ihn nun von M-W heilen zu lassen, schickte G. den Spieler nach Barcelona, zum Vereinsarzt des dortigen Clubs. Das war alles andere als eine friedensfördernde Maßnahme. Zu allem Elend verletzte sich Thiago erneut, was wiederum M-W nicht unkommentiert ließ.

Wie so oft stolpert ein Kriegführender über einen Nebenkriegsschauplatz. Xabi Alonso im Stil eines Altherren-Ü-45, Dante mangels Technik und Boateng mangels seiner Brille, als er einen Kopfball unterlief, lieferten die Gegentore in Porto. Da wird dann wie in der Politik die Schuldfrage gestellt. Rummenigge, das dritte Alphatier, war bei der Bestellung von M-W als Vereinsarzt in den Siebzigern schon aus Altersgründen nicht beteiligt, wohl aber bei der Entscheidung für Guardiola. Alphatiere stellen nun ungern ihre eigene Entscheidung infrage. Deshalb konnte G. für die Niederlage nicht verantwortlich sein. Mit Blick auf die Reihe mit den anderen Verletzten war es zwangsläufig, dass M-W in diesem Machtkampf die Arschkarte gezogen hatte. Er war schuld. Das erklärte R. beim abendlichen Bankett in Porto. Wie einst der römische Kaiser Konstantin d. Gr. gegenüber seinem unterlegenen Konkurrenten Maximinus, überließ R. dem Arzt die Wahl seiner Hinrichtung. M-W erklärte formvollendet seinen Rücktritt und war aus dem Spiel. Wie sagte einst Turnvater Jahn ? „ ein guter Abgang ziert die Übung“.

G. hatte großes Glück in diesem Spiel, weil er mit dem 6:1 Sieg das Halbfinale erreichte. Ein Ausscheiden hätte ihn in eine sehr desolate Situation mit ungewissem Ausgang gebracht. Als einst Trainer Klinsmann zu den Bayern kam, ging M-W. Als Klinsmann gegangen wurde, kam M-W wieder. Das spannende Schauspiel ist noch nicht zu Ende.

Im Pokalviertelfinale konnten sich die Bayern einmal mehr auf die Schiedsrichter verlassen. In der Verlängerung rammte Bayerns Thiago im Stil eines Kickboxers Leverkusens Kiesling mit dem Schuh ca. zwei Meter über der Grasnarbe. Das muss Rot geben. Nicht aber gegen den FC Bayern. Kiesling musste verletzt raus, stand beim 11-m-Schießen nicht zur Verfügung und der Ersatzspieler schoss den entscheidenden Elfer zu schwach für Neuer. Schon im Punktspiel davor stand Lewandowsky beim 1 : 0 gegen Frankfurt im Abseits. Darüber sah die Schiedsrichtergilde aber großzügig hinweg.

Ich war gespannt, ob ich das noch erlebe, dass diese Bevorzugung endlich einmal ein Ende hat. Im Pokalhalbfinale habe ich es erlebt. Mein Schiedsrichterheld Gagelmann entschied, zweimal, den Bayern keinen 11-m zu schenken. So kam es gegen Dortmund zum ShowDown, den der BVB 1 : 3 gewann, weil die Bayern ihre vier Elfmeter allesamt nicht im Tor unterbrachten. Das ist das Verrückte am Fußball. Es kann die insgesamt bessere Mannschaft ausscheiden. Leider soll Gagelmann am Ende der Saison seine Pfeife an den berühmten Nagel hängen.

Hoffen wir, dass das Pokalfinale BVB vs. Wolfsburg im Mai ein großes Spiel wird.

Siegbert Heid, Anfang Mai 2015