Man erlebt es an jedem Spieltag. Die Farbigkeit der Sprache erreicht Popqualität. Im Fußball, das ist in der Tat das Lustige, versucht man, auch die geringste Auffälligkeit zu erklären, so als ob die Betrachter alle leicht debil wären. Ein schönes Beispiel bot der Mainzer Sportdirektor Christian Heidel . Während eines engen Spiels versuchte der neue Trainer Roger Schmidt im Hexenkessel des Stadions durch laute Zurufe seine Spieler zu erreichen. Das misslang. Darauf versuchte er es mit einer nur ihm bekannten Zeichensprache, die die Spieler noch weniger verstanden. Für mich als Zuschauer war das fast so vergnüglich wie das Geschehen um den Ball. Der Sportdirektor analysierte später auf der Pressekonferenz: „ Er muss erst noch verstehen, dass man ihn nicht versteht“.

Herrlich trocken war auch Bélas Kommentar zum dritten Dortmunder Tor gegen Schalke. Torwart Wellenreuther hatte den Ball vor sich liegen. Aus ca. 18 Metern sprintete Marco Reus zum Ball. Der Torwart tat nichts. Er war wie in Trance. Alle Zuschauer hielten den Atem an. Aus ursprünglich 18 Meter Entfernung wurden 10. Er tat immer noch nichts. Schließlich wollte er den Ball doch wegbefördern. Aber es war zu spät. Der wieselflinke Reus listete ihm den Ball ab. Der ging ins Tor und der Torwart saß auf seinem Hosenboden. „ So, jetzt ist Wellenreuther auf der Suche nach dem eigenen Schwerpunkt“, meinte Béla. Schöner kann man die Situation kaum kommentieren. Ich bin überzeugt, dass das die Slapsticknummer der Saison war. Der BVB gewann mit 3 : 0. Beim grottenschlechten Spiel der Schalker fletschte Jan Huntelaar die Zähne. Das sah furchterregend aus. Man konnte aber auch erkennen, dass sein Oberkiefer beim stärksten Wolkenbruch das Eindringen eines jeden Tropfens in den Mund erfolgreich verhindert.

Würde Charly Neumann noch leben, trüge er jetzt seine Schalkefahne mit Trauerflor durch Gelsenkirchen. Das Dortmunder Stadion war einmal mehr ausverkauft. Mit ca. 81 000 Zuschauer ist es das größte Stadion in Deutschland. Es fasst 10 000 Zuschauer mehr als das Münchener Stadion. Darauf weist Freund Peter aus Mecklenburg-Vorpommern hin, nachdem man in der Presse das 275. Spiel der Bayern vor ausverkauftem Stadion in Paderborn groß notierte. Das Stadion dort hat allerdings nur 15.000 Plätze. Ich erinnere mich an eine nette Geschichte: Meine Frau und ich waren zum Spiel der Dortmunder gegen den HSV im Stadion. Der Sprecher gab bekannt, dass 77 700 Zuschauer anwesend seien. Da sagte mein Sitznachbar allen Ernstes zu mir: „ Und 4000 fehlen unentschuldigt“. Das hat mir gut gefallen.

Bisher war mir bekannt, dass in den monotheistischen Religionen irgendwann ein Ungewöhnlicher (Messias z.B.) angekündigt wird, der durch Reden und Taten hervorgehoben auf der Bildfläche erscheint. Nach dem 1 : 1 des VfB vs. Hannover am 23. Spieltag erweiterte der Stuttgarter Trainer Huub Stevens mein Wissen. Auf die Frage eines Reporters, wie es denn weiter gehen sollte, antwortete er: „ Ich bin nicht der Messias – oder habe ich Sandalen an ?“ Vielleicht können mich bibelfeste Leser gelegentlich informieren, ob das zur vorgeschriebenen und in der Bibel fest gehaltenen Dienstuniform eines Messias gehört. Da fällt mir gerade der Unterschied zwischen einem Handwerker und dem Messias ein? Der Messias wird eines Tages kommen.

Mir sind Sandalenträger aus dem alten Ägypten bekannt. Schon vor über 3000 Jahren war er der Mann hinter dem Pharao. Ausgestattet mit Wasserkrug und Sandalen war er ein hoch geachteter Beamter, der dem König die Füße waschen durfte. Somit durfte er ihn berühren, ohne auf der Stelle von der Leibwache erschlagen zu werden. Ich glaube, den hat unser Huub nicht gemeint.

Bleiben wir noch einen Moment im nichteuropäischen Kulturkreis. In Indien wollte ein Paar heiraten. Vor Abschluss der Zeremonie fragte sie ihren Bräutigam „ 15 + 6“? Der antwortete „17“. Darauf ließ sie die Hochzeit platzen, weil ihr der Lover zu blöd erschien. Nun hat er mit der Nennung seiner Zahl die richtige Richtung angegeben, auch wenn die Rechenoperation irgendwie daneben ging. Blödheit kann ich ihr aber auch nicht absprechen, denn darauf hätte sie schon früher kommen können. Ich vermute nach wie vor, er verstand „15 + Sex“ und legte voll Gottvertrauen mit 17 noch zwei Nummern drauf. Nicht ganz so weit wollte die Freundin des Gladbacher Spielers Hahn gehen. Nach dem von Gladbach in Offenbach gewonnenen Spiel meinte sie als Offenbacherin augenzwinkernd: „ Heute muss er auf der Couch schlafen.“

Gags gibt es auch in anderen Sportarten. Wolf Dieter Poschmann berichtete über die WM im Viererbob. Einen Tag vor dem Weltfrauentag kippte die kanadische Steuerfrau um, die mit drei Männern im Bob fuhr. Sein Kommentar: „ Jungs lasst uns einen kippen gehen, morgen ist Weltfrauentag.“

International gibt es einiges festzuhalten. Es tagte die IFAB (International Football Association Board). Sie ist eine erzkonservative Gruppierung, die die Fußballregeln bestimmt. Jüngst hat sie den Videobeweis ebenso abgelehnt wie die Verminderung der Dreifachbestrafung von Spieler und Mannschaft bei einem Foul im eigenen Strafraum mit Strafstoß, Roter Karte für den Spieler und danach Sperre für ihn. Dafür hat sie aber beschlossen, das Grab von William McCrumm zu pflegen. Er erfand 1890 den Elfmeter. Er starb 1932 in Nordirland.

Von den sechs deutschen Teams blieben – wie ich es im November vorher gesagt habe – mit den Bayern und Wolfsburg noch zwei übrig. Schalke hatte Pech, für Mönchengladbach reicht es nächstes Jahr, Leverkusen war zu unclever und der BVB den Turinern hoffnungslos unterlegen.

Dafür blieb der BVB im Pokal dabei. Gegen überharte Dresdner kämpfte man sich durch.

Der VfB Stuttgart verlor 4 : 0 gegen Leverkusen. Als Badener kam bei mir dabei keine Traurigkeit auf. Reporter Fuß ging auf die Schwaben ein, als er meinte, jetzt werden sie „kugelrund gespielt“. Dabei kann er nur die Schupfnudeln , im Badischen „Bubespitzlen“ genannt, gemeint haben.

Darüber hinaus wissen wir, dass Sportreporter Fuß es gern klassisch liebt. Nach einer Spielsituation kommentierte er: „ Verteidiger Papadopoulos (Lev.) zeigt uns die klassische griechische Beinschere.“ Mir war sofort klar, hier dreht Fuß ein großes historisches Rad. Das wollte ich prüfen. Flugs war ich bei den Ringern in der Antike. Ringen wurde dort bei den 18.Olympischen Spielen des Jahres 708 v.Ch. eingeführt, also 70 Jahre nach den ersten Spielen 776 v.Ch. Die Beinschere gehörte allerdings nicht zu den Regeln. Schließlich war ich bei Homers „Ilias“ erfolgreich. Dort schildert der Dichter im 8.Jh.v.Ch. eine Begebenheit, die sich ca. 1200 Jahre vorher abspielte und bis zu Homer über Jahrhunderte mündlich überliefert wurde. Danach gab es einen Kampf zwischen Aiax und Odysseus. Kampfrichter war übrigens Achilles. Er beendete den Kampf als Unentschieden, nachdem O. durch Fersenstoß in die Kniekehle des Gegners und Beinschere gepunktet hat. Reporter Fuß macht es einem nicht leicht mit seinen Ausflügen in die Geschichte.

Das aktuelle Sportstudio des ZDF ist für uns der ideale Übergang in den Tiefschlaf. Im Bett liegend, hört man noch ein wenig zu und ist danach ruck-zuck eingeschlafen. Verloren hat, wer am ehesten aufwacht, weil er den Fernseher ausschalten muss. Das war beim Spiel Schalke vs. Leverkusen 0 : 1 nicht anders. Dabei riss mich aber eine Sportreporterin mit neuer Sprache aus dem Tiefschlaf. „ Leverkusen hat die bessere Raum-Zeit Konzeption“, meinte sie. D.h. Leverkusen spielte steiler und schneller. Damit überbrückt man schneller das Spielfeld. Dann wurde „ die Frequenz der Torszenen höher“, d.h. die Teams schossen mehr aufs Tor. Schließlich war Schalke in der 2. Halbzeit „ besser strukturiert“, d.h. man rannte nicht mehr wie in einem Hühnerhof kunterbunt umher. So schnell konnte ich gar nicht schreiben, wie sie neue Formulierungen fand. In dieser Nacht habe ich verloren. Das macht mir nichts aus. Schlimmer wäre es, beim Sonntagstatort einzuschlafen und bei Jauch aufzuwachen.

Andere haben beim Einschlafen größere Probleme. Jüngst berichtete eine Hörerin im WDR: „Wenn ich nachts nicht schlafen kann, dann zähle ich bis drei. Manchmal wird es auch halb vier“. Die Dame hat ihren Humor nicht verloren.

Je näher der Abschluss der Saison naht, desto häufiger reden Spieler und Trainer von „ 6-Punkte-Spielen“. Das kann man allerdings nur in einer Konstellation bestätigen, wenn Team A drei Punkte Rückstand zu Team B hat und Team B gegen Team A gewinnt. Dann werden aus drei Punkten sechs Punkte. In der Rechnung holt man trotzdem nicht mehr als drei Punkte heraus. Der Spruch ist also im Grunde Unsinn und nicht mehr als eine Floskel. Bei den Bayern findet die 6-Punkte-Regel auch nicht im Ansatz ihre Anhänger. Trotz zweiter Niederlage (0:2 auf eigenem Platz) gegen Mönchengladbach sind sie allen anderen weit voraus.

Weltmeister Deutschland – Asienmeister Australien 2 : 2 war wie bei einer Chorprobe. Unser Freund Belá fand kaum noch Worte. „ Die Abwehr spielt vogelwild“, d.h. rennt wie Hühner wild durcheinander. Aber er gibt zu: „ Gekämpft wird um jeden Ball, d.h. es ist ein ziemlich großes Gehacke“. Nur zu Podolski findet er freundliche Worte: „ Podolski hat von allen die gesündeste Gesichtsfarbe“.

Die Georgier mussten beim 0 : 2 in der Europaqualifikation gegen den Weltmeister keinen Bus auf die Torlinie stellen. Die Deutschen übertrafen sich in der Kunst, neben oder über das Tor zu schießen. Herausragend war für mich Boateng. Er räumte gefährliche Angriffe  der quirligen Georgier ab. Folgerichtig meinte der Reporter: „ Boateng macht heute jede Tür zu“.

Eine Nachricht aus einem anderen Geschäftsfeld sollte uns aber noch interessieren. Jetzt wurde bekannt, dass das Gewehr, das die Bundeswehr benutzt, nach mehrmaligem Gebrauch an heißen Tagen irgendwo in die Pampa streut, jedenfalls nicht dorthin, wo es soll. Als Soforthilfe sollte mit jedem Feind ausgemacht werden, dass unsere Seite einen Herold mit Fahne präsentiert, der die Zeiten angibt, wann beide Seiten schießen dürfen. Sonst wären wir ja hoffnungslos im Nachteil. Ähnliches müsste vereinbart werden für die U-Boote, die nicht tauchen können, für die Hubschrauber, die nicht aufsteigen, für die Fregatten, die nicht außer Sichtweite des heimatlichen Hafens sich bewegen dürfen und auch für die Flugzeuge, die nicht fliegen. Ich frage mich vermehrt, wenn ich auf der Hardthöhe die vielen Büros sehe, was machen die da eigentlich den ganzen Tag ? Nichts, außer Akten hin- und her tragen ? Nur die Frisur der Schrottministerin, die jetzt auf Fotos mit Truppe in Afghanistan verzichten muss, scheint gegen Wind und Wetter unbedingt abwehrtauglich zu sein. Das ist aber auch alles.

Siegbert Heid, Anfang April 2015